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Karl-Theodor zu Guttenberg : Uni Bayreuth erkennt den Doktortitel ab

  • Aktualisiert am

Bild: reuters

Die Uni Bayreuth erkennt Verteidigungsminister zu Guttenberg den Doktortitel ab. Wissenschaftliche Standards habe er „objektiv nicht eingehalten“. Der Vorwurf der vorsätzlichen Täuschung war allerdings nicht Gegenstand der Untersuchung. Kanzlerin Merkel bezeichnet die Entscheidung als richtig und logisch.

          Die Universität Bayreuth hat Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) den Doktortitel aberkannt. Das gab Hochschulpräsident Rüdiger Bormann am Mittwochabend nach einer Sitzung der Promotionskommission der rechts- und wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät bekannt.

          Der Minister hatte in einem Brief an die Universität „gravierende handwerkliche Fehler“ bei seiner Doktorarbeit eingeräumt, die er im Februar 2007 abgeschlossen hatte. Bormann wies darauf hin, dass die wörtliche oder sinngemäße Übernahme von Textstellen ohne hinreichende Kennzeichnung nach der Rechtsprechung die Grundsätze wissenschaftlichen Arbeitens verletze.

          „Die Kommission, darauf weisen die Mitglieder einstimmig hin, hat sich davon überzeugt, dass Herr Freiherr zu Guttenberg gegen diese wissenschaftlichen Pflichten in erheblichem Umfang verstoßen hat. Dies hat er auch selbst eingeräumt.“ Die der Literatur ohne Kennzeichnung übernommenen Stellen seien als Plagiat zu bezeichnen, betonte Bormann.

          Ab sofort ohne Doktor: Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg

          „Jede Irritation werden wir mit Nachdruck verfolgen“

          Die Frage eines möglichen Täuschungsvorsatzes habe die Kommission aber nicht untersucht. Bormann betonte, es habe bei der Bewertung des Falles keinen politischen Druck gegeben. Zu Folgen für die künftige Zusammenarbeit mit dem Minister, dessen Familie in der Nähe von Bayreuth lebt, wollte sich der Hochschulpräsident nicht äußern.

          Die Selbstkontrollkommission werde aber weiterhin über mögliche Konsequenzen beraten. Ungeachtet des Falles werde die Universität alles tun, um die hohen wissenschaftlichen Standards beizubehalten. Jeder müsse künftig mit einer Überprüfung rechnen. „Jede Irritation werden wir mit Nachdruck verfolgen“, sagte Bormann.

          Angela Merkel: „Die Entscheidung macht Sinn“

          Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bezeichnnete das Aberkennen des Doktortitels als richtig und logisch. Die Universität Bayreuth folge mit dieser Entscheidung der Einschätzung des Ministers, sagte Merkel am Mittwochabend in Freiburg bei einer Veranstaltung der Stiftung Ordnungspolitik. „Die Entscheidung der Uni Bayreuth liegt auf der Linie dessen, was der Verteidigungsminister vorgegeben hat. Sie macht daher Sinn.“ Das Votum zeige, dass zu Guttenberg mit seiner Selbsteinschätzung richtig liege. Der Minister sei durch die Uni-Entscheidung daher in seinem Amt nicht geschwächt.

          Guttenberg hatte über mehrere Jahre hinweg an seiner 475 Seiten starken Doktorarbeit mit dem Titel „Verfassung und Verfassungsvertrag“ geschrieben. Am 27. Februar 2007 wurde er an der juristischen Fakultät mündlich geprüft. Wenige Wochen später genehmigte die Hochschule einen Antrag des damals noch einfachen CSU-Bundestagsabgeordneten, dass er seinen Doktortitel vorläufig führen kann. Dies gab er Ende Mai 2007 auch der Bundestagsverwaltung bekannt. Nach Abgabe der Pflichtexemplare seiner Dissertation durfte Guttenberg dann offiziell seit dem 28. Januar 2009 den Doktortitel in seinem Namen führen.

          „Weder bewusst noch vorsätzlich getäuscht“

          Am Mittwoch hatte sich Guttenberg vor dem Bundestag für ungekennzeichnete Zitate, Diebstahl geistigen Eigentums und die ungenehmigte Verwendung aus vier Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags entschuldigt, einen Rücktritt aber ausgeschlossen. Die Opposition forderte ihn zum Rücktritt auf. Als „Lügner, Täuscher und Betrüger“ sei er ungeeignet, die Bundeswehr zu führen, sagte der Grünen-Fraktionsvorsitzende Trittin.

          Guttenberg sagte, er habe „weder bewusst noch vorsätzlich getäuscht, aber gravierende Fehler gemacht“. Deshalb verzichte er auf das Führen des Doktortitels. Er sei, so der Minister, „sicher so hochmütig, zu glauben, dass mir die Quadratur des Kreises gelingt, und zwar politische Leidenschaft und Arbeit sowie wissenschaftliche und intellektuelle Herausforderungen als junger Familienvater miteinander in Einklang zu bringen. Für mich stellte das offenbar eine Überlastung dar. Und ich muss heute mit Bedauern feststellen, dass mir das nicht gelungen ist.“

          „Früher wusste der Adel, was an einer solchen Stelle zu tun ist“

          Die Arbeit als Verteidigungsminister sei eine „gewaltige Aufgabe, aber eine solche, die ich auch mit Freude angehe“, erläuterte der Minister unter dem Hohngelächter der Opposition und fuhr fort: „Und die ich umso freudiger annehme, je liebevoller man mit mir hier umgeht.“

          Der SPD-Politiker Oppermann warf zu Guttenberg vor, er habe „vorsätzlich und planmäßig“ fremdes Gedankengut übernommen. „Sie haben getäuscht, Sie haben betrogen und Sie haben gelogen, wie können Sie noch Respektsperson Zehntausender junger Soldaten sein? Jeder Soldat wäre entlassen worden, jeder Schüler wäre durch die Abiturprüfung gefallen, jeder Student von der Universität geflogen.“ Es sei „unerträglich, dass ein akademischer Hochstapler und Lügner weiterhin dem Kabinett angehören darf“. Der Minister, aber auch die an ihm festhaltende Bundeskanzlerin Merkel „zerstören die Wissenschaftskultur und die Basis für intellektuelle Redlichkeit in diesem Land“.

          Redner von CSU und CDU verteidigten Guttenberg und warfen der Opposition vor, eine Kampagne zu führen. Auch der FDP-Politiker Thomae nahm Guttenberg in Schutz. Die Opposition verheddere sich „in den Fußnoten der Politik“. Der Grünen-Politiker Trittin sagte, „Dr. Karl-Theodor zu Guttenberg“ bringe es fertig, „noch in der Geste der Demut Arroganz zu demonstrieren“. Trittin forderte: „Frau Bundeskanzler, die Bundeswehr darf nicht mehr von einem Felix Krull kommandiert werden. Entlassen Sie Herrn Doktor zu Guttenberg.“ Der Linke-Politiker Bartsch beendete seine Rede mit dem Hinweis: „Früher wusste der Adel, was an einer solchen Stelle zu tun ist.“

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