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Maas in Moskau : Plötzlich gibt es Gemeinsamkeiten

Außenminister Heiko Maas (SPD) mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow am Donnerstag in Moskau Bild: Reuters

Vor Trumps Iran-Entscheidung warteten in Moskau vor allem Konfliktthemen auf den deutschen Außenminister. Doch so hatten Heiko Maas und Sergej Lawrow ein Thema, auf das beide sorgenvoll blicken konnten.

          Der amerikanische Präsident hat mit seiner Absage an das iranische Atomabkommen und der damit verbundenen Brüskierung Europas am Donnerstag auch Effekte im deutsch-russischen Verhältnis erzielt. Vor Trumps Entscheidung für neue harte Sanktionen gegen Iran hätten der deutsche Außenminister Heiko Maas und sein russischer Kollege Sergej Lawrow bei ihrer ersten Begegnung in Moskau nicht viele gemeinsame Haltungen und Einschätzungen auf ihren Sprechzetteln gehabt – nun verschaffte ihnen Trumps Aktion ein Thema, auf das beide aus fast gleicher Perspektive mit sorgenvoller Miene blickten.

          Johannes Leithäuser

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Deutschland ist willens, gemeinsam mit Großbritannien und Frankreich eine einheitliche Haltung zu bewahren und Wege zu suchen, auf denen – mit Billigung Washingtons – wenigstens ein Teil des entstandenen europäisch-iranischen Handels aufrechterhalten werden könnte, obgleich auf deutscher Seite wenig Hoffnungen geblieben sind, dass dies in bedeutendem Umfang gelingen werde. Als Beleg wird auf den deutschen Siemens-Konzern verwiesen, der schon angekündigt habe, seine geschäftlichen Aktivitäten mit Iran zu beenden.

          Aus deutscher Sicht hätte die russische Regierung, die enge Beziehungen mit Teheran pflegt, trotzdem gute Gründe, dort für einen Verbleib im Regelwerk des Atomabkommens zu werben. Denn das Ölgeschäft Irans mit China, Indien, auch mit der Türkei, welches für die iranische Wirtschaft lebenswichtigen Rang hat, ist von Trumps jetzt angekündigten Sanktionen wohl nur in geringem Umfang betroffen; es würde aber durch die Sanktionen der Vereinten Nationen gestört oder unterbunden, die dann wieder einsetzten, wenn das Atomabkommen formell auf Irans Betreiben gekündigt werden würde.

          Mit diplomatischer Kühle

          Trotz solcher gemeinsamen Erwägungen zur Eindämmung der akuten Krise begann der Antrittsbesuch Maas’ in Moskau in kalkulierter diplomatischer Kühle. Lawrow empfing seinen deutschen Besucher im Gästehaus des russischen Außenministeriums und las im hohen neoklassizistischen Ballsaal des Palais, in dem sich die Delegationen trafen, selbst die Begrüßungs- und Gratulationsformeln, die an Maas gerichtet waren, von Karteikarten ab, ohne sein Gegenüber am Tisch anzublicken oder ihm gar ein Lächeln zu schenken.

          Lawrow erinnerte an den Anteil, den Russland, damals noch die Sowjetunion, am Zustandekommen der deutschen Einheit hatte, und äußerte, sein Land habe gehofft, dass es anschließend zu einer „wahrhaften Einigung Europas“ komme, zur Errichtung eines „gemeinsamen europäischen Hauses“. Dies sei bedauerlicherweise nicht eingetreten, doch wolle Russland dieses Ziel dennoch nicht aus den Augen verlieren. Der gegenwärtige Zustand der Beziehungen zu Deutschland und dem Westen allgemein sei „alles andere als zufriedenstellend“, sagte Lawrow, es sei aber eine Lage, „die nicht durch russisches Verschulden eingetreten ist“. Er hoffe, „wie dem auch sei“, auf offene Gespräche, sagte Lawrow; es sei jedenfalls allemal besser, persönlich miteinander zu sprechen, als „Mikrofondiplomatie“ zu betreiben.

          Auch Maas hatte für seine erste Entgegnung ein Manuskript parat. Es begann mit einem höflichen Lob für Lawrow – in der aktuellen turbulenten Lage sei es gut, einen derart erfahrenen Diplomaten (Lawrow versieht sein Amt seit 14 Jahren) in der politischen Arena zu wissen. Dann sprach Maas aber über „Irritationen“, die in den letzten Monaten auf deutscher Seite und bei anderen westlichen Ländern durch das Verhalten Moskaus entstanden seien; auch dies werde „miteinander zu besprechen sein“.

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