Home
http://www.faz.net/-h7u-79yku
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Harte Bretter Netzimperien im Neuland

Es klingt recht hilflos, was sich Regierungen und Unternehmen bislang über die amerikanische Datenschnüffelei zu sagen hatten. Der Besuch Obamas in Berlin hat daran nichts geändert.

© dpa Vergrößern

Was sich bei Google, Facebook, AOL und anderswo abspielt, ist ganz offensichtlich außer Kontrolle geraten - in einer für das Cyberspace typischen Mischung aus Sorglosigkeit und Anarchie, der sich im Fall von „Prism“ auch der amerikanische Staat offenbar verpflichtet fühlte.

Jasper von Altenbockum Folgen:  

Angesichts solcher Zustände klingt es jedenfalls recht hilflos, was sich Regierungen und Unternehmen bislang über die amerikanische Datenschnüffelei zu sagen hatten. Sieht so das „Neuland“ aus, von dem Angela Merkel beim Besuch des amerikanischen Präsidenten Barack Obama sprach und damit das gute alte Internet meinte?

Merkels Wasser auf die Mühlen der Internet-Gemeinde war eine elegante Umschreibung der Ahnungslosigkeit, die ihre Begegnung mit den deutschen Ablegern amerikanischer Unternehmen in der vergangenen Woche im Kanzleramt prägte. Die amerikanischen Firmen hatten bei dieser Gelegenheit deutsche Politiker darum gebeten, sich beim amerikanischen Präsidenten für ihre Anliegen einzusetzen.

Das ist so absurd, dass es schon wieder verdächtig wirkt. Sind es denn tatsächlich „ihre Anliegen“? Ausmaß und Anbahnung der Überwachung lassen darauf schließen, dass die kommerziellen Netzimperien sich nicht gerade wie Anwälte ihrer Kunden aufgeführt haben, sondern eher schon wie Staaten im Staate, die Einblicke in den Lebenswandel ihrer Untertanen gewähren. Es ging um Terrorbekämpfung - aber ging es nicht auch um einen Deal zwischen Staat, Recht und Wirtschaft?

Da wird Vorratsdatenspeicherung nach deutschem Muster, wenn es sie denn eines Tages geben wird, fast schon wieder zu einem Akt der Befreiung.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Monopolkommission Die Zähmung der Internet-Giganten

Monopole im Internet haben auch ihr Gutes – aber nur so lange, wie sie um ihre Vorherrschaft kämpfen müssen. Die Monopolkommission plädiert für mehr Schlagkraft in der Wettbewerbskontrolle. Mehr Von Helmut Bünder, Bonn

18.12.2014, 17:32 Uhr | Wirtschaft
Die Forderung nach neuen Spielregeln für Google

Bei einem Streitgespräch mit Google-Chef Eric Schmidt forderte Sigmar Gabriel, die Marktmacht des amerikanischen Internet-Giganten zu begrenzen. Mehr

15.10.2014, 09:18 Uhr | Politik
Obamas Außenpolitik Wir brauchen den Weltpolizisten Amerika

Unter Präsident Obama hat sich der Neo-Isolationismus explosionsartig ausgebreitet. Für den Weltfrieden ist das eine große Gefahr - deshalb müssen wir etwas dagegen tun. Ein Gastbeitrag. Mehr Von James Kirchick

12.12.2014, 12:00 Uhr | Politik
ARD-Reportage Die geheime Macht von Google

Vier Milliarden User googeln sich täglich weltweit durch das Internet. Längst ist Google zum Navigator durch den Alltag geworden. Allein in Europa laufen 90 Prozent der Suchanfragen über Google. Google sortiert uns die Welt, sucht für uns und findet. Google dominiert das Internet - eine ungeheure Macht. Ist die Suchmaschine tatsächlich so objektiv und verbraucherfreundlich, wie sie scheint? Oder verfolgt Google Absichten, die die Interessen der Verbraucher in Wahrheit verletzen? Die geheime Macht von google - Einblicke in einen Milliarden-Konzern, der wie kein anderer unseren Alltag unter Kontrolle hat. Mehr

02.12.2014, 08:39 Uhr | Aktuell
Suchmaschine Bing fliegt raus Facebook schließt die Suche ins Internet

Die Microsoft-Suchmaschine Bing wollte auch mit Hilfe von Facebook wachsen. Daraus wird nun nichts, das soziale Netzwerk verzichtet auf den Dienst. Wer künftig sucht, findet Antworten nur noch im Facebook-Kosmos. Mehr

13.12.2014, 14:13 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 20.06.2013, 12:43 Uhr