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Im Gespräch mit Israels Präsident Peres „Mit Fanatikern sind Kompromisse nicht möglich“

Zur Stunde empfängt Bundeskanzlerin Angela Merkel Israels Präsident Schimon Peres in Berlin. Mit Klaus-Dieter Frankenberger und Hans-Christian Rößler sprach Peres zuvor über Iran, den Nahost-Konflikt und die Zukunft des deutsch-israelischen Verhältnisses.

© AP Vergrößern Schimon Peres, Präsident Israels

Schimon Peres ist derzeit auf Deutschlandbesuch. Morgen spricht er vor dem Deutschen Bundestag. Im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sagt er dazu: „Mein Ziel ist es nicht, irgendjemandem mit meinen Worten eine Freude zu bereiten.“

Herr Präsident, das iranische Atomprogramm war wichtiger Gegenstand der deutsch-israelischen Regierungskonsultationen Anfang der Woche in Berlin. Wie groß ist die Gefahr, die von einem nuklear bewaffneten Iran ausgeht? Ist das eine existentielle Gefahr für Israel?

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Es ist falsch, Iran nur für eine Gefahr für Israel zu halten. Das Land ist eine Gefahr für die ganze Welt, nicht nur für Israel. Besonders die arabischen Staaten sind äußerst besorgt, denn Teheran verschafft sich mehr als nur eine nukleare Option. Es ist eine Option mit Ambitionen, die viel weiter gehen: Die Iraner wollen den Nahen und Mittleren Osten dominieren. Sie erschüttern schon das politische System im Libanon, arbeiten mit Syrien und der Hamas zusammen. Bis nach Lateinamerika reichen ihre Bemühungen. Es ist ein neuer Imperialismus, der religiös verbrämt und motiviert zugleich ist. Überdies ist Iran zum Zentrum des Terrors geworden.

Deutschlandbesuch Peres Köhler © dpa Vergrößern Bundespräsident Horst Köhler empfing Peres im Schloss Bellevue

Lässt sich das Regime in Teheran nicht abschrecken oder eindämmen?

Mit Politikern kann man über Kompromisse reden. Mit religiösen Fanatikern wie denen in Teheran kann man keine Kompromisse schließen. Das gilt nicht nur für Israel. Auch ihr Hass auf Amerika geht tief, tiefer, als viele Amerikaner ahnen: Die Vereinigten Staaten nennen sie den „Großen Satan“, uns nur den „Kleinen“.

Was geschähe, wenn Iran über eine militärische Nuklearkapazität verfügte?

Der Nahe Osten wird mit hundertprozentiger Sicherheit nuklear aufrüsten: Die Türkei, Saudi-Arabien und Ägypten werden nachziehen. An dem Tag, an dem die Iraner über Atomwaffen verfügen, ist es zu spät, diese Entwicklung aufzuhalten.

Was also schlagen Sie vor?

Es müssen jetzt endlich Wirtschaftssanktionen verhängt werden. Das ist umso wichtiger, als die Iraner selbst sich gegen ihre Regierung erheben und ihre Freiheit verlangen. Diese Iraner brauchen Unterstützung. Zusammen mit Sanktionen kann das Wirkung zeigen, doch das ist nicht alles. Ich bin ein Anhänger einer ethisch begründeten Außenpolitik. Den früheren Präsidenten Carter haben viele kritisiert, aber eines sollte man nicht vergessen: Auf der Konferenz in Helsinki sprach er gegenüber den Russen das Thema Menschenrechte an, denen war das sehr peinlich. Iran gehört den Vereinten Nationen an, aber sein Präsident Ahmadineschad handelt im Widerspruch zur UN-Charta. Denn die verbietet es, ein anderes Land zu bedrohen. Wenn wir uns nicht an Werten orientieren, haben wir verloren. Nur die Wirtschaft und Armeen reichen nicht aus. Hier geht es nicht ums politische Tagesgeschäft. Es ist die Aufgabe, dafür Sorge zu tragen, dass die Welt auch moralisch ihre Stimme erhebt.

Wer kann das erreichen? Etwa der amerikanische Präsident Obama?

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