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Hunger in Afrika Explosionsgefahr

10.04.2008 ·  Aufgrund der drastisch gestiegenen Preise für Grundnahrungsmittel auf dem afrikanischen Kontinent regen sich in einigen Ländern gewaltsame Proteste. Diese richten sich in erster Linie gegen die Verteuerung des Grundnahrungsmittels schlechthin - Reis.

Von Thomas Scheen, Johannesburg
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Bei ihrem Treffen Anfang April in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba waren sich die afrikanischen Wirtschafts- und Finanzminister einmal einig: Wenn das so weitergehe, drohe eine „ernste Gefahr für Wachstum, Frieden und Sicherheit in Afrika“, sagten die Politiker. Gemeint war allerdings kein drohender Krieg, sondern die explosionsartig gestiegenen Preise für Grundnahrungsmittel auf dem Kontinent, gegen die sich in einigen Ländern mittlerweile gewaltsamer Widerstand regt. In Kamerun kamen im Februar 40 Menschen bei Protesten ums Leben, Mauretanien beklagt ein Todesopfer, in der Elfenbeinküste wurden bei ähnlichen Demonstrationen zwei Menschen getötet. Widerstand regt sich zudem in Senegal und Burkina Faso, wo die Gewerkschaften zu einem Generalstreik aufgerufen haben.

Der Protest richtet sich in erster Linie gegen die Verteuerung des afrikanischen Grundnahrungsmittels schlechthin, nämlich Reis. Innerhalb weniger Monate stieg der Preis für importierten Reis in Kamerun um 39 Prozent, in Mauretanien um 42 Prozent und in Senegal um 45 Prozent. Die Konsumenten in der Zentralafrikanischen Republik und in der Elfenbeinküste mussten Steigerungen von 50 Prozent hinnehmen. In der ivorischen Metropole Abidjan kosten 50 Kilo thailändischer Reis mittlerweile rund 30 Euro, vor drei Monaten lag der Preis noch bei 19 Euro. Ähnliche Teuerungsraten wurden bei Weizen- und Maismehl verzeichnet, bei Palmöl, Zucker und Trockenmilch.

Sudan will Grundnahrungsmittel künftig subventionieren

Die drastische Verteuerung der Ölpreise hat zudem dramatische Auswirkungen auf den bisher preiswerten öffentlichen Nahverkehr. Anfang April hatte Guinea angekündigt, seine Subventionen für Ölprodukte einzustellen, woraufhin der Preis für Treibstoff um 61 Prozent stieg. Die Folge war, dass tagelang alle Busse stillstanden, weil solche Preissteigerungen angesichts der geringen Kaufkraft nicht einfach auf die Kunden umgelegt werden können.

Der Hunger wächst

Um die Situation zu entschärfen, haben die Regierungen von Kamerun, Senegal, Burkina Faso und der Elfenbeinküste drastische Schnitte sowohl bei der Importsteuer als auch der Mehrwertsteuer für Grundnahrungsmittel angekündigt. So hat die Elfenbeinküste die Importsteuer für Reis, Seife, Speiseöl und Milch vorübergehend abgeschafft und den Mehrwertsteuersatz für diese Produkte von bislang 18 Prozent auf neun Prozent halbiert. Sudan wiederum will Grundnahrungsmittel künftig subventionieren, um sozialen Unruhen vorzubeugen. Gleichwohl herrscht Einigkeit darüber, dass solche Maßnahmen nur vorübergehend Erleichterung verschaffen und zudem große Löcher in die Staatskassen reißen.

Dabei liegt die Lösung vor der Haustür

Die afrikanischen Regierungen suchen ihr Heil deshalb in einer Steigerung der heimischen Reisproduktion, um von den teuren asiatischen Importen unabhängig zu werden. Die Elfenbeinküste beispielsweise konsumiert jährlich 1,4 Millionen Tonnen Reis, von denen indes nur 600.000 Tonnen aus heimischer Produktion stammen.

Dabei liegt die Lösung vor der Haustür. Die zweitgrößte Stadt des Landes, Bouaké, war bis zum Ausbruch des Bürgerkrieges 2002 Sitz eines von 17 westafrikanischen Ländern getragenen Forschungszentrums, das die Reiskultur in Westafrika revolutionieren soll. Jahrelang haben die Forscher den robusten, aber nicht sehr nahrhaften afrikanischen Reis mit dem ebenso kapriziösen wie proteinreichen asiatischen Reis gekreuzt. Das Ergebnis heißt Nerica (New Rice for Africa) und ist eine neue Reisart, die die Vorteile beider Sorten in sich vereint.

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Jahrgang 1965, politischer Korrespondent für Afrika mit Sitz in Johannesburg.

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