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Horst Seehofer Brandner Kaspar der CSU

27.10.2008 ·  Seehofer wollte nach eigener Aussage „nur“ Parteivorsitzender werden. Aber auch das war der CSU vor gut einem Jahr noch zu viel. Eine verlorene Landtagswahl später hat sie ihrem obersten (politischen!) Hallodri gleich auch noch das höchste Staatsamt anvertraut, das im Freistaat zu vergeben ist.

Von Berthold Kohler
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„Mei, wer hätte das gedacht“, soll es Horst Seehofer entfahren sein, als er am Montag dem „größten Moment“ seines politischen Lebens entgegenschritt, der Wahl zum bayerischen Ministerpräsidenten. War das ein Ganghoferscher Seufzer aus der Tiefe einer oberbayerischen Bilderbuchseele oder doch nur ein Echo der Verwunderung, die bei vielen CSU-Mitgliedern ob dieser wundersamen Wendung immer noch herrscht?

Seehofer wollte nach eigener Aussage „nur“ Parteivorsitzender werden. Aber auch das war der CSU vor gut einem Jahr noch zu viel. Eine verlorene Landtagswahl später hat sie ihrem obersten (politischen!) Hallodri gleich auch noch das höchste Staatsamt anvertraut, das im Freistaat zu vergeben ist. In Zeiten der Krise - nicht der Finanzen, sondern der verlorenen Alleinherrschaft wegen - will die CSU keine weiteren halben Sachen mehr machen: Der Seehofer soll es alleine richten. Das ist selbst für einen ausgefuchsten Politiker wie ihn, den Brandner Kaspar der CSU, keine geringe Last. In seiner Partei finden sich nicht mehr viele, die ihm dabei helfen könnten, vom Wollen einmal zu schweigen.

Selbsterhaltungstrieb contra Schwesterliebe

Die vier Stimmen, die Seehofer im Koalitionslager fehlten, könnten auch bei der FDP verlorengegangen sein. Doch zeigte schon der Parteitag vor Seehofers Inthronisation, wie es um die Einigkeit der CSU bestellt ist. Die besteht - zum Glück - nicht nur aus dem Kreisverband München. Die Franken aber sind zornig über den kurzen Prozess, den die Oberbayern mit Beckstein gemacht haben, und die Niederbayern granteln wegen des Abmeierns Hubers. Das wird Seehofer bei der Zusammenstellung seines Kabinetts berücksichtigen müssen, wenn er nicht die Wut auf sich lenken will, die immer noch Stoiber gilt, obwohl schon dessen unmittelbare Nachfolger für ihn hatten büßen müssen.

Die Lehren, die aus dieser Kollektivhaftung zu ziehen sind, liegen seit dem Wahldebakel offen zutage. Sie lauten: moderater in Bayern sein, härter in Berlin. Seehofer kann beides, sogar gleichzeitig. Auch wenn ein Konfrontationskurs mit der CDU natürliche Grenzen hat, wird die Partei der Kanzlerin zu spüren bekommen, dass der Selbsterhaltungstrieb der CSU größer ist als ihre Schwesterliebe. Erfahrungsgemäß schweißt wenig die zerstrittenen Stämme der weiß-blauen Partei so verlässlich zusammen wie eine äußere Freundin. Mit der aber hat seit dem letzten Wahlkampf die ganze CSU noch eine Rechnung offen.

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Jahrgang 1961, Herausgeber.

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