Imagewechsel für Politiker dank Diäten
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Politiker im Diätkampf : In jedem Dicken steckt ein Dünner

Sein langer Lauf zu sich selbst: Joschka Fischer Ende August 1998 Bild: Picture-Alliance

Politiker können sich auch neu erfinden. Manchmal müssen sie es sogar. Viele machen es dann wie SPD-Vorsitzender Sigmar Gabriel oder einst Joschka Fischer und nehmen ab. Wie Diäten das Image aufbessern sollen.

          Sigmar Gabriel hat dem „Stern“ gesagt, seit rund zehn Jahren könne er zum ersten Mal sagen, er sei ein glücklicher Mensch. Das liege natürlich an seiner Familie. Er sagte auch: Wie auf einem Hochseil habe er sich zuletzt oft gefühlt. Alle gucken zu, wie er balanciert, und manchmal rüttelt sogar einer dran und testet, ob er fällt. Da ist er jetzt runter. Dafür betritt er eine neue Bühne, nicht mehr Zirkuskuppel, sondern internationales Parkett.

          Florentine Fritzen

          Redakteurin in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Zur Aufbruchsstimmung passt, dass Gabriel dreizehn Kilo abgenommen hat; auch das sagte er dem „Stern“. Es sei erst der Anfang auf dem Weg zu einem gesünderen Leben. Ein guter Vorsatz und ein schöner Anfangserfolg. Und eine Begebenheit, die zeigt, dass nicht alles schlecht ist im Leben von Politikern, die ja einiges aushalten müssen, während sie Tag für Tag im Einsatz sind, um dafür zu sorgen, dass der Laden läuft. Sie halten ihr Gesicht hin für die Politik, an die sie glauben, auch wenn andere nicht mehr an die Politiker glauben. Deren Ansehen ist schlecht, und über Schmähungen helfen wahrscheinlich auch tolle Ämter, schmeichelhafte Schmeicheleien, bequeme Karossen, Fahrer und Personenschützer nicht immer hinweg. Der Alltag ist hart; viele Termine, wenig Schlaf, kaum Zeit mit geliebten Menschen, vielleicht auch regelmäßig Streit daheim und ein schlechtes Gewissen. Dienstreise am Kindergeburtstag, schon wieder später zu Hause als verabredet - und mit den Gedanken woanders.

          Was ist jetzt aber genau das Gute am Politiker-Leben? Eines immerhin: Politiker können sich vergleichsweise leicht neu erfinden, neu finden. Sie müssen ab und an die Bühne wechseln. Manchmal ist der Wechsel erzwungen, manchmal ersehnt. Aber jede neue Rolle birgt die Chance, sich auch anders zu präsentieren - noch besser. Ein bisschen ist das wie bei Fußballspielern nach der Winterpause, wenn sie im Trikot des neuen Vereins plötzlich mit blondierten Haarspitzen, komischem Bart oder gewöhnungsbedürftigen Tattoos vorm Millionenfernsehpublikum auflaufen. Der Außenminister Sigmar Gabriel kann jetzt ein ganz anderer Typ werden als der Parteivorsitzende mit demselben Namen. Vielleicht muss er das sogar. Außenminister treten diplomatisch, gewandt, staatsmännisch auf. Ein schlankerer, gesünderer Gabriel passt da besser als der kräftige Polterer.

          Abnehmen für die Familie

          Kann gut sein, dass den Ausschlag zum Abnehmen die Familie gegeben hat. Das Nachdenken über die Endlichkeit des Lebens. Oder dass der Arzt gesagt hat: Hören Sie mal, wenn Sie als Diabetiker so weiter machen, dann werden Ihre Töchter nicht mehr lange unbeschwert mit Ihnen zusammenleben können und Sie auch nicht mit denen. Aber selbst wenn der Anlass unpolitisch war, gibt es den politischen Effekt: Der Mann hat sich 13 Kilo auf jenen Typus zubewegt, der zum neuen Amt passt. Und fühlt sich so wohl wie lange nicht.

          Natürlich kann sich jeder Mensch einen Typwechsel leisten. Aber nicht in vielen Karrieren bieten sich so oft Weggabelungen und Wendepunkte, die dazu einladen. Vielleicht ist das auch eine kleine Entschädigung dafür, dass Politiker der Bühne nie entrinnen können, immer unter aller Beobachtung sind. Wenn die Kanzlerin in der „Tagesschau“ zu sehen ist, sagen jeden Abend etliche Leute vorm Fernseher etwas Mitteloriginelles über deren Körper. Und das bei Merkel, die immer in Blazer-Uniform auftritt, also wenig Angriffsfläche bietet. Trotzdem: Gerade hat sie irgendwie eine dickere Phase. Ich glaube, sie hat wieder abgenommen. Drei Kilo, viereinhalb?

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