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Dienstag, 18. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Harald Schmidt im F.A.Z.-Gespräch „Mit Tanja tanzt man keinen Stehblues“

 ·  Harald Schmidt ist in Nürtingen aufgewachsen, deshalb versteht er die Schwaben. Vor der Landtagswahl am 27. März spricht er im F.A.Z.-Interview über den Glückspilz Günther Oettinger, den Pietismus der Gudrun Ensslin - und andere große und kleine Geheimnisse Baden-Württembergs.

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Herr Schmidt, Sie sind 2009 mit dem Preis des Waiblinger Motorsägenherstellers Stihl für Ihre Verdienste um die Region Stuttgart ausgezeichnet worden. Worin liegen diese Verdienste?

Ich spiele in Stuttgart Theater. Außerdem bin ich in Nürtingen bei Stuttgart aufgewachsen. Vor allem aber sage ich immer und überall: Stuttgart ist toll, Stuttgart ist ein schlafender Riese, Stuttgart ist ein Rohdiamant. Wahrscheinlich war ich auch einfach der Bekannteste, der für den Preis zur Verfügung stand. Bei Preisen guckt man ja auch immer: Wer passt gerade, wer ist im Lande? Ich fand es jedenfalls naheliegend, dass ich den Preis kriege.

Churchill hat einmal über seinen Nachfolger Attlee gesagt: ein bescheidener Mann, mit allem Grund zur Bescheidenheit. Gilt das nicht auch für Ihre Heimat?

Ich finde nicht. Da ist schon mal das Materielle: Wohlstand. Mittlerer Neckarraum. Ich kenne das ja noch aus meiner Schulzeit, da hatten normale Arbeiter zwei Häuser, „uff Mondaasch“ verdient. Das Gehalt lief weiter, und der Vater war „uff Mondaasch“ in Brasilien oder in Russland, das wurde dann ja noch mal richtig bezahlt. Außerdem hat meistens die Oma jede Menge Grundstückle ghabt. Wenn uns da der Ruhrpottarbeiter geschildert wurde, in der Schule, im Drittweltunterricht oder so, da wusste man gar nicht, was damit gemeint ist. Denn man fuhr ja Benz, man hatte zwei Häuser, man hatte Grundstücke. Man musste auch am Wochenende 400 Kirschbäume abernten, sinnlos, aber die hatte man halt. Übrigens häufige Todesursache in der Ecke: vom Kirschbaum gfalla. Das glaubt man gar nicht, wie oft das passiert. Das ist das Materielle. Hinzu kommt: Auto erfunden, Hegel, Horkheimer, tolle Naherholungsgebiete. Also ich finde, Stuttgart hat auch weltweit gesehen eine enorme Lebensqualität. Baden-Württemberg insgesamt.

Gibt es den Wohlstand immer noch in dem Maße?

Relativ gesehen ja. Wenn ich mir in Stuttgart die sozialen Brennpunkte anschaue - das ist in Köln oberer Mittelstand.

Politiker im Südwesten sagen noch lieber als anderswo: Der Mittelstand ist das Rückgrat unserer Wirtschaft. Stimmt das?

Absolut. Ich bin ja auch ein Mittelständler: GmbH mit ich glaube 12 Festangestellten. Ich hatte mal 112. Zu der Zeit habe ich in Berlin zufällig Heinz Dürr getroffen, ein weiteres Aushängeschild unseres Landes: Bahn-Chef, AEG-Chef, Theaterfan, zwei Töchter: Nicole macht irgendwas mit Mode. Die andere weiß ich nicht, ich glaube die lebt in Las Vegas. Die habe ich mal beim Frühstück gesehen, im Schlossgarten-Hotel. Hat mir ihre Visitenkarte gegeben. Wenn ich mal nach Las Vegas komme: melden. Und dann sagte ihr Vater: Was, Sie hen a GmbH? Wie viel Mitarbeiter hen Sie? Ich: so hundert. Und dann sagte der mir auf den Kopf die Umsatzzahlen zu. Ich habe das mal nachgeschaut, das stimmte in etwa. Also: Natürlich ist es der Mittelstand, der das Land trägt. Weil der Mittelstand noch vor Ort rackert, ohne Wenn und Aber Steuern zahlt und in Talkshows keine unschönen Sätze sagt wie: Die Produktion folgt den Märkten.

In Ihrem neuen Buch schreiben Sie, dass für alle, die nördlich von Frankfurt herstammen, Baden-Württemberg und Bayern dasselbe seien. Als gebürtiger Bayer müssen Sie es besser wissen. Also: Welches Bundesland liegt vorne?

Eindeutig Baden-Württemberg, und da speziell Württemberg, nicht Schwaben. Württemberg hat einen großen Vorteil, das ist der, wie es dort heißt, Pietcong, der Pietismus auch in der Hardliner-Variante, der ja letzten Endes bis zur evangelischen Pfarrerstochter Gudrun Ensslin führt.

Was soll da der Vorteil sein?

Zusammen mit dem frischen Blut der Heimatvertriebenen, das durch mich reingebracht wurde, ist das so eine Melange, die im überwiegend katholischen Bayern fehlt. Diesen Pietismus hat es im Südwesten immer gegeben und dann eben die ganzen Flüchtlinge, die ja keine Flüchtlinge waren, sondern Vertriebene, aber gerade der FAZ-Leser weiß da ja subtil zu unterscheiden. Bayern lebt aus meiner Sicht hauptsächlich von seiner Landschaft. Dann hat man noch ein bisschen Siemens, ein bisschen Allianz, aber das wirkliche Eliteland ist Baden-Württemberg.

Baden-Württemberg will mit Bayern gegen den Länderfinanzausgleich vorgehen. Ist das aus Ihrer Sicht berechtigt?

Ich glaube, dass es im Rahmen der Stabilität notwendig ist, dass wir alle Länder am Rande der Armutsgrenze stützen - Griechenland wie Nordrhein-Westfalen. Aber man sollte sich dann die Arroganz leisten, es die anderen spüren zu lassen.

Die Kanzlerin hat als haushaltspolitisches Vorbild die schwäbische Hausfrau genannt. Gibt es die überhaupt noch?

Ich glaube schon, auch wenn es früher mehr davon gab. Da komme ich wieder auf die 400 Kirschbäume zurück, gefühlte Ernte: zehn Tonnen, die dann eingeweckt werden mussten. Und zwar ohne Aussicht darauf, dass sie jemals jemand isst. Was nicht eingeweckt wurde, hat man zu Gsälz, also Marmelade, verarbeitet. Wenn man irgendwo zum Kaffee war, dann bekam man ein Gläschen mit, obwohl einem zehn Mark viel lieber gewesen wären. Was auch noch zur Hausfrau gehört: in der Kittelschürze die Straße kehren, sonntags Kuchen backen, Garagentor abwaschen, auf dem Weg, wenn man von der Kirche zurückkommt, vorm Gartenzaun noch vier Blätter aufheben oder auf dem Friedhof vom Grab. Das sind ja alles Fähigkeiten, die zwar als spießig belächelt werden, aber im Grunde das finanzielle Auskommen garantieren. Mit der Stütze nicht klarkommen kann jeder. Bei uns daheim war ein fester Satz: Das können wir uns nicht leisten. Das lernt man als Kind, und dann ist das so. Wer unbeschränkt Geld ausgeben durfte, waren die Kinder von Geschiedenen. Die bekamen im Schwimmbad Cornetto statt Capri. Geschieden war damals in Nürtingen gleichbedeutend mit Neger. Im sozialen Status. Es gab auch den Begriff der „Amihur“, die sich mit Besatzern eingelassen hatte und nach acht Jahren Ehe in einem Wohnwagen in Ohio wieder zurückkam, geschminkt und mit lackierten Fingernägeln.

Sind die Leute im Südwesten prüde?

Das kann man nicht sagen. Denn sonst wären ja nicht schwäbische Sprüche möglich wie: Der god neba naus oder, auf Frauen bezogen, die lässt se na wie d'Wefzge.

Wenden wir uns der Zukunft zu: Stuttgart 21. Was halten Sie davon?

Wir haben diesen „Elvis lebt“-Liederabend gespielt, der mit der RAF-Zeit zu tun hatte. Da war mein Schlusssatz: Man kann gegen die RAF vieles sagen, aber sie wollte niemals den Stuttgarter Bahnhof unter die Erde verlegen. Das gab tosenden Applaus, weil das als wahnsinniges Statement gegen „Stuttgart 21“ gewertet wurde. Ich habe dann mehrfach darauf hingewiesen, dass es wirklich nur um eine Schlusspointe ging. Das wurde aber nicht gehört.

Also sind Sie dafür?

Ich bin ein großer Freund davon, sich nur über Dinge zu äußern, von denen man eine Ahnung hat. Zu „Stuttgart 21“ fehlt mir jegliche Kompetenz. Ich höre, ich bin dreißig Minuten schneller in Ulm. Da kommt Karl Valentin ins Spiel: Was soll ich da? Im Übrigen ist „Stuttgart 21“ doch jetzt schon aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden. Durch Nordafrika, durch Guttenberg, vor allem durch Gaddafi. Wer aus der baden-württembergischen Landespolitik soll das Bild von Gaddafi mit dem Regenschirm toppen? Mappus? Tanja Gönner? Übrigens habe ich auch in meiner geliebten F.A.Z. zunehmend ironische Untertöne zu „Stuttgart 21“ vernommen, im Sinne von: Wenn das Hauptthema der Hauptredner vier verpflanzte Bäume sind, dann kann es so wild nicht mehr sein.

Gibt es Argumente der S21-Gegner, die Sie nachvollziehen können? Wenn Sie etwa an den Juchtenkäfer oder an die Ängste der Halbhöhenbewohner denken?

Ein Kompromiss in meinem Sinne wäre es, den Juchtenkäfer auf die Halbhöhen umzusiedeln. Da bin ich dann doch wieder zu sehr in der Tradition Ernst Jüngers, eines anderen ganz Großen, Wilflingen, um zu sagen, dass ich Oberstudienräte einem Käfer vorziehen würde. Beide haben das gleiche Lebensrecht. Das sage ich auch als F.A.Z.-Leser. Aber ansonsten bin ich doch zu sehr Generalist und Globalpolitiker. Ich finde, „Stuttgart 21“ ist etwas für die Arbeitsebene. Ich jedenfalls sehe mich eher in der Rolle, Visionen vorzugeben, zu sagen, wo wollen wir in zwanzig Jahren stehen, und die Frage: Wie kommen wir dahin? anderen zu überlassen.

Bedenken Sie: Wenn Sie dereinst nach Stuttgart ziehen, würden Sie wahrscheinlich auch auf den Halbhöhen landen.

Das ist eine interessante Frage, ob ich dort wohnen würde. Vielleicht würde ich auch im kommenden Viertel Bad Cannstatt wohnen. Egal. Ich kann die Ängste nachvollziehen, aber als Katholik, der mit dem Bruder des Papstes Palatschinken gegessen hat und miterleben durfte, wie Martin Mosebach den Ring des Regensburger Bischofs küsste, muss ich da in größeren Zeiträumen denken. Bangladesch wird einmal pro Jahr überflutet, und trotzdem leben da angeblich die glücklichsten Menschen der Welt. Warum? Weil sie aufs Jenseits hoffen. Es ist also eine Frage der religiösen Verankerung.

Glauben Sie, dass der Protest gegen S21 vom Bürgertum getragen wird?

Der Protest hat fraglos die Mitte der Gesellschaft erreicht. Das ist so. Kürzlich war wieder eine Großdemo, und da saß ich im Schlossgartencafé und aß Apfelkuchen mit Sahne. Als die Demo zu Ende war, kamen mehrere Demonstranten mit ihren Transparenten rein, stellten sie in die Ecke, setzten sich hin und aßen auch Apfelkuchen mit Sahne. Da sagte ich zur Bedienung: Das ist aber schön, dass der Wutbürger nach der Demo Kuchen essen kommt. Da sagte sie: auch schon vorher.

Wundert es Sie, dass die Grünen ausgerechnet im Südwesten so stark sind?

Überhaupt nicht. Die Grünen in Baden-Württemberg sind für mich CDU mit sauberem Wasser, was übrigens auch auf die CDU zutrifft. Auch CDU-Wähler wollen im Bodensee schwimmen. Wenn Sie in Stuttgart im Straßencafé sitzen, dann hören Sie überall: Schiefer, Absinken, Außenwand. Sie hören das, und dann kucken Sie sich um und sehen nur Lammfelljacken und Wildlederschuhe. Die Leute dort arbeiten sich ein, egal, welche Partei sie wählen. So gehen sie auch ins Theater: Man hat das Stück vorher gelesen und weiß, dass Botho Strauß eine Affinität zu Gerhard Richter hat. Aber ich sehe das alles unter dem Gesichtspunkt: Was gibt es für meine Show her? Und da sind Guttenberg und Gaddafi mittlerweile klar vorn.

Welcher Grüne könnte am ehesten mit Gaddafi mithalten? Kretschmann?

Nur über die Stimme. So gut wie diese Stimme kann der Inhalt gar nicht sein. Aber außer Kretschmann kenne ich niemand von den Grünen.

Palmer?

Ja, den auch, mit dessen Vater bin ich ja aufgewachsen. Der Remstalrebell. Und Boris jetzt schon sehr im Dreiteiler, sehr medial, auch bereit, über andere Koalitionen nachzudenken. Solche Grüne mag ich am liebsten: die jederzeit bereit sind, sich über ihre Partei hinaus zu entwickeln.

Kennen Sie jemanden von der SPD?

Nur Ute Vogt. Ich weiß aber nicht, ob die mittlerweile bei Manuela Schwesig den Dienstwagen fährt oder was die sonst so macht. Lange nichts von ihr gehört, aber die kenn ich halt. So wie ich in Bayern Franz Maget kenne.

Wie fanden Sie das Schlichtungsverfahren zu „Stuttgart 21“?

Das hat mir wahnsinnig gut gefallen, auch wegen Geißler, der ja auch Bücher schreibt, in denen er das zu Ende denkt, was Jesus sprachlich nicht so rüberbringen konnte. Davon brauchen wir mehr. Außerdem hat mir die Schlichtung gezeigt: Sachverstand geht vor Emotion. Die Leute, die im Auftrag der Bahn gesprochen haben, die waren in der Materie zu Hause, die wissen, was es heißt, andere mit Zahlen bewusstlos zu quatschen. Das hab ich auch mal gesehen, als Otto Schily vor dem Untersuchungsausschuss war. Der hat sieben Stunden gesprochen - so lange, bis es für die Wochenendausgaben der Zeitungen zu spät war und bis Siegfried Kauder und der andere Untersuchungsguru in die Tischkante gebissen haben. So was sehe ich wahnsinnig gerne, wenn man die Mittel bis zum Letzten ausschöpft.

Sie haben in Ihrer Sendung Umweltministerin Gönner lobend erwähnt.

Ja, Tanja. Sie entspricht ja nicht unbedingt medialen Rastern wie etwa Manuela Schwesig. Aber sie hat mich sofort an Mädchen erinnert, die ich vom Schulhof kannte: in allem eine Eins, selbst im Turnen. Und auch noch bei „Jugend musiziert“ bis in die vorletzte Runde gekommen. Das ist so ein Phänotyp, der bei mir sofort Reflexe auslöst: Mit Tanja tanzt man keinen Stehblues, aber sie lässt in Latein abschreiben. Daher sofort Begeisterung für Tanja.

Haben Sie ein Problem damit, wenn der baden-württembergische Justizminister Goll von der FDP im Porsche-Land Ferrari fährt?

Überhaupt nicht. Ich finde es für unsere Gesellschaft viel gefährlicher, dass Klaus Ernst 5000 Euro für viel Geld hält. Das ist bedrohlich für den Kapitalismus.

Was halten Sie von Mappus?

Wir sollten vorher noch kurz einen Blick auf den glücklichsten Menschen dieser ganzen Konstellation werfen, auf Günther Oettinger: Highlife in Brüssel und den ganzen Rotz vom Hals. Das habe ich mir oft gedacht, aber noch überhaupt nicht gewürdigt gefunden. Sich in Interviews zum Energiesparen zu äußern - und ansonsten Brüssel, mit der höchsten Fünf-Sterne-Restaurant-Dichte plus Partyszene auf höchstem europäischen Level: Das nenne ich einen glücklichen Menschen. Man hört ja an allen Ecken und Enden, dass Oettinger diese Angebote auch wahrnimmt, ich habe aber zu viel Respekt vor der Menschenwürde, um mich dem allzu ungeprüft anzuschließen. Jedenfalls hört man von Herrn Mappus dergleichen nicht. Wie auch zu hören war, hat der frühere Bundeskanzler Schröder noch im Landeanflug auf Tokio Rotwein entkorken lassen, und Wirtschaftsführer, die nicht mitgehalten haben, brauchten gar nicht mit ihrem Schnellzug um die Ecke zu kommen. Also das ist durchaus ein Kriterium.

Mappus hat sich als Konservativer zu positionieren versucht. Hat das bei Ihnen, der Sie sich auch einen Konservativen nennen, verfangen?

Nein, nein. Wenn ich konservativ sage, meine ich das im Sinn von reaktionär. Da bin ich wie die Leserbriefschreiber der F.A.Z., die den Redakteur wissen lassen, dass die Straße in Smolensk 1944 so und nicht anders geheißen hat.

Welcher war denn bisher Ihr Lieblingsministerpräsident?

Wahrscheinlich Lothar Späth. Weil ich seine Art zu sprechen immer cool fand, wie er so den Dialekt wegdrückte. Vor allem gefällt mir, wenn Lothar Späth einen Namen sagt wie den des Künstlers Frank Stella: „Ich hab' zu ihm gesagt: Frank, des können Sie nich machen.“ Im Kölner Museum Ludwig sprach Lothar Späth mal über moderne Kunst. Und dann kamen einfach so Sachen wie „Frank Stella“. Das ist besser als jedes Theater, wenn Lothar Späth „Frank Stella“ sagt. Ich kannte den gar nicht. Lothar Späth war der Mann, der mir Frank Stella nähergebracht hat.

Teufel?

Auch sehr, sehr gut. Hab ich kürzlich gesehen, in der Bar des Schlossgartenhotels in Stuttgart. Da war irgend so eine Veranstaltung, da kam er um die Ecke und unterhielt sich dann nett mit mir. Ich bin mir aber nicht sicher, ob er wusste, wer ich bin. Da saß ich mit drei Businessfrauen aus Baden-Württemberg. Das war so eine Veranstaltung: Frauen starten durch. Irgendwie Mutter und Tochter, die eine große Metzgerei bei Ravensburg haben. Eine davon war die beste Freundin von Frau Teufel. Als Teufel dann kam, ist mir leider keine Reform eingefallen, für die ich ihn hätte loben können. Aber ich habe gleich gerufen: Philosophiestudium! Ich mag Erwin Teufel, er ist einer, der es noch ernst meint. Der würde in einer Doktorarbeit nie die Anführungszeichen vergessen.

Haben Sie für unsere Leser irgendeine Wahlempfehlung?

Kürzlich traf ich in der Bayern-Lounge der Allianz-Arena auf Ministerpräsident a. D. Edmund Stoiber, jetzt Entbürokratisierungsbeauftragter in Brüssel, der mir kurz vor Beginn der zweiten Halbzeit sagte, dass von 23 618 Entscheidungen, die in Brüssel getroffen werden, 18 345,7 unmittelbar den deutschen Staatsbürger und Steuerzahler betreffen. Das relativiert die Bedeutung einer Landtagswahl doch erheblich. Im Übrigen lief das in Baden-Württemberg in den letzten fünfzig Jahren doch hervorragend, und zwar irgendwie für alle: für die Theaterfans, für die Opernabonnenten, teilweise auch für die Fußballfans. Irgendwann kam dann so ein bisschen grün dazu und immer wieder an Dreikönig die FDP. Natürlich nimmt man auch gerne Anregungen auf, etwa vom maledivischen Vizepräsidenten, dessen Interview in der F.A.Z. ich selbstverständlich auswendig gelernt habe. Aber dass man jetzt sagen müsste, hier muss sich mal radikal was ändern, dieses Land taumelt auf den Abgrund zu, das sieht glaube ich niemand.

Das Gespräch mit Harald Schmidt führte Timo Frasch.

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