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Harte Bretter : Shitstorm der Etablierten

Bild: dpa

Endlich haben die kraftlosen Platzhirsche ein Mittel gegen die Piraten gefunden: die „rechte“ Schmuddelecke. Solche Rituale haben die Piratenpartei erst groß gemacht.

          Seit ein paar Tagen geht ein Aufatmen durch die deutschen Parteien. Bislang wusste keiner der mehr oder weniger kraftlosen Platzhirsche, wie mit den Piraten umzugehen sei. Die einen versuchten es inhaltlich - eine schwierige Sache, wenn man Themen über Jahre hinweg übersehen hat oder zu feige war, sich gegen Leute zu wenden, die Mittel und so viel Ahnung haben, dass sie sich spielend Gehör verschaffen können. Die anderen versuchten sich in Methodenkritik - was nicht weniger schwierig ist, wenn man selbst jahrelang darüber schwadroniert hat, dass „Transparenz“ und „Bürgerbeteiligung“ unbedingt und sofort verbessert werden müssten, ohne zu wissen, wie.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

          Doch nun ist endlich ein Mittel gegen die Piratenpartei gefunden - der „shitstorm“ der Etablierten: Sie sei im „braunen Sumpf“ unterwegs, jauchzen ihre Gegner, sie wisse nicht, wie sie mit den „Rechten“ umgehen solle, sie könne ihr Verhältnis zum Rechtsextremismus nicht klären.

          Auch wenn der Berliner Pirat Martin Delius das Ritual der Rituale bemüht und sich für den „absoluten Blödsinn und Quatsch“ entschuldigt, den er geredet hat - es nützt ihm und seiner Partei nichts. Sie ist in die Ecke gestellt, von der alle wissen, dass sie dort nicht hingehört, von der aber auch alle wissen, dass sie die Schmuddelecke ist, in der jeder in Deutschland erledigt werden kann, ohne dass auf Fairness und Vernunft Rücksicht genommen werden müsste. Die Übung dient meistens nur dem Zweck, sich selbst ins rechte Licht zu setzen. So ist es auch dieses Mal, zumal bei den Grünen, die am meisten mit dem Aufstieg ihres Stiefkinds zu kämpfen haben.

          Um gegen die Piratenpartei zu bestehen, müssen keine Tricks bemüht werden. Es ist so ziemlich alles über sie gesagt worden. Dass sie junge Wähler anziehe. Dass sie auch für Nichtwähler attraktiv sei. Dass sie liberal, anarchisch, plebiszitär, elitär, links, transparent, spontan und männlich sei. Und vor allem: dass noch immer nicht ganz klar sei, wofür die Partei eigentlich stehe, einmal abgesehen vom Urheberrecht, vom Verbraucherschutz, vom Nahverkehr, den Subventionen, der Landwirtschaft und was sonst noch an Kleinigkeiten in ihren Programmen steht.

          Um dagegen zu bestehen, müssten die Parteien Sinn und Verstand von Recht, Regeln, Ritualen und Repräsentation erklären können. Das haben sie offenbar verlernt, die Grünen in nicht einmal einer Generation. Vielleicht liegt es an ihren Ritualen.

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