Home
http://www.faz.net/-h7u-75sef
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Harte Bretter Ritt auf der Schnecke

Wenige Tage vor der Landtagswahl in Niedersachsen für die SPD einen Umfragewert zu ermitteln, 23 Prozent, der an das Armageddon von 2009 erinnert, ist wohl keine repräsentative, sondern eine psychologische Punktlandung.

© Jung, Hannes Vergrößern

Matthias Platzeck, Klaus Wowereit, Peer Steinbrück, Sigmar Gabriel, Frank-Walter Steinmeier, Kurt Beck - die SPD glänzt derzeit nicht gerade mit Siegertypen. Wie gut, dass es die Frauen gibt, die Marie-Luise Dreyers, Hannelore Krafts und Doris Schröder-Köpfs. Frau Dreyer wird zeigen müssen, wie sie die Hinterlassenschaft Kurt Becks aus der Eifel bürstet; Frau Kraft lässt die Finger gleich ganz von Großprojekten; und Frau Schröder hat mit ihrer Okkupation einer Hannoveraner Wahlkreiskandidatur der Berliner Männerriege klargemacht, dass deren Parteireform ungefähr so gut funktioniert wie der Berliner Großflughafen.

Jasper von Altenbockum Folgen:  

Der Fortschritt ist ein Nürburgring, möchte man den seufzenden Wahlkämpfern der SPD zurufen, ob Männer oder Frauen, die beim Ritt auf der Schnecke wenigstens etwas eint, nämlich das wiederkehrende Problem der SPD: hoher Anspruch, wenig Wirklichkeit. In Berlin und Brandenburg hat die SPD einen Ausweg gefunden, indem sie erst gar keine Ansprüche mehr stellt. Da kann die Wirklichkeit gleich auf das Wesentliche reduziert werden, was für Matthias Platzeck heißen muss, dass der nächste Termin für die Eröffnung des Flughafens sich an der Landtagswahl in Brandenburg zu orientieren hat. Das ist 2014, also - sicherheitshalber - danach.

Das fällt in eine Zeit, in der sich die Partei schon wieder Gedanken darüber machen dürfte, wer denn nächster Kanzlerkandidat der Partei werden solle. Nein, nicht Platzeck, nein, sicher nicht Steinbrück, und, nein, auch nicht Wowereit. Es sollte schließlich nicht derjenige oder diejenige sein, die der Partei per Umfragen, Meinungsbildner und sonstige Nah-bei-den-Leuten-Gremien aufgeschwatzt und anschließend von Umfragen, Meinungsbildnern und sonstigen Nah-bei-den-Leuten-Gremien wieder madig gemacht wird.

Sigmar Gabriel wird jetzt öfter genannt, wohl auch deshalb, weil er mehr als seine beiden anderen Troika-Genossen nachvollziehen kann: Die Partei würde weit besser in Umfragen aussehen, wenn sie nicht so viel auf Umfragen gäbe. Das wissen natürlich auch diejenigen, die Umfragen „erheben“. Wenige Tage vor der Landtagswahl in Niedersachsen für die SPD einen Wert zu ermitteln, 23 Prozent, der an das Armageddon von 2009 erinnert, ist wohl weniger eine repräsentative, sondern eine psychologische Punktlandung. Wahrscheinlich heißt es bald in Umfragen: Gabriel wird immer beliebter.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Landtagswahlkampf Ein Königreich für einen Sachsen

Im Gegensatz zu Brandenburg und Thüringen hat Sachsens Linke keine Machtoption. Ihr Spitzenkandidat aber kämpft den Ferienwahlkampf – selbst an der Ostsee. Mehr

13.08.2014, 08:37 Uhr | Politik
Landtagswahl in Sachsen Gegen die Vormacht der CDU

Am 31. August ist Landtagswahl in Sachsen. 14 Parteien buhlen um die Gunst der Wähler. Doch nur sieben davon dürfen sich realistische Hoffnungen auf einen Einzug ins Parlament machen. Die Parteien im Kurzporträt. Mehr

17.08.2014, 12:14 Uhr | Politik
Debatte über Waffenlieferungen Gysi verärgert Linkspartei mit Vorstoß zu Rüstungsexporten

Gregor Gysi sagt, dass die Terrorgruppe Islamischer Staat mit „Protestbriefen“ nicht zu stoppen sei und Deutschland unter Umständen Waffen liefern solle. Damit stellt er sich gegen die Linie seiner Partei. Mehr

12.08.2014, 14:32 Uhr | Politik