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Influenza-A-Virus Von Schweinen, Vögeln und Menschen

26.04.2009 ·  Das Grippevirus, dem inzwischen in Mexiko wohl mehr als 100 Menschen zum Opfer gefallen sind, ist ein neuer, bisher in der Medizin nicht bekannter Strang des ursprünglich zur Schweinegrippe führenden Influenza-A-Virus. Das Virus enthält verschiedenes genetisches Material und könnte besonders virulent sein.

Von Horst Rademacher, San Francisco
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Das Grippevirus, dem inzwischen in Mexiko wohl mehr als 100 Menschen zum Opfer gefallen sind, ist ein neuer, bisher in der Medizin nicht bekannter Strang des ursprünglich zur Schweinegrippe führenden Influenza-A-Virus. Nach genetischen Untersuchungen des amerikanischen Bundesseuchenamtes, des „Center for Disease Control and Prevention“ (CDC) in Atlanta, enthält das Virus genetisches Material sowohl von Schweinen als auch von Vögeln sowie vom Menschen. Der neue Strang gehört zum Subtyp A/H1N1.

Es werden drei Gattungen von Grippeviren unterschieden. Die Genome der Gattungen Influenza-A und -B bestehen aus jeweils acht, das der Gattung Influenza-C nur aus sieben Segmenten. Gattung A ist ein universelles Virus, das neben Menschen, Schweinen und Pferden auch andere Säugetiere, darunter sogar Meeressäuger wie Seehund und Wal, befallen kann. An Viren der Gattung B erkrankt nur der Mensch. Diese beiden Viren können schwere Krankheitssymptome hervorrufen und zum Tode führen. Influenzaviren der Gattung C befallen sowohl Mensch als auch Schwein, zeigen aber einen weitgehend harmlosen Krankheitsverlauf.

In jeder Gattung des Influenzavirus kommen Dutzende von Subtypen des Erregers vor. Sie werden nach den jeweils auf ihrer Oberfläche vorkommenden Antigenen benannt. Das sind jene Eiweißmoleküle, die das Immunsystem eines Säugetiers erkennt und an denen es seine Abwehrstrategie gegen die Infektion aufbaut. Zwei Antigene charakterisieren die Oberfläche eines Influenzavirus, nämlich die Hämagglutinine (H) und die Neuraminidasen (N). Diese beiden Stoffe kommen wiederum in 16 beziehungsweise neun Untertypen vor, die durch entsprechende Ziffern unterschieden werden.

In Mexiko ist die Zahl der durch das Virus getöteten Menschen auf 103 gestiegen. Kanada meldete die ersten Fälle. Die Vereinigten Staaten,wo rund 20 Menschen infiziert haben den Gesundheitsnotstand ausgerufen, um schnell Hilfen bereitstellen zu können.

Das Tückische am Grippevirus ist, dass es genetisch sehr schnell mutieren kann. So ist es einerseits in der Lage, die verschiedenen Untertypen der Oberflächenantigene auszutauschen. Um die dabei entstehenden Stränge des Virus voneinander zu unterscheiden, werden die einzelnen Subtypen nach der Art und der Kombination der auf ihrer Oberfläche vorkommenden Antigene benannt. So verfügt der Subtyp H3N2 über das Hämagglutinin vom Untertyp 3 und eine Neuraminidase vom Untertyp 2. A/H3N2 war Auslöser der pandemischen Hongkong-Grippe des Jahres 1968. A/H5N1 ist der Auslöser der gefürchteten Vogelgrippe.

Der neue Strang ist vom bekannten, häufig vorkommenden Subtyp A/H1N1. Was ihn aber so gefährlich macht, ist die Tatsache, dass es sich nicht um den gewöhnlichen H1N1-Subtyp des Influenzavirus handelt. Viele Menschen sind gegen diesen Subtyp aufgrund früherer Infektionen immun. Vielmehr handelt es sich um eine Mutation eines ursprünglichen, die Schweinegrippe hervorrufenden Virus, das zufällig über die gleiche Kombination von Oberflächenantigenen verfügt. Kompliziert wird die Lage noch dadurch, dass das neue Virus genetisches Material sowohl vom Schwein als auch von Vögeln sowie vom Menschen enthält. Das könnte nach Meinung von Fachleuten zu einer erhöhten Virulenz des Erregers führen. Es ist für Grippeviren typisch, bei ihrer Vermehrung in den Wirtszellen genetisches Material dieser Zellen aufzunehmen.

Obwohl die meisten der mehr als 1300 Erkrankungen bisher aus Mexiko-Stadt gemeldet wurden, hat sich das Virus inzwischen auf 14 der 32 mexikanischen Bundesstaaten sowie auf die amerikanischen Bundesstaaten Kalifornien, Kansas und Texas ausgebreitet. Über den Ursprung des Virus ist bisher nichts bekannt. Keiner der in den Vereinigten Staaten Erkrankten hatte in der jüngeren Vergangenheit Kontakt mit Schweinen. Der mexikanische Gesundheitsminister José Ángel Córdova sagte, Mexiko-Stadt müsse nicht unbedingt das Epizentrum der Erkrankungen sein. Möglicherweise sei das Virus sogar aus einem Nachbarland eingeschleppt worden.

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