28.01.2004 · Bei der erweiterten Stichprobe des innerdeutschen Vergleichs der Internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung (Iglu) unter sechs Bundesländern hat Baden-Württemberg die besten Ergebnisse erzielt, dicht gefolgt von Bayern und Hessen.
Von Heike Schmoll, FrankfurtBei der erweiterten Stichprobe des innerdeutschen Vergleichs der Internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung (Iglu) unter sechs Bundesländern hat Baden-Württemberg die besten Ergebnisse erzielt, dicht gefolgt von Bayern und Hessen.
Alle drei Länder liegen oberhalb des deutschen Durchschnittswerts für die Lesefähigkeit, im internationalen Vergleich schneiden nur die Spitzenländer wie Schweden, die Niederlande und England besser ab. In allen drei Bundesländern gelingt es offensichtlich, zwanzig Prozent der Kinder bis zur höchsten Anforderungsstufe im Lesen zu bringen. Unterhalb des Durchschnittswerts folgen mit großem Abstand Nordrhein-Westfalen und Brandenburg. Bremen, auch bei der Lesefähigkeit in der Grundschule weit abgeschlagen, hat die internationalen Stichprobenvorgaben erst dadurch erreicht, daß Ersatzschulen einbezogen wurden.
Einwanderer haben Probleme
Beunruhigend ist dort vor allem die hohe Zahl der Kinder, die nicht mehr als die untersten Stufen der Lesefähigkeit erreicht haben. Die Iglu-Studie war je zur Hälfte durch Zuwendungen des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung und der Kultusministerkonferenz gefördert und im April vergangenen Jahres veröffentlicht worden; den zusätzlichen Ländervergleich haben die beteiligten Länder finanziert.
Am Ende der Grundschulzeit liegen Kinder aus Einwandererfamilien in ihren Leistungen weit hinter deutschen Kindern zurück. Kinder aus gebildeten Elternhäusern und oberen sozialen Schichten haben wesentlich bessere Chancen, für das Gymnasium empfohlen zu werden. Die Möglichkeit eines Kindes mit deutschen Eltern, eine Gymnasialempfehlung zu bekommen, ist 4,69 mal so hoch wie die eines ausländischen Kindes. Kinder aus unteren Schichten sind in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg stärker benachteiligt als im Bundesdurchschnitt, in Hessen etwas geringer. Allerdings hat auch die Iglu-Stichprobe bestätigt, daß die Schullaufbahnempfehlung sich nur zum Teil an der Leistungsfähigkeit des Kindes ausrichtet.
Die Jungen haben in Baden-Württemberg in den Naturwissenschaften besser abgeschnitten, lesen können die Mädchen besser; die Differenz zwischen den Geschlechtern (bei Pisa-Lesen außerordentlich hoch zugunsten der Mädchen) fällt in Baden-Württemberg am geringsten aus. Dort sind die Grundschüler wegen der flexiblen Einschulung im Durchschnitt auch einen Monat jünger, vor allem aber haben 82 Prozent einen Kindergarten besucht (89 Prozent in Brandenburg und Thüringen), in Bremen sind es nach Auskunft der Eltern nur 57 Prozent.
Ergebnisse von Pisa werden bestätigt
In allen Ländern wird das Schulversagen eines Schülers auffälligerweise nicht als Problem des Lehrers oder der Schule betrachtet. Insgesamt liegt der Anteil der Kinder, die am Ende der vierten Klasse in den Naturwissenschaften noch immer mit vorschulischem Wissen arbeiten, also noch nicht einmal die grundlegenden Anforderungen erreichen, bei 3,9 Prozent. In Bremen umfaßt diese Gruppe 8,4 Prozent der Schüler, in Baden-Württemberg nur 2,4 Prozent. Dies bestätigt die schon bei der internationalen Vergleichsstudie für 15 Jahre alte Schüler Pisa erhärtete Beobachtung, daß hohe Anforderungen mit gezielter Förderung zu verbinden sind.
In Mathematik können die Länder im internationalen Vergleich einer Gruppe von Staaten zugezählt werden, deren durchschnittliche Mathematikleistungen nach oben und unten etwa 20 Punkte vom deutschen Durchschnittswert abweichen. Dazu gehören die Tschechische Republik, Österreich, Slowenien, Irland, Australien und die Vereinigten Staaten. Baden-Württemberg gehört zur Spitze, Nordrhein-Westfalen zum unteren Feld dieser Staatengruppe. Wiederum ist die Risikogruppe der Schüler, die nicht einmal die mathematischen Anforderungen der zweiten Grundschulklasse erreichen, in Baden-Württemberg am kleinsten, in Bremen am größten. Aber auch in Bayern, Nordrhein-Westfalen und Hessen liegt die Zahl dieser Risiko-Schüler bei knapp zwanzig Prozent.
In Baden-Württemberg kann das obere Leistungsviertel in allen drei Spitzenländern mit den leistungsfähigsten Schülern der internationalen mathematisch-naturwissenschaftlichen Vergleichsstudie (Timss) mithalten. Bei den Rechtschreibleistungen liegen Baden-Württemberg und Bayern dicht an der Spitze, nahe beim Gesamtmittel sind die Leistungen von Nordrhein-Westfalen und Hessen zu sehen, deutlich darunter befindet sich wiederum Bremen. In Bayern erreichen zwanzig Prozent der Schüler die höchste Anforderungsstufe. In Bremen haben fast die Hälfte der Viertklässler gravierende Rechtschreibprobleme, in Baden-Württemberg sind es vierzehn Prozent.
Heike Schmoll Jahrgang 1962, politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.
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