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Hessens Schulpolitik Die Geschwätzspirale ist im Gange

22.01.2008 ·  Der eine selektiere, die andere fördere alle - so kommt die Propaganda vor der Wahl in Hessen an. Doch bei allen Schwächen der hiesigen Schulpolitik werden auch ihre größten Gegner Fortschritte nicht leugnen können.

Von Heike Schmoll
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Es wäre nicht die erste Wahl in Hessen, die schulpolitisch entschieden würde. Die Geschwätzspirale ist längst im Gange: Der eine selektiere, die andere fördere alle - so kommt die Wahlpropaganda bei den oberflächlich Informierten an. Die einen wollen das gegliederte Schulsystem beibehalten, die anderen eine Gemeinschaftsschule einführen, die zwar nach finnischem Vorbild entstehen soll, aber nicht mehr als ein Abziehbild der weithin gescheiterten Gesamtschule wäre. Denn so viel individuelle Förderung, wie sie Finnland leistet, wird hier schon aus Kostengründen nicht stattfinden können.

Ausgerechnet die Studie des Gesamtschulbefürworters Helmut Fend hat zu seiner eigenen Enttäuschung gezeigt, dass die Gesamtschule die soziale Auslese nicht verhindert, sondern sie sogar verschärft. Die Absolventen von Gesamtschulen erreichen seltener höhere Abschlüsse, schwache Schüler werden dort noch mehr geschwächt, leistungsstarke unzureichend gefördert. Aber was ist mit dem achtjährigen Gymnasium? Es überfordere die Kinder, heißt es nun. Es mache Schulen zu Managerschmieden, in denen die Kinder mit leerem Bauch Nachmittagsunterricht ertragen müssten und einer heillosen Stoffhuberei ausgesetzt seien. Solche Argumente könnten auch aus Bayern kommen.

Jetzt gilt es, gezielt nachzubessern

In der Tat wurde das achtjährige Gymnasium hier wie dort ohne ausreichende Vorbereitung, ohne tragfähige Modellversuche und langfristige Lehrplanüberarbeitung eingeführt. Das war ein Fehler. Niemand wird auch bestreiten, dass die Unterrichtsgarantie nicht gerade zu begeisternden Ergebnissen führt. Aber sind das Gründe, das Kind mit dem Bade auszuschütten? Die verständliche Identifikation vieler Eltern mit ihrem Kind, die oft jeglicher gesunden Relativierung kindlichen Schulgejammers entbehrt, begünstigt eine verschwommene Hoffnung auf eine möglichst radikale Wende.

Die wird es durch einen Systemwechsel aber nicht geben. Als Koch sein Amt antrat, hatte Hessen keine Lehrpläne, eine weit unterdurchschnittliche Stundentafel und ein Abitur, das in anderen Bundesländern Maluspunkte an den Universitäten eintrug. Bei allen Schwächen der hiesigen Schulpolitik werden auch ihre größten Gegner Fortschritte nicht leugnen können. Jetzt gilt es gezielt nachzubessern und sich nicht mit einem Salto rückwärts ins schulpolitische Abseits zu bewegen.

Quelle: F.A.Z., 23.01.2008, Nr. 19 / Seite 1
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