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Muhterem Aras : Die grüne Stimmkönigin

Muhterem Aras Bild: dpa

Mit einem Wahlergebnis von mehr als 42 Prozent ist Muhterem Aras die Stimmkönigin der Grünen bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg. Die Muslima holte sich ihr Mandat im Wahlkreis „Stuttgart 1“.

          Muhterem Aras ist immer noch überrascht von ihrem Erfolg. Am Mittwochabend war sie im Stuttgarter Literaturhaus. Zwei ältere Damen, erzählt Frau Aras, hätten sie angesprochen. „Machen Sie Ihre Arbeit gut, damit wir Sie wieder wählen können“, habe eine etwa 60 Jahre alte Dame gesagt. Die zweite Dame habe ihre Wahlentscheidung für die grüne Landtagsabgeordnete mit „Stuttgart 21“, der Energiepolitik und dem ENBW-Geschäft begründet.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Solche Motive sind sicher der Grund dafür, dass die 45 Jahre alte Steuerberaterin mit 42,5 Prozent bei den baden-württembergischen Landtagswahlen grüne Stimmenkönigin und als erste Muslima Landtagsabgeordnete geworden ist. Die CDU kam in ihrem Wahlkreis nur noch auf 26,9 Prozent.

          Das Ergebnis von Aras ist umso beachtlicher, wenn man sich anschaut, was sich hinter dem Wahlkreis „Stuttgart 1“ verbirgt: Natürlich, auch der Stuttgarter Westen - die klassische Grünen-Hochburg mit Lebenskünstlern und jungen Müttern mit Bugaboo-Designer-Kinderwagen - gehört zu diesem Wahlkreis. Dort bekam sie 45 Prozent der Stimmen. Doch zu dem Wahlkreis gehören eben auch die Gänsheide und der Killesberg. Das sind die vornehmsten Halbhöhen-Wohnlagen mit einem hohen Durchschnittseinkommen. Selbst dort stimmten 38 Prozent der Wähler für die Einwanderin.

          Geboren ist die Mutter eines heute neun Jahre alten Sohnes und einer 13 Jahre alten Tochter in Ostanatolien, in dem kleinen armen Dorf Elmaagaca in der Nähe der Stadt Bingöl. Weil ihr Vater in Baden-Württemberg Arbeit fand, hieß ihre neue Heimat dann Filderstadt. Sie machte einen guten Schulabschluss, holte das Abitur nach und studierte Wirtschaftswissenschaften an der Universität Hohenheim.

          Der nun abgewählte Ministerpräsident Stefan Mappus war damals ein Kommilitone, aber die Grüne und der CDUler liefen sich an der kleinen Universität nicht über den Weg. Heute hat sie ein Steuerberaterbüro mit acht Mitarbeitern. Dass sie zusätzlich zum Studium auch noch die schwierige Prüfung zur Steuerberaterin schaffte, zeugt von ihrem Aufstiegswillen. Zur Finanzierung ihres Studiums arbeitete sie in der Geschäftsstelle der Stuttgarter Grünen.

          Die ausländerfeindlichen Anschläge in Rostock-Lichtenhagen und Mölln waren der Grund für sie, 1992 Mitglied der Grünen zu werden. „Mich hat überzeugt, wie die Grünen mit Minderheiten umgegangen sind, das Thema Ökologie kam bei mir dann erst später dazu“, sagt sie.

          Seit zwölf Jahren ist sie Mitglied im Stuttgarter Gemeinderat. Die Kollegen der anderen Parteien beschreiben sie als sehr umgänglich. Ohne die Protestbewegung gegen den neuen Bahnhof wäre ihr Stimmenanteil sicher geringer ausgefallen. „Ich verstehe mich schon als Teil dieser Protestbewegung, die hat die Stadtgesellschaft politisiert.“

          Welche Rolle sie künftig in der Landespolitik spielen wird, hängt von den Koalitionsverhandlungen ab. „Meine Themen sind Bildung und Finanzen, Einwanderer müssen sich nicht immer um Integrationspolitik kümmern.“ In ihrer knappen Freizeit macht sie Spaziergänge mit ihren Kindern, gekocht wird bei Familie Aras überwiegend schwäbisch.

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