Home
http://www.faz.net/-gpf-79yku
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 20.06.2013, 12:43 Uhr

Harte Bretter Netzimperien im Neuland

Es klingt recht hilflos, was sich Regierungen und Unternehmen bislang über die amerikanische Datenschnüffelei zu sagen hatten. Der Besuch Obamas in Berlin hat daran nichts geändert.

© dpa

Was sich bei Google, Facebook, AOL und anderswo abspielt, ist ganz offensichtlich außer Kontrolle geraten - in einer für das Cyberspace typischen Mischung aus Sorglosigkeit und Anarchie, der sich im Fall von „Prism“ auch der amerikanische Staat offenbar verpflichtet fühlte.

Jasper von Altenbockum Folgen:

Angesichts solcher Zustände klingt es jedenfalls recht hilflos, was sich Regierungen und Unternehmen bislang über die amerikanische Datenschnüffelei zu sagen hatten. Sieht so das „Neuland“ aus, von dem Angela Merkel beim Besuch des amerikanischen Präsidenten Barack Obama sprach und damit das gute alte Internet meinte?

Merkels Wasser auf die Mühlen der Internet-Gemeinde war eine elegante Umschreibung der Ahnungslosigkeit, die ihre Begegnung mit den deutschen Ablegern amerikanischer Unternehmen in der vergangenen Woche im Kanzleramt prägte. Die amerikanischen Firmen hatten bei dieser Gelegenheit deutsche Politiker darum gebeten, sich beim amerikanischen Präsidenten für ihre Anliegen einzusetzen.

Das ist so absurd, dass es schon wieder verdächtig wirkt. Sind es denn tatsächlich „ihre Anliegen“? Ausmaß und Anbahnung der Überwachung lassen darauf schließen, dass die kommerziellen Netzimperien sich nicht gerade wie Anwälte ihrer Kunden aufgeführt haben, sondern eher schon wie Staaten im Staate, die Einblicke in den Lebenswandel ihrer Untertanen gewähren. Es ging um Terrorbekämpfung - aber ging es nicht auch um einen Deal zwischen Staat, Recht und Wirtschaft?

Da wird Vorratsdatenspeicherung nach deutschem Muster, wenn es sie denn eines Tages geben wird, fast schon wieder zu einem Akt der Befreiung.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Gegensätzliche Entwicklung Googles Aufstieg und Yahoos Fall

Einst waren die Internetfirmen Google und Yahoo gleichwertige Rivalen. Heute ist Google die wertvollste Firma der Welt und Yahoo am Ende. Wie konnte das geschehen? Mehr Von Dennis Kremer

08.02.2016, 12:57 Uhr | Finanzen
Internetriese Massiver Jobabbau bei Yahoo

Im vierten Quartal ist der Umsatz bei Yahoo um 15 Prozent zurückgegangen. Der Internetriese Yahoo findet gegenwärtig kein Mittel, um sich im Netz gegen Google und Facebook durchzusetzen. Deshalb streicht der Konzern nun 15 Prozent seiner Arbeitsplätze. Mehr

08.02.2016, 13:21 Uhr | Wirtschaft
Recht auf Vergessenwerden Google weitet Filterung der Suchergebnisse aus

In Kürze wird der Konzern ein Schlupfloch schließen und die Filterung bei der Internetsuche erweitern. Damit reagiert Google auf die Kritik von Datenschützern. Ob die sich so besänftigen lassen, ist noch offen. Mehr Von Stefan Tomik

10.02.2016, 08:08 Uhr | Politik
Amerika Google und Ford verhandeln über Fertigung selbstfahrender Autos

Google testet bereits Prototypen seiner Roboterautos in den USA. Der Autohersteller Ford hinkt den Konkurrenten auf dem Gebiet bisher hinterher. Mehr

04.02.2016, 09:05 Uhr | Wirtschaft
Lügen im Internet Trennt Propaganda von Wahrheit!

Das Internet ist hässlich geworden, feindselig, erregt. Jetzt kommt ihm auch noch die Wahrheit abhanden. Wie aus einem Medium der Aufklärung ein Instrument der Irritation wurde – und was Facebook und Google jetzt tun müssten. Mehr Von Mathias Müller von Blumencron

05.02.2016, 12:15 Uhr | Politik