http://www.faz.net/-gpg-y8sd

Debatte über Guttenbergs Dissertation : Regierung: „Das geht noch weiter“

  • Aktualisiert am

Bundesverteidigungsminister zu Guttenberg während seiner Erklärung zu den Plagiatsvorwürfen am Vormittag Bild: dapd

Trotz der Erklärung von Verteidigungsminister zu Guttenberg, wegen der Plagiatsvorwürfe auf seinen Doktortitel „vorübergehend“ zu verzichten, wird in der Bundesregierung nicht mit einem baldigen Ende der Debatte gerechnet. Auch die Vorgehensweise des Ministers steht in der Kritik.

          Die Spitze der Bundesregierung stellt sich darauf ein, dass die Debatten über die Dissertation von Verteidigungsminister zu Guttenberg (CSU) mit dessen Erklärungen vom Freitag nicht beendet sind. „Das geht noch weiter.“ Die von Guttenberg angekündigte „aktive Mithilfe“ bei der Aufklärung des Zustandekommens seiner Dissertation werde die „nächsten Schritte bestimmen“.

          Die Erklärung sei „auf jeden Fall zu begrüßen“, werde aber von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nicht bewertet. „Die Bundesregierung ist überzeugt, dass er das Richtige tut.“ Aus der Opposition wurde der Rücktritt Guttenbergs gefordert und eine parlamentarische Behandlung der Angelegenheit angekündigt.

          Guttenberg sagte am Freitag im Ministerium: „Ich werde selbstverständlich aktiv mithelfen festzustellen, inwiefern darin ein wissenschaftliches, ich betone: ein wissenschaftliches Fehlverhalten liegen könnte. Und ich werde gerne bis zum Ergebnis dieser Prüfung vorübergehend, ich betone: vorübergehend, auf das Führen des Titels verzichten, allerdings nur bis dahin, anschließend würde ich ihn wieder führen.“ (Siehe auch: Plagiatsvorwürfe: Guttenberg schreibt Doktortitel vorerst ab sowie Mit Video: Guttenbergs Erklärung im Wortlaut)

          Doktorarbeit, S. 119 (links), Artikel von Sonja Volkmann-Schluck (2001)

          „Uneingeschränktes“ politisches Vertrauen, aber Kritik an Vorgehensweise

          Doch gab es in der Regierungszentrale offenbar Unzufriedenheit über die Vorgehensweise des Ministers. Dieser gab seine Erklärung ab, während nahezu gleichzeitig sein Sprecher in der Bundespressekonferenz sich zu Auskünften nicht in der Lage sah. Die Pressekonferenz wurde wenig später abgebrochen.

          In der Bundesregierung hieß es danach, der Minister hätte seine Erklärung besser 30 Minuten vor oder nach der Bundespressekonferenz abgegeben. Deren Vorstand schickte dem Minister ein Protestschreiben. Guttenberg bat sodann schriftlich um Entschuldigung. Er ließ den Doktortitel aus seinen Internet-Auftritten streichen. Sein Sprecher gab an, der Minister habe sich eigentlich später äußern wollen. Doch nachdem aus Afghanistan der Tod eines Soldaten gemeldet worden war, habe er sich spontan entschieden, seine Erklärung abzugeben, um diese Sache „vom Tisch“ zu haben.

          Frau Merkel hatte am Donnerstagabend ein Gespräch mit Guttenberg geführt. Es hieß am Freitag, Frau Merkels politisches Vertrauen zu ihrem Minister sei „uneingeschränkt“.

          Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) nahm Guttenberg in Schutz. „Ihm zu unterstellen, dass er die ganze Doktorarbeit abgeschrieben haben soll, (...) wird dem Charakter dieser Arbeit überhaupt nicht gerecht“, sagte er am Freitag im Deutschlandfunk. „Jedem passiert auch mal vielleicht ein Fehler.“ Er empfahl aber, so rasch wie möglich Klarheit zu schaffen.

          Opposition: „Schwerwiegender Affront“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Briefkasten für Autofahrer des Finanzamts V in Frankfurt

          Rechnungshof klagt an : Finanzämter verschenken hunderte Millionen

          Zu kompliziert fürs Finanzamt: Steuerprüfer wissen oft selbst nicht, wie viel Geld sie von Steuersündern eintreiben müssen. Das beklagt der Bundesrechnungshof. Es geht um hohe Summen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.