Home
http://www.faz.net/-h7u-7571p
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Harte Bretter Der Gleichmut der Gigawattbürger

Es gibt eine sehr wirkungsvolle Kampagne gegen die Energiewende, und das ist die Energiewende selbst.

© Manz, Florian Vergrößern

Der Gleichmut, mit dem die Widersprüche der Energiewende hingenommen werden, lässt sich nur noch in Gigawatt messen. In keinem anderen Land der Welt ist der Anteil der erneuerbaren Energie an der Stromproduktion so hoch wie in Deutschland. Dennoch ist von einer „Kampagne gegen die Energiewende“ die Rede, die Grüne und Naturschützer hinter jedem Windrad wittern. Es gibt allerdings eine sehr wirkungsvolle Kampagne gegen die Energiewende, und das ist die Energiewende selbst.

Jasper von Altenbockum Folgen:  

Die Kräfte, die freigesetzt werden, drohen sich selbst zu ersticken. In wenigen Jahren wird die Stromerzeugung durch erneuerbare Energie wesentlich höher sein als der Bedarf. Schon jetzt ist es so, dass die Energiewende Strom produziert, den niemand verbraucht, aber alle bezahlen. Im Falle der Kraftwerke, deren Leistung die Schwäche der Energiewende - die Flatterhaftigkeit des Angebots - ausgleichen muss, ist es umgekehrt: Sie werden dringend gebraucht, aber niemand bezahlt.

All das und noch viel mehr ist seit langem bekannt. Was der erste „Monitoringbericht“ der Regierung zu sagen hat, ist deshalb ein alter Hut - er steht sozusagen auf dem Gleichmutstand vom März 2011, als „Fukushima“ zeigte, dass den Deutschen bis auf das Restrisiko so gut wie alles egal ist. Das kommende Jahr wird den Bürgern noch einige Gigawatt mehr an Geduld abverlangen. Denn während alle Parteien beteuern werden, dass alles noch viel zu langsam gehe, geht alles noch viel langsamer. Eine Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes wird es so schnell nicht geben - auch nach der Bundestagswahl werden sich die Länder angesichts der Schuldenbremse die unverhofft sprudelnde Einnahmequelle nicht so schnell nehmen lassen.

Mehr zum Thema

Worauf die Länder hingegen gerne verzichten, ist die jeweilige Planungshoheit für den Ausbau der Netze. Das beschleunigt das Verfahren, das auch die Länder gar nicht schnell genug über die Bühne bringen können. Während jedes andere Infrastrukturprojekt unter dem Verdacht steht, eigentlich überflüssig zu sein, sind die „Stromautobahnen“, die das Kabinett am Mittwoch beschlossen hat, fast schon plebiszitäre Ehrensache.

Nun soll eine Bürgerbeteiligung kommen, wie man sie noch nicht gesehen hat. In der Tat. Wo staatlich verordneter Gleichmut das Volk beherrscht, verbrutzelt die Bürgerbeteiligung im Gigawatt.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Energiewende in Fernost Der unbekannte Ökostrom-Riese China

China gilt nicht gerade als Vorreiter in Sachen Umwelt- und Klimaschutz. Dabei erleben die erneuerbaren Energien im Reich der Mitte gerade einen unglaublichen Boom. Mehr

12.09.2014, 13:51 Uhr | Wirtschaft
Ein Instrument für die Energiewende

Virtuelle Kraftwerke gelten als große Hoffnung der deutschen Energiewende. Das Prinzip: viele kleine Stromerzeuger wie Solarkraftwerke, Windräder oder Biogasanlagen werden rechnerisch verbunden zu einem großen. Zusammen haben sie dann die Kapazität eines kleinen Atomkraftwerkes. Und damit auch Marktmacht. Mehr

28.03.2014, 12:38 Uhr | Technik-Motor
Leitungsbau Noch 50 Milliarden Euro für das Stromnetz?

Der Bundeswirtschaftsminister hat rechnen lassen. Die Zahlen haben es in sich: Auf die Verbraucher kommen für den Leitungsbau Preisaufschläge von bis zu zwanzig Prozent zu. Mehr

23.09.2014, 06:59 Uhr | Wirtschaft
Was Sie über die Energiewende wissen müssen

Viele Bürger haben völlig den Faden verloren in der Debatte um die Energiewende. Warum ist die Lage so verfahren?  FAZ.NET erklärt alles noch einmal von Anfang an.  Mehr

01.04.2014, 23:33 Uhr | Wirtschaft
Neue Studie Die Energiewende braucht keine Stromspeicher

Um Energie aus Wind und Sonne zu horten, setzt die Bundesregierung auf Stromspeicher. Aber werden die wirklich gebraucht? Eine neue Untersuchung zieht das erstmals in Zweifel. Mehr

14.09.2014, 19:26 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 20.12.2012, 12:10 Uhr