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Hinrichtung Saddam Husseins Beschimpfungen am Galgen

FRANKFURT, 1. Januar. Schon vor einer Woche stand in Bagdad fest, dass es Aufnahmen von der Hinrichtung Saddam Husseins geben sollte. Kurz nachdem das Oberste Berufungsgericht am vergangenen Dienstag das Todesurteil bestätigt hatte, ...

Schon vor einer Woche stand in Bagdad fest, dass es Aufnahmen von der Hinrichtung Saddam Husseins geben sollte. Kurz nachdem das Oberste Berufungsgericht am vergangenen Dienstag das Todesurteil bestätigt hatte, diskutierte man in der irakischen Regierung offenbar auch darüber, den Diktator öffentlich zu hängen oder die Exekution live im Fernsehen zu übertragen.

Von der Übergabe an die Iraker durch die Amerikaner bis zu Saddams Ende sei alles gefilmt worden, sagte am Samstag der nationale Sicherheitsberater Muwaffak al Rubaie, der selbst bei der Hinrichtung anwesend war. Das habe die irakische Führung zuvor beschlossen, die nicht zuletzt auch damit dokumentieren wollte, dass Iraker Saddam töteten und nicht die Amerikaner, in deren Gewahrsam der frühere Präsident bis kurz vor seiner Hinrichtung war.

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Falscher Anschein?

Die Bilder, die das staatliche Fernsehen dann wenige Stunden nach dem Tod des Diktators ausstrahlte, zeigten - ohne Ton - nur, was geschah, bis ihm die Henker eine Schlinge um den Hals legten. So sollte offenbar der Eindruck erweckt werden, dass sich alles korrekt zutrug und der Tod Saddams keine grausame Vergeltung war - im Unterschied zu erniedrigenden Hinrichtungen in seiner Regierungszeit und davor. Später wurden dann noch Fotos der Leiche Saddams gezeigt.

Aufnahmen, die wohl ein Zeuge mit der Kamera seines Mobiltelefons gemacht hatte, brachten aber ans Licht, dass es in den letzten Minuten der Hinrichtung zu wüsten Beschimpfungen kam. Der Sender Al Dschazira sendete sie und sie fanden nach Korrespondentenberichten schnell Verbreitung in der irakischen Hauptstadt: Mehrere Anwesende beschimpften Saddam, drohten ihm, er werde in der Hölle enden, und riefen den Namen des radikalen Schiitenführers Muqtada Sadr. Saddam fragte sie darauf, ob sie dieses Verhalten für mutig hielten. Dem Sender BBC sagte der Richter Munir Haddad, der ebenfalls während der Exekution anwesend war, Saddam habe gebetet, aber auch Amerika und Iran den Untergang gewünscht.

Bilder als Beweismaterial

Nach dem Ende des Baath-Regimes spielten Bilder als Beweismaterial eine wichtige Rolle. Im Dezember 2003 wollten viele Iraker zunächst nicht glauben, dass Saddam wirklich in Haft war. Deshalb wurden damals Aufnahmen gesendet, die zeigten, wie ein Arzt den früheren Herrscher mit langem zerzaustem Bart untersuchte, den Soldaten zuvor aus einem Erdloch gezerrt hatten. Aus demselben Grund ließen die Amerikaner schon im Juni die Leichen der beiden Söhne Saddams filmen, die bei einer Militäraktion im Nordirak getötet worden waren.

Die Zurschaustellung des Todes politischer Gegner hat im Irak eine längere Geschichte. Kurz nachdem Saddam Hussein 1979 Präsident geworden war, berief er eine Sitzung des Revolutionären Kommandorats ein. Dort verlas er - eine Zigarre rauchend - vor laufenden Kameras die Namen von 60 Führungsmitgliedern, die sofort abgeführt und getötet wurden. Zehn Jahre zuvor ließ die Baath-Partei nach ihrer Machtergreifung mitten in Bagdad 14 "Spione", darunter mehrere Juden, öffentlich erhängen. Rundfunk und Fernsehen übertrugen es live.

Gewaltsame Machtwechsel verliefen im Irak meist blutig. Nach dem Sturz des Präsidenten Qassem 1963 zeigte das irakische Fernsehen dessen mit Einschüssen übersäte Leiche an mehreren Abenden, um alle davon zu überzeugen, dass er wirklich tot war. Nach dem Sturz der irakischen Monarchie war 1958 nicht nur König Faisal II., sondern auch seine Familie samt Frauen und Kindern getötet worden. Die Leiche des besonders verhassten früheren Regenten Abdul Ilah übergaben die Putschisten dem Mob, der sie durch Bagdad schleifte und zerstückelte. Die Leichenteile des wenige Tage später getöteten Ministerpräsidenten Nuri Said wurden wie Trophäen durch die Hauptstadt getragen.

Ein Begräbnis wurde diesen Getöteten ebenso verweigert wie später den meisten Opfern des Saddam-Regimes, die oft in Massengräbern verscharrt wurden. Die Leiche Saddam Husseins übergab die Regierung dagegen dessen Stamm, der den Diktator in seinem Geburtsort Audscha unweit seiner beiden Söhne beisetzte.

Quelle: F.A.Z., 02.01.2007

 
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