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Im Porträt: Pirat Andreas Baum Der Antipolitiker

20.09.2011 ·  Aus seiner Unsicherheit macht Andreas Baum keinen Hehl und genau das spricht seine Wähler an. Er setzt mit der Piratenpartei auf eine neue Art, Politik zu machen, auf Bürgernähe und Mitbestimmung.

Von Marie Katharina Wagner
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Als Andreas Baum spät am Abend auf der Wahlparty der Piraten mit frenetischem Jubel empfangen wurde, hob er sofort abwehrend die Hände: „ich komme mir bescheuert vor, wenn Ihr mir zujubelt“, rief er. Der 33 Jahre alte gelernte Industrieelektroniker, der in Berlin bei einem Internetbetreiber arbeitet, liebt das Rampenlicht nicht.

Ebendeshalb war er der perfekte Spitzenkandidat der Piratenpartei: Ihre Mitglieder reagieren allergisch auf Menschen, die nach Macht streben. Baum verkörpert das Gegenteil: Der schmächtige Hesse mit dem jungenhaften Gesicht, der selten den Kapuzenpullover ablegt, ist zurückhaltend und ruhig, seine Unsicherheit verbirgt er nicht. Im Wahlkampf rief er zu Beginn, auch in der eigenen Partei, nicht nur Begeisterung hervor. Seine Antwort auf die Frage in einer Fernsehsendung, wie hoch die Schuldenlast Berlins sei – das wisse er nicht genau, aber „viele Millionen“ seien es schon –, zeigte Unbedarftheit und Naivität –, aber gab der Partei zugleich die Gelegenheit, ihren Witz und ihre Spontaneität unter Beweis zu stellen. Kurz darauf stellte sie eine eigens konstruierte „App“ vor, die über den aktuellen Schuldenstand Berlins informiert.

Irgendwie links, irgendwie liberal

Baum politisch einzuordnen fällt ebenso schwer wie bei der Partei, für die er steht. Irgendwie links, irgendwie liberal, nett und unprofessionell, ein Antipolitiker, so präsentiert er sich. Auf seiner Website schreibt Baum, er fühle sich „vielen Idealen des Liberalismus“ verpflichtet. Doch zeige sich an einigen Stellen, dass die bedingungslose Freiheit des einzelnen zu Lasten der Gemeinschaft gehe. Als Beispiele nennt er die „entfesselten Finanzmärkte“ und „einige Folgen der Globalisierung“.

Mehr als auf Themen setzt Baum mit seiner Partei auf eine neue Art, Politik zu machen, auf Bürgernähe und Mitbestimmung. Für sie steht die Software „Liquid Feedback“, die von Mitgliedern des Berliner Landesverbands entwickelt wurde. Jedes Parteimitglied kann darüber Anträge einreichen und Meinungen abfragen. Über Liquid Feedback wurde in Berlin auch das Wahlprogramm erarbeitet – was dazu beigetragen haben mag, dass es einigermaßen wirr und beliebig erschien. Virtuelle Mitbestimmung soll auch in der künftigen Arbeit der Fraktion eine Rolle spielen.

„Liquid Feedback“ spiegelt das große Dilemma der Piratenpartei: Zwischen Berlinern und dem Bundesvorstand hat es erbitterte Kämpfe um das Programm gegeben, entsprechend distanziert stehen sich beide Seiten noch immer gegenüber. Der Bundesvorstand hält die Software für zu komplizierz, um genügend Außenstehende zu beteiligen.

Für die Berliner Piraten, die ihren Erfolg nicht der Frustration vieler Wähler, sondern ganz sich selbst zuschreiben, ist das Ergebnis vom Sonntag daher auch im Verhältnis zur Bundespartei eine Genugtuung. Es kann gut sein, dass die Berliner Piraten rund um Andreas Baum den Bundesvorstand in Zukunft ein wenig vor sich hertreiben werden.

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Jahrgang 1981, Redakteurin in der Politik.

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