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Plagiatsaffäre Guttenberg : Nicht fahrlässig, sondern vorsätzlich

Bild: reuters

Die Universität Bayreuth hat ihren abschließenden Bericht zur Plagiatsaffäre Guttenbergs vorgelegt. Einem direkten Kontakt mit der Kommission ist Guttenberg ausgewichen.

          Der frühere Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat mehrfach versucht, seine mangelhafte Doktorarbeit mit einer schweren beruflichen und familiären Mehrfachbelastung zu erklären, so auch in einer Stellungnahme gegenüber der Universität Bayreuth. Darin habe er eine „ungeordnete Arbeitsweise“ mit „gelegentlich chaotischen Zügen“ zugegeben.

          Heike Schmoll

          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          Das geht aus dem vierzig Seiten und einen ausführlichen Anhang umfassenden Abschlussbericht der „Kommission Selbstkontrolle in der Wissenschaft“ an der Universität Bayreuth hervor, der am Mittwoch in Bayreuth veröffentlicht wurde. Guttenberg, der zwar gravierende Fehler eingestanden, eine bewusste Täuschung jedoch immer bestritten hatte, verwies in seiner Stellungnahme auch auf die Erwartungen der Familie und auf die mit einem Abbruch verbundene Enttäuschung seines Doktorvaters. „Ich wollte mir eine Schwäche nicht eingestehen“, schreibt Guttenberg in einem durch seine Anwälte übermittelten Fax.

          Einem direkten Kontakt mit der Kommission ist Guttenberg ausgewichen. Auch der Aufforderung, die Genese einzelner Stellen seiner Dissertation zu erläutern, ist er nicht nachgekommen. Stattdessen hat er darauf verwiesen, dass er Material in nahezu allen denkbaren Formen gesammelt und archiviert habe, und zwar in Buchform, als Papierkopien, auf Disketten, mehreren Laptops und Wohnsitzen.

          Der Abschlussbericht der „Kommission Selbstkontrolle in der Wissenschaft”

          „Zustand der Dauervergesslichkeit“

          Die Kommission konnte sich seine Argumentation nicht einmal als mildernd zu eigen machen. Guttenberg habe sehenden Auges in Kauf genommen, dass er eine Arbeitsweise pflege, der die fehlende wissenschaftliche Sorgfalt immanent sei. „Wer jahrelang akzeptiert, dass er Sorgfaltsstandards nicht einhält, handelt nicht fahrlässig, sondern vorsätzlich, weil er die Sorgfaltswidrigkeit zum bewussten Arbeitsstil erhebt“. Vorsätzliche Täuschungen seien in der Arbeit werkprägend. Die Kommission könne auch nicht nachzuvollziehen, dass jemand, der über Jahre Quellen für seine Dissertation bearbeite, derart in einen „Zustand der Dauervergesslichkeit“ komme, dass ihm die allerorten in seiner Arbeit nachweisbaren Falschangaben völlig aus dem Bewusstsein gerieten.

          Keinen Zweifel lässt die Kommission daran, dass es sich um eine vorsätzliche Täuschung durch Guttenberg handelt und nicht um Fahrlässigkeit. Dafür spricht die Art des Plagiierens, die Montagetechnik verschiedener Texte, der Wechsel von wortwörtlich übernommen Zitaten mit geringfügigen Umformulierungen. Die „objektiv bestehenden Täuschungen durchziehen die Arbeit als werkprägendes Bearbeitungsmuster“, heißt es im Kommissionsbericht.

          „Nicht ausreichend offengelegte Fremdautorschaft“

          Eindrücklich lässt sich das Schnittmuster der Plagiate vor allem am Umgang mit den Ausarbeitungen des Wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestags zeigen. Die Bayreuther Kommission mit zwei externen Mitgliedern, dem Bonner Wissenschaftsrechtler Löwer und dem Konstanzer Wissenschaftstheoretiker Mittelstraß hält es für unerheblich, dass Guttenberg nicht in allen Fällen - aber in einigen Fällen in Fußnoten darauf verweist, dass er diese Ausarbeitungen für Vorträge im Rahmen seines Abgeordnetenmandates verwendet hat, so dass der Eindruck entsteht, hier würden eigene Vortragstexte in der Dissertation verarbeitet. So heißt es etwa in einer Fußnote, die folgenden Ausführungen basierten auf einem Vortrag des Verfassers in Wilton Park im Mai 2004, für den die Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestags wichtige Grundlagenarbeit geleistet hätten.

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