19.09.2011 · Vor den Kameras bemühte sich das FDP-Spitzenpersonal demonstrativ um Geschlossenheit. Kein böses Wort fiel gegen die Parteispitze. Hinter den Kulissen herrsche aber ziemliche Fassungslosigkeit, berichteten Teilnehmer der Gremiensitzungen.
Offiziell ist er kein Sündenbock mehr. Als Guido Westerwelle aber am Montagmorgen mit einer neuen, modischen Hornbrille in die Sitzung der FDP-Führung marschierte, bekam er von den anderen liberalen Schwergewichten ordentlich Sprüche.
„Guck mal, der Guido hat 'ne neue Brille“, flachste die Runde um Parteichef Philipp Rösler, Generalsekretär Christian Lindner und Fraktionsboss Rainer Brüderle.
Westerwelle machte gute Miene und flog später zur UN-Vollversammlung nach New York. Er bleibe Außenminister, versicherten führende Liberale.
Vor den Kameras bemühte sich das FDP-Spitzenpersonal demonstrativ um Geschlossenheit. Kein böses Wort fiel gegen die Parteispitze. Hinter den Kulissen herrsche aber ziemliche Fassungslosigkeit, berichteten Teilnehmer der Gremiensitzungen.
Nur 1,8 Prozent in der Hauptstadt, hinter der NPD, nur knapp vor der Tierschutzpartei und ein Abklatsch der erfolgreichen Piratenpartei. Das tut den Liberalen besonders weh. „Wir sind doch bei Bürgerrechten und Internet das Original“, jammerte ein FDP-Mann.
Der mächtige NRW-Landeschef Daniel Bahr machte auf Zweckoptimismus. Schwarz-Gelb habe noch zwei Jahre vor sich. „Es ist gerade mal Halbzeit. Man kann, das wissen wir aus dem Fußball, auch in der zweiten Halbzeit noch ein Spiel drehen“, sagte Bahr, der als FDP-Minister und Borussia-Dortmund-Fan (1:2 in Hannover) am Sonntag gleich doppelt gestraft war.
Philipp Rösler, dessen rasanter Aufstieg in Niedersachsen begann, ist Anhänger von Hannover 96. Doch selbst ein 10:0 gegen den deutschen Meister hätte den jungen FDP-Chef wohl nicht aufbauen können. Die Berlin-Niederlage ist seine ganz persönliche Pleite, weil er eine Woche vor der Abstimmung den politischen Kurs radikal geändert hatte.
Die Hoffnung von Rösler und Generalsekretär Christian Lindner war, dass die scheinbar populären Warnungen vor einer möglichen Insolvenz Griechenlands und immer neuen Risiken für Deutschland bei den Berlinern gut ankommen würden. Doch die Strategie verfing (noch?) nicht.
Lindner, als „General“ der Hauptverantwortliche für die Ausrichtung der Partei, war am Wahlabend zerknirscht. Die FDP müsse mit „Demut“ den Denkzettel annehmen und dürfe jetzt nicht in Panik verfallen. Es hörte sich fast wie Galgenhumor an, dass Lindner als einzige frohe Botschaft verkündete, es werde ja erst im Mai kommenden Jahres wieder in Kiel gewählt.
Wie lange der - vor allem dem Berlin-Schock geschuldete - Burgfrieden in der FDP hält, bleibt abzuwarten. Der notorische Kritiker der Parteispitze, der Kieler Fraktionschef Wolfgang Kubicki, forderte ein Aufpolieren des Markenkerns. Also solide, ehrliche Arbeit mit der Kernkompetenz Wirtschaft. Fokus auf Mittelstand und erfolgreiche Selbstständige - so sieht das auch Brüderle.
In der Union wächst die Sorge, dass die untergehende FDP bald außer Kontrolle geraten könnte. Der Mitgliederentscheid der „Euro-Rebellen“ gegen den dauerhaften Rettungsschirm ESM könnte zur Zerreißprobe werden. Deren Wortführer Frank Schäffler warnte die Parteiführung davor, beim Euro-Kurs wieder einzukicken. Er führe eine „Graswurzelbewegung“ an, die nicht unterschätzt werden sollte. Die Euro-Strategie der Regierung dürfe Bürgern und FDP-Basis „nicht von oben aufoktroyiert werden“.
Es fehlt die Kraft sich aus der Abhängigkeit der CDU zu befreien.
bernd ullrich (demokrat2)
- 21.09.2011, 14:26 Uhr
@Rolf Joachim Siegen (rolfS2): Es ist ungehörig, hier persönlich zu werden,
Stephan Hoppe (shoppe57)
- 20.09.2011, 10:02 Uhr
Klassenkampf gegen die bürg. Mitte
harm zorc (toughdown)
- 20.09.2011, 00:54 Uhr
Hauptverdienst der FDP ist...
harm zorc (toughdown)
- 20.09.2011, 00:35 Uhr
Rösler liefert nicht
Gerhard Wruck (arbiter)
- 20.09.2011, 00:07 Uhr