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Studenten! Ihr klagt über Wohnungsnot? Hier ist die Lösung!

Was haben Ingenieure mit Politikern gemein? Ihre Kunst ist die Kunst des Möglichen. Doch Ingenieurskunst zeigt Politikern auch, wo wahre Not herrscht.

© F.A.Z.-Foto Jasper von Altenbockum Vergrößern Die Tonne, Eingang zum Schreibtisch (derzeit oben)

Die Wohnungsnot deutscher Studenten ist in diesem Jahr besonders schlimm. Der doppelte und wehrpflichtlose Abitursjahrgang weicht schon auf Campingplätze aus – oder zeltet einfach wild. „Guerilla housing“ nennt sich das, eigentlich ein Obdachlosenprotest, der aus Amerika stammt und sich auf Diogenes von Sinope beruft, den Begründer des Kynismus, der (angeblich) zeitweise in einer Tonne gelebt haben soll.

Diogenes tat das allerdings nicht aus Protest oder Verlegenheit, sondern aus tiefster Überzeugung, was wiederum Ingenieure, Architekten und Studenten des Karlsruher Instituts für Technologie dazu veranlasste, die Idee der Wohntonne ganz ohne Zynismus aufzugreifen. Dabei kam 2009 die so gut wie nur aus biegsamem Sperrholz gebaute Tonne „Roll-it“ heraus – mit Küche, Bett, Schreibtisch, Schränken und Toilette.

Das passt alles in eine Röhre von drei Metern Länge und einem Durchmesser von 2,50 Metern. Passt auf jeden Anhänger, passt in jede Parklücke. Der Trick: Die Inneneinrichtung lässt sich auf zwei Laufrädern drehen, ohne dass aus der Miniwohnung ein Chaos wird (der „Flur“, also eine Umdrehung, ist immerhin 7 Meter lang). Rollen in der Rolle sorgen in Fächern, Schränken und Nasszellen für permanente Waagerechte.

Liegt der Student im Bett, hängt über ihm sein Schreibtisch. Steht er in der Küche, macht es nichts, wenn über ihm das Klo baumelt.

So gut hatte es Diogenes nicht. Doch die Wohnungsnot lässt deutsche Studenten offenbar nicht derart Kopf stehen, dass ein findiger Immobilienhändler oder Asta-Vorsitzender in das drehbare Sperrholzheim investiert hätte.

So blieb es bei einem unbewohnten „Denkanstoß“, der im hessischen Ossenheim auf dem verwunschenen Hinterhof der Tischlerei von Camille Hoffmann, einem der Karlsruher Ingenieurskünstler, sozusagen obdachlos ist. Doch die Wohnröhre bringt hin und wieder auf wundersame Weise etwas ins Rollen.

Seit ein paar Monaten bastelt Hoffmann mit Studenten an einer neuen Idee. Dieses Mal sollen Notunterkünfte entstehen, die alles bieten, was ein Obdachloser braucht – aber aufklappbar müssen sie sein, so leicht wie möglich und auf jede Palette passen, hundertfach in jedes Flugzeug, abrufbar für jeden Katastrophenfall.

Camille Hoffmann lässt sich dafür täglich inspirieren. Er wohnt in einem ehemaligen Telegrafenhäuschen.
 

Quelle: F.A.Z.

 
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