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Frankfurter Zeitung 01.01.1918 : Russland bietet Friedensgespräche an

  • Aktualisiert am

Russische Soldaten im Schützengraben zwischen zwei Schlachten. Die Bolschewiki bieten Ende 1917 Friedensgespräche an - ein Hoffnungsschimmer für viele kriegführende Länder. Bild: Picture-Alliance

Das Jahr 1918 bricht an - noch immer befindet Deutschland sich im Krieg. Es stellt sich die Frage, wie es weitergeht und ob das neue Jahr den ersehnten Frieden bringt.

          N Berlin, 31. Dezbr. (Priv.=Tel.)

          Das Jahr 1917 geht zur Rüste. Ein Jahr, reich an wichtigen militärischen und politischen Entscheidungen, ein Jahr des Krieges wie seine Vorgänger, aber schließlich doch ein Jahr, das der gequälten Menschheit die Aussicht auf den Frieden eröffnet. Das verdanken wir den Erfolgen unserer Waffen. Nur ein militärisch geschlagenes Rußland konnte reif für den inneren Umsturz werden, und daß dieser Umsturz schließlich Formen angenommen hat, die das Entsetzen der ihn ursprünglich begünstigenden Ententenmächte hervorrufen, das war auch nur möglich unter der nachhaltigen Wirkung unserer militärischen Strategie.

          Daß sie uns schon den allgemeinen Frieden bringen werden, ist, nach dem Echo zu urteilen, daß das bisherige Ergebnis unserer Verhandlungen mit Rußland im feindlichen Auslande bei Staatsmännern und in der Presse gefunden hat, wenig wahrscheinlich; ob es zu einem Frieden mit Rußland kommen wird, werden die nächsten Wochen erweisen. Auf jeden Fall scheide Rußland als militärischer Faktor aus dem Weltkriege aus und mit ihm auch Rumänien. Italien, vielleicht der begehrlichste aller unserer Feinde, ist just in dem Augenblick, wo es sich am Ziel seiner heißesten Wünsche wähnte, dicht an den Rand des Abgrundes geschleudert worden und muß den Krieg im eigenen Lande fortsetzen, da es nicht durch die Wiederherstellung des status quo seine Niederlage öffentlich eingestehen will. Und im Westen harren Frankreichs und Englands Heere ängstlich der amerikanischen Hilfe, die endlich den Sieg bringen soll.

          So ist die Kriegslage ein Jahr, nachdem Deutschland und seine Verbündeten für ihr Friedensangebot nur Hohn und Spott geerntet haben, günstiger denn je, und nur die Furcht vor der Verantwortung gegenüber ihren Völkern, die man durch Lügen und durch Appell an die niedrigsten Instinkte zum Deutschenhaß erzogen und denen man unerreichbare Kriegsziele vorgegaukelt hat, nur diese Furcht hält die Machthaber des feindlichen Westens ab, dem Krieg durch einen Frieden das Ausgleichs und der Verständigung ein Ende zu machen. Daß Deutschland nicht auf Eroberungen ausgeht, sondern diesen Krieg nur als Verteidigungskrieg führt, das hat die Reichsregierung schon in ihren ersten Kundgebungen klar zum Ausdruck gebracht, und wenn nicht das Bewußtsein dieser Tatsache unser ganzes Volk durchdrungen hätte, es hätte in diesen Krieg nicht mit solcher Begeisterung und Opferwilligkeit treten können, wie es geschehen ist.

          „Wenn wir in Deutschland einen Krieg mit der vollen Wirkung unserer nationalen Kraft führen wollen, so muß es ein Krieg sein, mit dem alle, die ihn mitmachen, alle, die ihm Opfer bringen, kurz und gut , mit dem die ganze Nation einverstanden ist: es muß ein Volkskrieg sein.“ So hat Fürst Bismarck in einer seiner gewaltigsten Reden gesagt, als er gleichzeitig bei der Begründung einer Heeresforderung jegliche Angriffsabsichten von deutscher Seite entschieden ablehnte und nur die Entschlossenheit Deutschlands bekundete, seinen Besitz festzuhalten. Es hieße den Charakter unserer Volkskriege von Grund aus verändern, wenn wir jetzt alldeutsche Kriegsziele aufstellen und verfechten wollten. Bei der Proklamation des Deutschen Reiches hat der erste deutsche Kaiser gelobt alle Zeit Mehrer des Reiches zu sein, nicht in kriegerischen Eroberungen, sondern in Werken des Friedens und auf den Gebieten nationaler Wohlfahrt, Freiheit und Gesittung, und dieses Gelöbnis ist gehalten, Deutschland ein Hort des Weltfriedens geworden, bis ihm französische Revancheluft, englischer Handelsneid und russischer Panslawismus die Waffen zur Verteidigung seiner Existenz in die Hand gedrückt haben, zur Verteidigung seiner Freiheit und Selbstständigkeit.

          Für die Unversehrtheit seines territorialen Besitzstandes hat Deutschland die Waffen ergriffen. Es wird sie erst niederlegen, bis diese gesichert sind und bis sein und seiner Verbündeten Recht auf Leben und Entwicklung gewährleistet ist. So steht es mit der vielgeschmähten Friedensresolution des Reichstages, und wenn nächstens der Reichstag wieder zusammentritt, wird sich zeigen, daß die große Mehrheit der deutschen Volksvertretung an diesem Programm auch heute noch festhält. Die Friedensliebe und das Friedensprogramm der deutschen Regierung und der deutschen Volksvertretung hat die unvergleichliche Stoßkraft und Siegessicherheit unserer Heere an der Front nicht erschüttert. Im neuen Jahr, wenn es wieder ein Kriegsjahr werden sollte, wird sich daran nichts ändern. Im übrigen haben wir das Vertrauen, daß wenn es endlich einmal zu allgemeinen Friedensverhandlungen kommt, die Reichsleitung auch ohne Vergewaltigung einen Frieden auswirken werden, der Deutschlands und seiner Verbündeten politische und wirtschaftliche Zukunft, soweit menschliches Ermessen reicht, sicherstellt und alle Eroberungs- und Vernichtungspflichten zu Schanden macht.

          Die nächste Ausgabe des historischen E-Papers erscheint am 4. Januar 2018.

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