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Hwang Woo-suk Der Tabubrecher

13.02.2004 ·  Der südkoreanische Tiermediziner Hwang Woo-suk zählte lange nicht zu den großen Namen der Gen- und Stammzellforschung. 1999 machte er zum ersten Mal Schlagzeilen, nachdem es auch ihm gelungen war, Kühe zu klonen.

Von Christian Schwägerl
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Der südkoreanische Tiermediziner Hwang Woo-suk zählte bis zum März 2004 nicht zu den großen Namen der Gen- und Stammzellforschung und ist nur selten öffentlich in Erscheinung getreten. 1999 machte er zum ersten Mal Schlagzeilen, nachdem es auch ihm gelungen war, Kühe zu klonen. Dieses Bio-Handwerk hat Hwang seither perfektioniert, Ende 2003 stellte er Kühe vor, die nicht nur geklont, sondern auch mit Hilfe gentechnischer Eingriffe gegen die Rinderkrankheit BSE immunisiert worden waren. Im Jahr 2004 gelang im als erstem das Klonen eines menschlichen Embryos, nun erweckt er durch die Erzeugung patientenspezifischer embryonaler Stammzellen die Hoffnung auf Therapierung selbst schwerster Krankheiten.

Hwang, der am Institut für Tiermedizin der Nationalen Universität von Südkorea eine Forschergruppe für "Theriogenologie" leitet, also für die Vermehrung von Tieren, ist ein in seinen Kreisen anerkannter Forscher, der seine Arbeit seit vielen Jahren in seriösen wissenschaftlichen Publikationen veröffentlicht. Das unterscheidet ihn grundsätzlich von klonbegeisterten Schattengestalten wie den Frauenärzten Antinori und Zavos oder gar den Raelianern, die zwar regelmäßig vor die Journalisten treten, aber ihre eigentlichen Arbeiten verheimlichen und damit jeder Überprüfung entziehen.

Interesse an Anwendung am Menschen

Seit einiger Zeit schon war bei Hwang ein Interesse erkennbar, seine an Tieren gewonnenen Erkenntnisse für biomedizinische Anwendungen am Menschen zu nutzen. So begann er damit, menschliches Erbgut in entleerte Eizellen von Kühen und Kaninchen zu übertragen, um das Klonverfahren einzuüben. Auch über dieses Projekt wurde die Öffentlichkeit in Kenntnis gesetzt, weshalb nun manche Spezialisten des Feldes sagen, Hwangs Klonversuche am Menschen kämen für sie nicht überraschend, vielmehr habe sein Pfad geradewegs auf dieses nun aufsehenerregende Projekt hingeführt. Hwang ist ein Tabubrecher, neben ihm haben sich nur wenige Forscher dem therapeutischen Klonen verschrieben, eine Gruppe existiert in China, eine bei der amerikanischen Firma "Advanced Cell Technology", in Großbritannien hat der akademische Vater des Klonschafs "Dolly", Wilmut, gerade erst mit Vorbereitungen für erste Versuche begonnen. Die Idee, Kranke zu klonen, um aus den Klonembryonen Stammzellen und aus den Stammzellen körpereigenes Ersatzgewebe zu produzieren, ist noch nicht alt. Der südkoreanische Forscher hat seinen Namen nun unwiderruflich in die Reihe der Pioniere der Gen-und Stammzellforschung gestellt, denen es gelingt, unerhörte Dinge zu tun, von denen sich die Öffentlichkeit gleichermaßen fasziniert und erschrocken zeigt.

In seinem Heimatland Südkorea arbeitet Hwang keinesfalls in einem rechtsfreien Raum, vielmehr gibt es seit vielen Jahren eine intensive bioethische Debatte. Mehrere bioethische Gremien begleiten die Forschungsarbeiten im eigenen Land sehr kritisch. Erst im vergangenen Jahr hat die Regierung ein neues Klon-Gesetz erlassen, das allerdings der therapeutischen Nutzung des Klonens nur wenige Grenzen setzt. Hwang selbst zeigt sich der bioethischen und biopolitischen Diskussion gegenüber sehr offen und hat bei der Vorstellung seiner Ergebnisse betont, ihm liege sehr an einer intensiven gesellschaftlichen Debatte darüber, ob und wie seine Forschungsarbeit fortgesetzt werden solle.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.02.2004, Nr. 38 / Seite 10
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