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Ian Paisley Der Bändiger Nordirlands

08.05.2007 ·  Als Politiker ist Dr. Ian Paisley unter der Chiffre „Dr. No“ bekannt. Doch nun stimmte er einer Zweckehe mit Sinn Fein zu und bildet eine protestantisch-katholische Koalitionsregierung. Aber die Versöhnerrolle passt nicht auf den 81 Jahre alten Protestantenführer Nordirlands.

Von Andreas Ross
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Das Wörtchen „Yes“, so wird in Belfast erzählt, habe Reverend Dr. Ian Paisley vor fünfzig Jahren zuletzt ausgesprochen: bei seiner Hochzeit. Als Politiker, selbst als Geistlicher ist er unter der Chiffre „Dr. No“ bekannt. Doch nun, da er die nordirische Parlamentswahl erwartungsgemäß gewonnen hat, hingen seine Landsleute an seinen Lippen und warteten auf ein Jawort. Ausgerechnet einer Zweckehe mit Sinn Fein sollte er zustimmen, in seinen Augen also dem Pakt mit einer Bande von Terroristen und Papisten.

Der Prediger, der 1951 die streng puritanische „Free Presbyterian Church of Ulster“ gründete und Ökumene als Teufelszeug geißelt, soll eine protestantisch-katholische Koalitionsregierung bilden. Widrigenfalls wird London die Provinz weiter verwalten, und das auch noch mit Dubliner Hilfe. Die Versöhnerrolle passt nicht auf Paisley, dem Altersmilde zu unterstellen töricht wäre. Bestenfalls als Bändiger wäre er geneigt, das Amt des Ersten Ministers zu übernehmen: Der Sinn-Fein-Führung und ihrem Kandidaten für das zweithöchste Regierungsamt, Martin McGuiness, will Paisley „Manieren beibringen“. Er hat der Machtteilung öffentlich nie zugestimmt. Aber schon das Ausbleiben der allerübelsten Beleidigungen im Wahlkampf gilt als Hinweis, dass er sich darauf einlassen wird.

Seine Zunge bleibt flink

Vom offenen Protest einstiger Freunde, mit denen er 1971 die Demokratische Unionisten-Partei (DUP) gründete, lässt der Parteiführer sich nicht beirren. Aber er wird Premierminister Blair - den er bisher immerhin weder als „Lügner“ (wie Margaret Thatcher) oder „Antichristen“ (wie Papst Johannes Paul II.) bezeichnet noch (wie John Major) mit Adolf Hitler verglichen hat - den symbolträchtigen Handschlag mit McGuiness nicht schenken. Die Briten hätten Nordirland zerstört, sagt Paisley. Also solle London noch viel mehr als die bisher rund 10 Milliarden Euro jährlich überweisen, auf dass das Regieren nicht allzu mühselig werde. Schatzkanzler Brown habe wohl nur gescherzt, als er lediglich 50 Milliarden für zehn Jahre in Aussicht stellte.

Vertraute sagen, Paisley denke gar nicht daran, seinen Platz in einer gemeinsamen Regierung nach ein paar Monaten zu räumen, nur weil er demnächst sein 81. Lebensjahr vollende. Mag sein Schritt gemessener geworden sein, seine Zunge bleibt flink und seine Auftritte raumgreifend. Dafür sorgt schon das periodisch aus dem tiefsten Inneren dröhnende Lachen, mit dem der Prediger seine eigenen Wortattacken zu krönen pflegt.

Ian Paisley junior, den der Protestantenführer unter seinen fünf Kindern ausgewählt hatte, sein Werk fortzusetzen, dürfte die Zügel noch lange nicht in die Hand bekommen, obwohl es schon sechzig Jahre her ist, dass Paisley senior von seinem Vater zum Pfarrer geweiht wurde. Die Regierungen in London und Dublin üben sich in Zweckoptimismus. Nur die Radikalen auf beiden nordirischen Seiten hätten die Chance, den 1998 im Karfreitagsabkommen skizzierten Frieden politisch zu verankern. Doch damals hatte Paisley wütend die Verhandlungen verlassen. Für ihn ist das Abkommen, das so vielen IRA-Terroristen die Zellentür öffnete, die „Mutter allen Verrats“.

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Jahrgang 1975, Redakteur in der Politik.

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