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Harte Bretter : Frauenpower

Auf dem Weg: Leviathan Bild: REUTERS

In der Debatte über die Frauenquote tauchte im Bundestag kurz der Leviathan auf. Davor hätte es alle im Hohen Hause grausen müssen. Aber nichts dergleichen.

          Der Unterschied zwischen Männern und Frauen nahm im Bundestag in der Debatte über die Frauenquote die Dimension von Himmel und Hölle an - was aber nicht auf eine der vielbesungenen Sternstunden des Parlaments schließen ließ. Denn wenn erst einmal biblische Maßstäbe hervorgekramt werden, wo es um platte Gesellschaftspolitik geht, ist der Leviathan nicht mehr weit.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

          Davor hätte es alle im Hohen Hause grausen müssen. Aber nichts dergleichen. Es gebe in der Hölle einen Ort für Frauen, die andere Frauen nicht unterstützen - dieser hoffentlich nicht ganz ernst gemeinte Spruch der ehemaligen amerikanischen Außenministerin Madeleine Albright (woher weiß sie das?) wurde munter mehrfach zitiert, allerdings ernst gemeint und ernsthaft von Frauen auf diejenigen unter den Frauen bezogen, die gegen eine staatliche Zwangsquote sind. So viel zu den Frauen als den besseren Menschen.

          Aber es ging hin und wieder sogar um die Sache. Aus dem Regierungslager war auffallend oft zu hören, dass es dieses oder jenes rot-grün zu besetzende Gremium gebe, in dem die Männer in der erdrückenden Überzahl seien. Auch wurde gelegentlich darauf verwiesen, dass es im Gegensatz zu börsennotierten Unternehmen vor allem Familienunternehmen seien, die Vorgaben einer Frauenquote gar nicht nötig hätten. Wozu also staatlicher Zwang - wenn auch vorläufig nur für die High Society der Unternehmen?

          Es ist selten, dass rot-grün zu besetzende Gremien und Familienunternehmen gemeinsame Interessen haben. Aber in diesem Fall treffen sie sich wohl darin, dass sie ganz einfach andere Sorgen haben, als eine Frauenquote zu erfüllen. Ist das gut oder schlecht? Es zeigt jedenfalls die Relevanz einer Quote: als pures Symbol und als Einschränkung der Entscheidungsfreiheit. Damit sollte die Opposition vorgeführt werden, was aber nicht ganz glaubwürdig war angesichts der himmlischen Willensbildung im Kabinett und in der Unionsfraktion.

          Die Drohung Frau von der Leyens, die zwei CDU-Ministerpräsidenten im Bundesrat zu unterstützen, die dort einer starren Frauenquote zur Mehrheit verhalfen, die Drohung also, sich in der Arena des Bundestags mit Angela Merkel messen zu wollen, hatte dazu geführt, dass im Bundestag eine tigernde Kanzlerin zu beobachten war und eine Familienministerin Schröder, die so redete, als sei sie noch einmal der Hölle entkommen. Die Wege, auf denen sie und der Fraktionsvorsitzende Kauder das Gesicht der „Flexi-Quote“ zu wahren versuchten, blieben aber so verschlungen wie die Wege von CDU und CSU in den linken Gender Mainstream.

          Frau von der Leyen schaute währenddessen ganz außen auf der Regierungsbank dem Treiben geradezu unüberhörbar zu, ganz so, als sei sie auf dem Weg - nein, nicht in den Himmel, aber doch zum Zenit. Oder darüber hinaus.

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