Home
http://www.faz.net/-h7u-750o6
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Harte Bretter Autonome Republik Fußball

Die Profi-Fußballvereine sind kommerzielle Großveranstalter, die Woche für Woche in einem Maße die Polizei in Anspruch nehmen, dass man meinen könnte, Gorleben sei überall.

© dpa Vergrößern

Die Drohungen der Länder, die Vereine des deutschen Profifußballs an den Aufwendungen für Polizeieinsätze zu beteiligen, müssten „ein für alle Mal vom Tisch sein“. Wer spricht da? Kaiser Franz? König Fußball? Die Autonome Republik der Ultras? Oder doch nur Reinhard Rauball, der Präsident der Deutschen Fußball Liga? Rauball begründete sein Machtwort damit, dass sich die 36 Profivereine auf ein neues Sicherheitskonzept geeinigt hätten.

Jasper von Altenbockum Folgen:  

Das hatten Bund und Länder von ihnen verlangt, nachdem es trotz großer Sicherheitsvorkehrungen nicht gelungen war, gewalttätige Fans immer und überall in Schach zu halten. Seither taten Vereine und die Fanclubs der Ultras so, als stelle sie die Politik vor eine unzumutbare Zerreißprobe, ganz so, als seien sie die sozialen Balletteusen im Land und die Innenminister der Länder und des Bundes so etwas wie die tumben Torpfosten.

Doch von „Augenhöhe“ zwischen Politik und Fußball kann nicht die Rede sein. Die Profi-Fußballvereine sind kommerzielle Großveranstalter, die Woche für Woche in einem Maße die Kräfte der Polizei in Anspruch nehmen, dass man meinen könnte, Gorleben sei überall.

Sind die Innenminister der Länder dazu da, einfach zu liefern und ansonsten brave Fans zu sein?

Innenminister Jäger (SPD) aus Nordrhein-Westfalen gab bekannt, dass die Bereitschaftspolizeien der Länder mittlerweile bis zu einem Drittel ihrer Arbeitszeit vor den Stadien der Republik verbringen. Die Empörung der Fanclubs, es werde maßlos übertrieben, wo es doch eigentlich gar kein Sicherheitsproblem gebe, ist angesichts dieses Aufwands scheinheilig.

Mehr zum Thema

Bund und Länder scheuen sich seit Jahren, die Vereine stärker an den Kosten der Einsätze zu beteiligen. Warum nicht auch die Ultras, für die ein Großteil des Aufwands getrieben wird? Wenn die Innenminister wollten, könnten sie es, selbst wenn es das Totschlagargument „Oktoberfest“ gibt - das nicht Woche für Woche, sondern nur ein Mal im Jahr stattfindet. Die Vereine müssten dann sehr schnell erkennen, dass es einen Preis für die Stimmung im Stadion und das Engagement der Ultra-Fans gibt: Sie müssten sich stärker um ihre „Schmuddelkinder“ (Sigmar Gabriel) kümmern als jetzt.

Und die Ultras müssten endlich erkennen, dass sie nicht die Heiligen der Kurve sind. Aus der Fankultur - und Fan-Unkultur - der Ultras droht ansonsten ein Sektierertum zu werden, das so tut, als sei es eine Zumutung, gewissen zivilisatorischen Regeln zu gehorchen. Es soll Jugendliche geben, die das können. Und Erwachsene, die dafür Steuern zahlen. Nichts sollte deshalb einfach „vom Tisch“.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Kampf gegen Terrorverdächtige Ersatzausweise sollen Dschihadisten stoppen

Seit Wochen diskutieren Innenminister und Sicherheitsfachleute darüber, wie deutsche Dschihadisten an der Ausreise nach Syrien oder in den Irak gehindert werden können. Nun sind erste Lösungen in Sicht. Mehr Von Majid Sattar, Berlin

17.10.2014, 16:47 Uhr | Politik
Polizei setzt Schlagstöcke gegen Demonstranten ein

In der Metro von São Paulo sind Polizisten und Streikteilnehmer aneinandergeraten - nur eine Woche vor Beginn der Fußball-WM. Die Lage in Brasilien bleibt angespannt. Mehr

07.06.2014, 11:41 Uhr | Sport
Radioaktiver Abfall RWE klagt gegen Schließung von Gorleben

Das Endlagersuchgesetz des Bundes sieht vor, dass keine Castor-Behälter mit wiederaufbereitetem Atommüll aus Frankreich oder Großbritannien mehr nach Gorleben gebracht werden. Der Energiekonzern RWE hofft auf Entschädigung. Mehr

17.10.2014, 18:43 Uhr | Wirtschaft
Tumulte bei Massenprotesten in Brasilien einen Monat vor WM

In São Paulo kam es zu schweren Krawallen, in Recife nutzten Plünderer einen dreitägigen Streik der Polizei und plünderten Läden. In etwa einem Monat beginnen in Brasilien die Fußballweltmeisterschaften Mehr

16.05.2014, 08:58 Uhr | Politik
Fußball-Bundesliga Bahn streicht alle Sonderzüge

Wie kommen die Fans an diesem Wochenende ins Stadion? Sonderzüge werden aufgrund des Streiks der Lokomotivführer nicht fahren. Die An- und Abreise der Fans zu den Stadien kann durch die DB nicht sichergestellt werden. Mehr

17.10.2014, 14:01 Uhr | Sport
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 14.12.2012, 08:42 Uhr