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Harte Bretter Hier stehe ich und kann nicht anders

 ·  Von der Macht und der Ohnmacht eines Ministerpräsidenten: Volker Bouffier hielt die Festpredigt zum Reformationstag im Kloster Haina.

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© dapd Volker Bouffier auf der Kanzel der Klosterkirche in Haina

In der Frankenberger Zeitung, sagte Volker Bouffier, als er schon auf der Kanzel stand, habe neulich gestanden: Wenn Politiker auf der Kanzel stehen, beginne der Teufel zu tanzen. Als er das in seiner Lokalzeitung las, muss sich Jörg Mosig, der Pfarrer der kleinen Gemeinde Haina bei Frankenberg im Norden Hessens, gedacht haben: Und wenn die Welt voll Teufel wär’ und wollt’ uns gar verschlingen, so fürchten wir uns nicht so sehr, es soll uns doch gelingen.

Es blieb also dabei, dass Volker Bouffier, der hessische Ministerpräsident, in der Kirche des ehemaligen Zisterzienserklosters am Reformationstag die Festpredigt halten sollte. Solche „Politikerkanzeln“ finden schließlich auch in Berlin statt, warum dann nicht auch hier, im tiefen Kellerwald?

Für Bouffier war es nicht die erste Predigt, die er „als Politiker“, aber nicht über Politik hielt - obwohl auch das, also das Politisieren, im Gedenken an Martin Luther und die Reformatoren gar nicht so abwegig wäre. Bouffier sollte vielmehr erklären, was ihn zur Politik bringt, oder wie Mosig sagte: „wie man sich engagieren kann und warum es sinnvoll ist“.

Warum sollte da der Teufel tanzen? Wahrscheinlich deshalb, weil die Antwort nach landläufiger Meinung sein könnte: Macht, Einfluss, Gestaltungswille, Autorität, Machiavelli, mit anderen Worten: Ich kann auch anders! 

Aber ganz so einfach ist es nicht. Bouffier ging mit Luthers Hilfe in eine ganz andere Richtung, in der sich Macht und Ohnmacht die Waage halten: „Hier stehe ich und kann nicht anders.“ Das klingt im ersten Moment offensiv, ist es aber nicht, weil Verständnis heischend. Luther stand so vor den Fürsten und Reichsständen. Vor wem steht Bouffier und verteidigt sich?

Bouffier zählte auf, was ihm sein Politikerleben eigentlich versauern müsste: Neun Mal müsse er Nein sagen, um einmal Ja sagen zu können, selbst wenn er neun Mal Ja und einmal Nein sagen wollte. Und wer hilft einem bei harten Entscheidungen, die täglich zu treffen sind? „Wem kann ich mich anvertrauen, in einer Zeit, in der man keine Schwäche zeigen darf, weil es dann sofort heißt: der ist seiner Aufgabe nicht gewachsen.“  Und ab und zu die Zweifel: „Bin ich noch auf dem Boden? Trägt das noch?“

Vor Mitleid (und Selbstmitleid) schützt Bouffier in solchen Augenblicken die Opposition, die Familie (merkwürdig: das Wort „Partei“ fällt kein einziges Mal) und der Galaterbrief, in dem Paulus in drei Worten ganze christlich-demokratische Parteiprogramme ersetzt: „zur Freiheit befreit“ - worin eben die Aufforderung steckt, etwas zu tun, und nicht zu sagen: Es wird sich schon irgendwer kümmern, oder: Das geht mich nichts an, oder: Hauptsache, ich kann machen, was ich will.

Ein gutes Mittel zur Demut ist aber auch „Eine feste Burg ist unser Gott“, besonders der zweite Teil der oben zitierten Strophe, in der die Welt voll Teufel wär’. Die wurde auch in Haina gesungen, und es war der Abschluss eines demokratie- und wählerfreundlichen Tages: „Der Fürst dieser Welt, wie sau’r er sich stellt, tut er uns doch nicht; das macht, er ist gericht’: ein Wörtlein kann ihn fällen.“

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Jahrgang 1962, verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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