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Großeinsatz zu Silvester : Kölner Polizei greift bei Gruppe von Nordafrikanern durch

Die Innenstadt von Köln erleuchtet durch das Silvesterfeuerwerk. Auf der Domplatte dürften dieses Jahr keine Raketen gezündet werden. Bild: dpa

In der Silvesternacht ist die Kölner Polizei im Großeinsatz. Zu sexuellen Übergriffen wie vor einem Jahr soll es nicht noch einmal kommen. Die Präsenz der Beamten scheint zu wirken. Nur ein Vorfall sorgt kurz für Unruhe.

          Ein Jahr nach den massiven sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht haben die Kölner unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen ins neue Jahr gefeiert. Am Hauptbahnhof setzen Polizisten zeitweise mehrere hundert Verdächtige fest, vornehmlich nordafrikanischer Herkunft. Ein Zug aus Düsseldorf mit mehr als Hundert Nordafrikanern löst bei den Beamten am Samstagabend kurzzeitig Alarm aus.

          Mona Jaeger

          Redakteurin in der Politik.

          Die Polizeibeamten vor dem Kölner Hauptbahnhof werden gegen etwa 21:30 Uhr unruhig, als sie hören, dass etwa 120 Nafris ankommen sollen. Nafris nennt man in der Polizeisprache kriminelle Nordafrikaner. Offenbar, sagt die Polizei, haben sie sich für ihre Fahrt nach Köln verabredet. Es seien vermutlich junge Männer wie sie im vergangenen Jahr in der Kölner Silvesternacht Ärger gemacht haben.

          Polizeieinsatz verzehnfacht

          Geht es also wieder los? Wiederholen sich die Ereignisse vom vergangenen Jahreswechsel, als Hunderte enthemmte Männer, die meisten von ihnen aus Nordafrika, vor allem auf Frauen losgingen, ihnen zwischen die Beine fassten und ihre Handys klauten? Als die 150 Polizisten, die in der Kölner Innenstadt zum Jahreswechsel im Dienst waren, schnell mit der Situation überfordert waren.

          Nein, so kommt es diesmal nicht. Denn dieses Jahr sind zehn Mal so viele Polizisten in Köln. 1500 Beamte sind im Einsatz. An den Zugängen zur Domplatte stehen Sperrgitter, jeder einzelne Besucher wird von freundlichen, aber bestimmten Sicherheitsmitarbeitern kontrolliert. Wie der Kölner „Express“ berichtet, hat die Polizei in der Silvesternacht am Hauptbahnhof rund 1700 Personen kontrolliert.

          Feuerwerkskörper sind dieses Jahr auf der Kölner Domplatte verboten. Stattdessen lässt der Lichtkünstler Philipp Geist Worte, welche die Kölner sich wünschen konnten, auf den Boden projezieren. „Frieden“, „Liebe“ und „Mut“ sind dort als Worte zu lesen.

          Dieses Jahr will Köln alles anders, alles besser machen. Und so ist das mit den Nafris auch schnell geklärt. Die Polizei empfängt die Gruppe am Hauptbahnhof und kesselt sie ein. Sie nimmt die Personalien auf. Wer als Störenfried von vor einem Jahr bekannt ist, wird weggeschickt. Wem nichts vorzuwerfen ist, darf in Köln feiern. Denn die Stadt musste zwar die Sicherheitsmaßnahmen massiv erhöhen, aber sie will sich und ihren Bürgern auch nicht die Lust am Feiern nehmen.

          Kölner sehen erhöhte Sicherheit als notwendiges Übel

          Das ist ein Spagat, der an diesem Abend insofern gelingt, als dass die Kölner sich hier und da über die erhöhten Sicherheitsmaßnahmen ärgern, sie aber als notwendiges Übel akzeptieren. Sie wollen ihrer Polizei wieder vertrauen und, das merkt man, das tun sie an diesem Abend. Am Ende werden zwei Sexualdelikte, bei denen Frauen begrapscht wurden, bei der Polizei angezeigt. In einem Fall wird der Täter festgenommen, im anderen können die drei Täter fliehen. In den Stadtteilen gibt es zwei Schussdelikte, ein Bürger wird an der Wade verletzt. Eine erste Zwischenbilanz von Polizei und Stadt fällt in der Nacht verhalten positiv aus. „Die umfangreiche Vorbereitung war richtig und notwendig“, sagte Polizeipräsident Jürgen Mathies am frühen Sonntagmorgen.

          Um Mitternacht raucht und qualmt es. So wie es aussieht, konnten die Kölner ein ganz normales Silvester feiern.

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