09.12.2008 · Ein längeres gemeinsames Lernen oder gar die Einheitsschule, wie es viele Kritiker des derzeitigen Schulsystems fordern, wären offensichtlich keine Lösung für die Schwierigkeiten in der deutschen Bildungspolitik. Das zeigen die Ergebnisse der neuen Lesestudie.
Von Heike SchmollAus der Lesestudie für Grundschulen zu folgern, das gemeinsame Lernen zu verlängern oder Einheitsschulen einzurichten, ist verfehlt. Denn nicht einmal der Grundschule, dem Prototyp des gemeinsamen Lernens, gelingt es, die sozialen Unterschiede zwischen bildungsfernen, ausländischen und bildungsnahen Schichten auszugleichen. Wieso sollte eine weiterführende Schule das schaffen?
Viel wichtiger wären innere Schulreformen wie eine Leseförderung für schwache und leistungsstarke Schüler, die Freude am Lesen weckt. Das kann die Schule jedoch nicht allein leisten. Sie ist auf lesende Eltern angewiesen, die für geeignete Bücher sorgen, vorlesen, sich vorlesen lassen und vor allem selbst lesen.
Außerdem zeigt die Studie, dass Einwanderung an verbindliche Forderungen (Sprache und Bildung) geknüpft sein muss. Deshalb sind Sprachkurse für werdende Mütter mit Migrationshintergrund, eine verpflichtende Sprachprüfung für alle Kinder vor der Einschulung und eine intensive Vorschulzeit mit kindgemäßem Lernen unerlässlich. Sonst scheitert schon die Grundschule an unterschiedlichen Voraussetzungen.
Heike Schmoll Jahrgang 1962, politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.
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