03.06.2005 · Das Weltwirtschaftsforum für Afrika ist zu Ende gegangen, wie es begonnen hatte: mit einem dringenden Appell an die G-8-Staaten, den vom britischen Premierminister Blair initiierten Afrika-Aktionsplan zügig zu verwirklichen.
Von Thomas ScheenDas Weltwirtschaftsforum für Afrika ist zu Ende gegangen, wie es begonnen hatte: mit einem dringenden Appell an die G-8-Staaten, den vom britischen Premierminister Blair initiierten Afrika-Aktionsplan zügig zu verwirklichen. Nach dem Willen der Organisatoren sollen die acht größten Industrienationen auf ihrem Treffen im schottischen Gleneagles Blairs Vorschlag zustimmen. Dadurch soll Afrika die Chance für einen wirtschaftlichen Neubeginn erhalten und die Privatwirtschaft Impulse für Investitionen.
Blair stützt seine Initiative auf den Bericht der britischen "Kommission für Afrika", der neben Schuldenabbau unter anderem eine Verdopplung der Entwicklungshilfe bis 2010 vorsieht. Das würde bedeuten, daß Afrika jährlich 25 Milliarden Dollar mehr als zur Zeit erhält. Ziel ist es, durch größere Infrastrukturinvestitionen ein durchschnittliches Wirtschaftswachstum von sieben Prozent zu erreichen, was allgemein als "magische" Grenze für eine wirksame Armutsbekämpfung betrachtet wird, wie der Vorsitzende der Kommission, Nicholas Stern, erläuterte. "Es gibt keinen Weg an Wachstum vorbei, wenn man Armut bekämpfen will", sagte er. Eine Schlüsselfunktion bei diesem ehrgeizigen Ziel komme der Privatwirtschaft zu, die den prognostizierten Aufschwung Afrikas befördern soll.
Vorbehalte aus Deutschland
Ob die G-8-Staaten Blairs Plan mit den entsprechenden Finanzmitteln unterstützen werden, ist zur Zeit fraglich, da nach Deutschland auch die Vereinigten Staaten Vorbehalte geäußert haben. Der amerikanische Präsident Bush zeigte sich während eines Besuchs des südafrikanischen Präsidenten Mbeki in Washington skeptisch, daß die Blair-Initiative Chancen habe. Zum einen geht es bei den Vorbehalten um das zusätzliche Geld, das bereitgestellt werden soll. Zum anderen - und das ist die deutsche Position - wird auf den in Afrika entwickelten Reformplan Nepad (New Partnership for African Development) verwiesen, der von der Blair-Initiative buchstäblich unter Geld begraben zu werden droht. Zu Nepad gehört auch die Verpflichtung Afrikas, zunächst strukturelle Reformen einzuleiten, die, sollten sie erfolgreich sein, mit Geld der G-8-Staaten gefördert werden.
Gleichzeitig ist in maßgeblichen Geberländern hinter vorgehaltener Hand immer wieder zu hören, daß Geld nicht das eigentliche Problem Afrikas sei. Hilfsgelder stünden in ausreichendem Maße zur Verfügung. Allein, es fehlt an handfesten Projekten und den Rahmenbedingungen, unter denen dieses Geld "unfallfrei" investiert werden kann. In klassischen Empfängerländern wie Mali oder Ghana gibt es für dieses Phänomen schon den passenden Ausdruck: "mangelnde Absorptionsfähigkeit". "Was nützt der Bau einer Straße, wenn es kein Straßenbauamt gibt, das die Straße unterhält?" klagt die Parlamentarische Staatsekretärin im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit, Uschi Eid.
Reif und bereit
Ohnehin scheint das auf dem Forum beschworene Mantra, Afrika sei "reif und bereit", privaten Investitionen die gleichen Rahmenbedingungen wie Asien oder Lateinamerika zu bieten und damit ein nachhaltiges Wachstum zu schaffen, mittlerweile zu einer Glaubensfrage geworden zu sein. In diesem Zusammenhang interessant war ein Blick auf die Teilnehmerliste in Kapstadt: Fast 90 Prozent der Geschäftsleute standen auf Gehaltslisten südafrikanischer Konzerne. Dazu gesellten sich ein paar Teilnehmer aus Nigeria, der ein oder andere Ghanaers einige Kenianer und ein einsamer Sudanese. Das frankophone Afrika und damit die Baumwolle produzierenden und alsbald Öl fördernden Länder waren nur spärlich vertreten. Aus dem Maghreb, dem nachgesagt wird, er könne das wirtschaftliche Scharnier zwischen Afrika und Europa sein, kam überhaupt niemand. Schon deshalb sind die in Kapstadt immer wieder erwähnten wirtschaftlichen Erfolgsgeschichten auf dem Kontinent nur ein Ausschnitt der Wirklichkeit.
Imageproblem
Natürlich haben Länder wie Ghana, Tansania, Senegal, Uganda, Sambia, Mocambique und Botswana in den vergangenen Jahren deutliche Fortschritte bei ihren Bemühungen um gute Regierungsführung und Rechtssicherheit erzielt. Gleichwohl bleibt Afrika als Ganzes ein Kontinent, auf dem deshalb hohe Renditen zu erzielen sind, weil das Risiko entsprechend hoch ist. Und daß Afrika weiter bei einem Anteil von zwei Prozent am Welthandel dümpelt, hat nicht nur mit einem "Imageproblem" zu tun, wie es der tansanische Präsident Benjamin Mkapa ausgemacht hatte, sondern auch mit endemischer Korruption, unfähiger Verwaltung und kafkaesken Zollbestimmungen.
Dabei gibt es eine Reihe von Ländern, die alleine aufgrund ihres wirtschaftlichen Potentials in der Lage wären, den Kontinent zum heißersehnten Aufschwung zu verhelfen. Doch in allen dreien -Angola, Sudan und Kongo-Kinshasa - gibt es nach wie vor teilweise gewaltsame Auseinandersetzungen über die Kontrolle ebenjenes Potentials, egal, ob es Öl, Diamanten oder Wasser ist. Das südliche Afrika - besonders Südafrika - wiederum muß sich fragen lassen, wie ein Investor an langfristige Rechtssicherheit glauben soll, wenn gleich nebenan - in Zimbabwe - ein alterssturer Diktator wirtschaftlich Amok läuft und die Regionalmacht Südafrika achselzuckend zusieht.
Thomas Scheen Jahrgang 1965, politischer Korrespondent für Afrika mit Sitz in Johannesburg.
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