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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

„Harte Bretter“ zum Mindestlohn Lehrsätze und Leersätze

 ·  Die FDP nähert sich dem Mindestlohn und entfernt sich damit von ihren Lehrsätzen. Von der SPD könnte sie lernen: Was stimmt, muss nicht immer einleuchten.

Kolumne Bilder (1) Lesermeinungen (16)
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Walther Schmidt

Gerade die Tätigkeit der Friseure müsste doch jedem die Folgen eines Mindestlohns klarmachen

Also über den Blödsinn von Marx, den ich hier lesen durfte, habe ich herzlich gelacht. Marx hat sich ja bekanntlich bei den 500 Millionen Leidtragenden seiner Lehren entschuldigt. Ich hoffe, die T-Shirts sind bekannt.

Natürlich haben Mindestlöhne sehr wohl Auswirkungen auf den Markt (müssen sie, wenn sie wirken sollen). Durch einen Mindestlohn steigt der Preis für`s Haareschneiden. Und gerade beim Haareschneiden, obwohl es sich um einen regionalen Markt handelt, gibt es sehr wohl Ausweichmöglichkeiten für Kunden. Er kann sich die Haare weniger häufig schneiden lassen, kann zu Mutti gehen, kann sich die Haare im Urlaub (z.B. in Berlin für 6 €) schneiden lassen oder kann sich Haare "schwarz" schneiden lassen, etc. Bei einfachen Zusammenhänge bedarf es Marx nicht. Besonders bedauerlich ist, dass dann auch noch verkannt wird, dass heutzutage die genannten Kosten im Fall der Arbeitslosigkeit ohnehin staatlich gedeckt sind. Die Marx`schen Grundbedingungen sind nicht mehr gegeben.

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Micha Balser

"die lästige Frage zu beantworten, ob mit dem Mindestlohn denn nun tatsächlich Arbeit geschaffen

wird, von der man leben kann."

Wem ist die Frage denn lästig ?

FAZ, Kolumnisten, Billigheimer-Arbeitgeber wie Amazon, Paketzusteller etc ?

Arbeit für das "untere Segment" - Fernseh-Zitat Prof-Arbeitsrechtler - (terminus
technicus Untere-Mensch-Zwangs-Arbeitnehmer-Ersatz) ist ausweislich der Amazon-
Story zu den Unterschicht-Arbeitnehmer-Engpässen im Übermaß vorhanden, die allerdings niemand zu einem Arbeitskraft-Abzock-Lohnniveau mehr machen will im Gutmenschen-
Arbeitgeber-Deutschland.

FAZ-Kolumnist ist imer noch nicht aufgewacht, um die Realitäten + Tricks der menschen-
verachtenden Arbeitskraft-Ausbeutung des "unteren Segments" wahrzunehmen, die ohne
gesetzlichen Mindestlohn von mindestens EUR 8,50 nicht abgestellt werden können.

Damit sich Arbeit + Leben fürs "untere Segment" wieder "lohnt, statt daß der Hungerlohn zum Leben + Sterben nicht reicht.

Aufgrund der „lästigen“ u.a. JournalistenLeersätze, daß Mindestlohn Arbeit vernichte

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Rainer Egold

Stimmt nun Gabriels Aussage

ist sie einleuchtend, ein Lehr- oder ein Leersatz? Irgendetwas habe ich wohl da nicht verstanden. Ich vermag auch nicht nachzuvollziehen, wieso Betriebe, vornehmlich im Dienstleistungsbereich, subventioniert werden (Lohnaufstockung), die keine "auskömmlichen" Löhne zahlen. Ein Mindestlohn kann hier helfen, unwirtschaftliche Betriebe auszusondern, also das erreichen, was der Markt dank Lohnsubventionierung nicht leistet.

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Andreas Neubert

Mindestlohn ist nicht nur irgendeine moralische Gefühlsduselei sondern ein ökonomischer Sachzwang

"„Nicht das ist sozial, was Arbeit schafft, sondern das ist sozial, was Arbeit schafft, von der man leben kann!“" Es ist einer jener Sätze, die nicht unbedingt stimmen müssen, aber sofort einleuchten. Und vor allem darum geht es, wenn von sozialer Gerechtigkeit die Rede ist."

Dass man von der Arbeit, die man leistet, leben kann, ist nicht nur eine moralische Frage, sondern in erster Linie eine ökonomische!

Der Arbeitnehmer muss seine Lebenshaltungskosten (Miete, Nahrung, Strom, usw.) bezahlen können, um seine Arbeit überhaupt anbieten zu können!

Das ist ein ökonomischer Sachzwang, bei dem Mindestlohngegner es plötzlich gar nicht mehr so mit der Ökonomie haben, die sie doch sonst so gerne als Argument aufführen. Dass das ganze nichtsdestotrotz auch eine starke moralische Komponente hat, bleibt davon vollkommen unberührt.

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Antworten (3) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 21.02.2013 19:21 Uhr
Micha Balser

Ein anständiger Unternehmer muss anständige Löhne zahlen können, die seine für ihn

unverzichtbaren AN des "unteren Segments" menschenwürdig ernähren können zur Erhaltung seiner Arbeitskraft.

Schafft er das nicht, hat er kein anständiges taugliches Unternehmer-Segment + ist
in der sozialen Marktwirtschaft ein überflüssiges Unternehmer-Element.

Das nach Art des britischen EmpireGehabes nach Indien auswandern möge,
um dort das britische Ausbeutungs- + Ausplünderungs-Unternehmertum
in Champagner-Saus + Krickett-Golf-Braus versuchen zu reanimieren bis ihm
die Luft abgewürgt wird.

Dem Gandhi in Billigst-Kluft den Garaus gemacht hat, weil er
Massen des "unteren KuliSegments" hinter sich gebracht hat in Solidarität.

Wovon der deutsche Duckmäuser nur träumen kann, der sich als Angestellten-Knecht
im Bürokratie-Segment in Burnout-Zustände versetzen lässt.
In denen er daheim auf der PotatoPseudoManagerCouch dringend der
EsoterikBüchersendung von Amazon entgegenfiebert.

Geistig körperlich zu ausgebrannt energielos für nen BuchladenGang

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Robert Feichter

Herr Pflanz

das Faseln und das Hineininterpretieren "ich darf zu recht vermuten, dass sie nicht für 5,20€ brutto je lohnstunde mit einem täglichen anfahrstweg einfache fahrt von 46km arbeiten" überlasse ich Ihnen.

Vielleicht kommen Sie aber auf die Idee sich sachlich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Dann prüfen Sie was in Ländern, die bereits einen Mindestlohn eingeführt haben, passiert ist. Da ist egal ob dienstleistungsorientiert wie Irland oder mit einem Industriesektor von >25% wie Bangladesh. Sie haben alle gemein, dass sie die eingeführten Mindeslöhne immer wieder senken mussten, weil Firmen die höheren Arbeitsentgelte nicht bezahlen konnten oder wollten.

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Robert Feichter

ökonomischer Sachzwang

Das Problem an Ihrer Argumentation ist, dass sie sich auf wirtschaftliche Produke und Dienstleistungen wie das Haareschneiden bezieht. Sie könnten auch den Bäcker, den Metzger, den Polizisten usw. aufführen um Ihr Argumentation zu stärken. Aber wie sieht es mit Berufsgruppen aus (von mir aus, denken Sie an den einfachen Fabrikarbeiter), die nicht nur auf regionaler Ebene sondern auf internationaler Ebene in einem ganz anderem Wettbewerb sich behaupten müssen? Glauben Sie dann immer noch, dass die Unternehmer es verkraften können, "anständige Mindestlöhne" (ist der dann in Erfurt genauso hoch wie in München?) zu zahlen?

Im Gegensatz zu "Kein Ostdeutscher fährt nach Westdeutschland zum Haareschneiden" haben die nämlich keine Probleme ihre Produktion in ander Länder zu verlagern, in denen billiger produziert werden kann.

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Gottfried Lobeck
Gottfried Lobeck (golo7) - 21.02.2013 13:12 Uhr

Denkaufgabe

"...sondern das ist sozial, was Arbeit schafft. Es ist einer jener Sätze, die nicht unbedingt stimmen müssen, aber sofort einleuchten."
Kann mir einer erklären, was an Gabriels Satz das ist, was nicht unbedingt stimmen muss?

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Hans Maier

Was soll das - Verzeihung - Gesülze.

Im Augenblick erzeugt der Mangel an Mindestlöhnen von denen man in Deutschland gut leben kann in Verbindung mit dem staatlich eingeführten Arbeitsannahmezwang nur zu einem: Lohndumping und dadurch Aufstocksubventionen an Unternehmer, die genau wissen wie sie diese "Subventionstöpfe" anzapfen.

Dies hat über die letzten 15 Jahre zu einer Wettbewerbsverzerrung ohnes gleichen geführt und Unternehmen - besonders Handwerk und Mittelstand - die "faire" Löhne oder gar nach "Tarif" zahlten entweder aus dem Markt gedrängt haben oder diese sich gezwungen sahen mit "dem Strom zu schwimmen".

Und das alles auf Steuerzahlerkosten.

Wie war das Neo-Con-Motto nicht mal: "Subventionen = Das Böse"?

Offenbar nur solange man nicht selber von diesen provitiert.

Anständige, vernünftige Mindestlöhne schützen Staat kurz- mittel- und langfristig vor explodierenden "Sozialausgaben". Dadurch könnte auch dem anrollenden Kostenblock Altersarmut in Deutschland noch ! entgegengesteuert werden.

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Felix Lind
Felix Lind (Blokk) - 21.02.2013 12:51 Uhr

Gesetzlicher Mindestlohn - Fluch oder Segen?

Wenn man das Thema Mindestlohn verfolgt kommt man leider auch immer wieder zu handfesten Problemen, die mit einem solchen "gesetzlichen" und flächendeckenden Mindestlohn auftreten würden.

Dem Grundsatz, dass jeder von seiner Arbeit leben soll kann man vorbehaltlos zustimmen,
aber ob das mit diesem Instrument wird ist fraglich.

Allein eine gesetzliche Grundlage zu schaffen und so zwingend die Tariffreiheit außer Kraft zu setzten erscheint äußerst problematisch. Darüber hinaus sind die volkswirtschaftlichen Folgen nicht abzusehen, wie man etwa am Beispiel Frankreich sehen kann.

Was bei diesem Thema, aber völlig außer Acht gelassen wird ist das Thema Arbeitskampf.
Man stelle sich nur etwa Streik nicht gegen Verbände oder einzelne Arbeitgeber, sondern gegen den Staat vor.

Sollte der Mindestlohn also tatsächlich zur Umsetzung reifen, stehen der künftigen Regierung eine Menge Probleme ins Haus.

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 21.02.2013 20:18 Uhr
Micha Balser

Die ewigen In-Fragesteller und Zweifler und Verzweifler in German Angst vorm Ausprobieren.

Ausprobieren geht über Zweifel- und Verzweiflungs-Simulation-Studieren.

Ach du lieber Himmel, was sollen wir bloß tun außer Nichtstun + alles so den
Bach runterlaufen lassen bis alles überschwemmt + abgesoffen ist.

Das ist die Sprache der entscheidungs-unfähigen deutschen Zauderei-Künstler.

Tariffreiheit gibt es dort nicht mehr, wo die Streik-Solidarität im "unteren Segment"
aufgrund des Fehlens jeder Lobby fehlt.

In einem Land, in dem jeder den feigen Duckmäuser im Mainstream gibt und sich
verheizen lässt :

Einmalig in Europa, aber deutschtümlich geschichts-bewusst wie gehabt.

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Klaus Letis

Irgendwas muss getan werden

Die Kosten für die Dauer-Aufstocker belasten den Bundeshaushalt und subventionieren Firmen und auch Parteien.

Sogar Herr Westerwelle hält Löhne fpr 3Eur/h für unanständig.

Die öffentliche Meinung wird von den rot/grünen öffentlich-rechtlichen medien bestimmt.
Vor neuen Wahlen ziehen die sämtliche Register.

Deshalb ist es logisch, Mindestlöhne einzuführen.
Eine wiederwahl von rot/grün würde wesentlich größeren Schaden verursachen.

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 21.02.2013 20:30 Uhr
Walther Schmidt

Herr Pflanz,

aus meiner Sicht sind die öffentlich-rechtlichen Medien tendentiell schon rot-grün. Das fängt mit dem WDR als größter Landesrundfunkanstalt an. Mit WAZ-Gruppe, Spiegel, Zeit geht es weiter. Hinzu kommt, dass die Journalisten insgesamt eher links sind. Wer wirtschaftlich interessiert ist, studiert eher BWL oder Jura. Die linken ASTEN an den Universitäten haben doch ihre Gründe.

Und beim Mindestlohn ist es etwas komplizierter. Löhne von unter 5-6 € (Niveau der USA mit höherem Pro-Kopf-BSP) sollten vielleicht verboten sein, aber gegen einen solchen niedrigen Mindestlohn hätte auch keiner etwas, wenn es dabei bliebe. Ein solcher Mindestlohn ist aber nicht das Ziel der Befürworter. Gewollt ist ja ein Steuerungsinstrument von 7,5 - 10 €, an dem jährlich hochgeschraubt werden soll. Und ein solcher hoher Mindestlohn würde zu Arbeitslosigkeit führen, ebenso wie andere zu hohe Kosten in der BRD (z.B. Energie). Und da ist es komisch, wenn jemand von toten Pferden redet, bzw. das nicht sieht.

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Walther Schmidt

Ganz egal, wie hoch der Mindestlohn ist....

es wird immer einen Journalisten geben, der einen vermeintlich skandalösen Fall von gefunden hat. Und sei es, dass derjenige, über den berichtet wird "nur den Mindestlohn" verdient. Noch eine Frage: Wie hoch muss der Mindestlohn sein, damit ein Familienvater von zwei Kindern als Alleinverdiener nicht auf staatliche Leistungen angewiesen ist? Kindergeld nehmen wir ja schon nicht mehr als Staatsgeld wahr.

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Wolfgang Kurt Harms

Mindestlohn, gut und schön, aber wie hoch darfs sein?

Natürlich kann man sich einem Mindestlohn nicht vollständig versperren, zur Zeit wird er staatlich über Hartz 4 bezahlt. Natürlich soll aber jemand, der arbeitet, mehr in der Tasche haben, als solche, die es nicht tun.
Nur halte ich die Aussage "man muss davon leben können" für wenig durchdacht. Ein Single in der mecklenburgischen Provinz wird über den Mindestlohn, den der Familienvater in München bekommen müsste, laut lachen und gefühlt wie die Made im Speck leben.
Wie hoch soll also der Mindestlohn, von dem man dem man leben kann, sein? Soll er regional angepasst werden, soll er auf die Familiensituation zugeschnitten sein?

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 21.02.2013 13:07 Uhr
Roland Müller

Die Lösung

des Problems ist ein funktionierender Binnenmarkt, der die bereits von Karl Marx beklagte industrielle Reservearmee durch erhöhte Nachfrage marginalisiert und auf diese Weise für eine Angleichung von Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt sorgt. Damit wäre das Problem eigentlich erledigt, ohne sich Gedanken um regionale Unterschiede oder familiäre Situation machen zu müssen.

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20.02.2013, 17:40 Uhr

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