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Hungerkrise Dilemma am Horn

20.07.2011 ·  Dass die meisten Hungerleidenden Somalias im Herrschaftsbereich der al Shabab sind, ist kein Zufall. Die politische Ratio gebietet, die Islamisten nicht durchzufüttern. Die christliche Nächstenliebe verpflichtet zum Gegenteil. Ein Dilemma.

Von Thomas Scheen
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Folgt man Vereinten Nationen und der Internationale der Nichtregierungsorganisationen, dann sind gegenwärtig zwölf Millionen Menschen am Horn von Afrika von Hunger bedroht, weil es dort seit zwei Jahren nicht mehr geregnet hat. Auf Deutschland übertragen hieße das, die Einwohnerschaft Bayerns hat nichts mehr zu essen. Man mag diese Zahl mit Skepsis betrachten, zumal die internationale Hilfsindustrie dazu neigt, aus Mücken Elefanten zu machen. Dass sich am Horn und ganz besonders in Somalia indes eine große Katastrophe anbahnt, ist unstrittig.

Nun ist Somalia das neue Schlachtfeld von Al Qaida. Dass die meisten Bedürftigen im Herrschaftsbereich der radikal-islamischen Miliz al Shabab zusammengepfercht sind, ist bestimmt kein Zufall. Flüchtlinge und die ihnen zur Hilfe kommenden Organisationen sind immer auch eine glänzende Einkommensquelle für Dritte. Da wird Wegezoll für die Lastwagen verlangt und Steuern auf die Nahrungsmittel erhoben, von denen ein erheblicher Teil ohnehin bei denen landet, die Waffen tragen. Die politische Vernunft gebietet, die afrikanische Filiale von Al Qaida nicht auch noch durchzufüttern. Die christliche Nächstenliebe hingegen verpflichtet zum Gegenteil. Ein schier unlösbares Dilemma.

Die Bärtigen sitzen am längeren Hebel

Man mag dem ruandischen Chef der afrikanischen Entwicklungsbank zustimmen, wenn er sich wundert über die irrige Annahme, die drohende Hungersnot sei ausschließlich den ausgebliebenen Ernten geschuldet. Donald Kaberuka glaubt vielmehr, dass ein Mangel an Kaufkraft die Menschen an den Rand des Hungers gebracht habe und dieser Mangel ausschließlich vom Krieg in Somalia verursacht sei. Recht hat er. Doch wie beendet man diesen Krieg? Das letzte Mal, als in Somalia eine Hungersnot herrschte, griffen die Vereinten Nationen militärisch ein. „Restore Hope“ hieß diese Mission in den neunziger Jahren und sie endete in einem Fiasko.

Eine Neuauflage wird es deshalb mit Sicherheit nicht geben. Jedoch zu erwarten, das Nachbarland Kenia werde seine Grenzen solange offenhalten, bis der letzte hungrige Somalier sich in Sicherheit gebracht hat, grenzt an Zynismus. Niemand ist glücklich bei dem Gedanken, den Radikalen in Somalia einen warmen Geldsegen zu bescheren. Doch darauf wird es wohl hinauslaufen. Die schiere Verachtung für ein Menschenleben lässt die Bärtigen am längeren Hebel sitzen.

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Jahrgang 1965, politischer Korrespondent für Afrika mit Sitz in Johannesburg.

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