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Veröffentlicht: 18.10.2012, 11:08 Uhr

Harte Bretter Alter Schwede!

Zum Coup der schwedischen Fußballer gegen die deutsche Nationalmannschaft möchte man sagen: Alter Schwede! Die Redewendung meint viel mehr, als was sie sagt.

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© dpa Portal des historischen Gasthauses „Alter Schwede“ in Wismar

Was auch immer Zlatan „Ibra“ Ibrahimovic, der Kapitän der schwedischen Fußballer mit bosnischen Wurzeln, am Dienstagabend in der Halbzeitpause seiner Mannschaft gepredigt haben mag: Larsson, Lustig & Co. muss die Brandrede ähnlich in Ohren und Beinen geklungen haben wie der Drill, den der Große Kurfürst mit schwedischer Hilfe in die Truppe nach Preußen holte. So soll der Spruch „Alter Schwede!“ nach Deutschland gekommen sein, denn die Unterstützung, die der Preuße nach dem Dreißigjährigen Krieg aus dem Norden anheuerte, um sich im europäischen Konzert der Mächte endlich für die Weltmeisterschaft zu qualifizieren, bestand zumeist aus „alten“ schwedischen Unteroffizieren.

Jasper von Altenbockum Folgen:

Es war Heinrich von Treitschke, der preußisch orientierte Historiker mit meist protestantisch-nationalpolitischen Hintergedanken, der diese Version in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Umlauf brachte. Auch bei der Deutung oder Erfindung des neuen „alten Schweden“ dürften weniger schwedisch-deutsche Tatsachen, sondern preußisch-politische Geschichten eine Rolle gespielt haben, also zum Beispiel die Ostsee-Treue zwischen protestantischem Preußen und protestantischem Schweden. Der „alte Schwede“ hatte jedenfalls seit Treitschke einen wesentlich sympathischeren Klang als alles, was bis dato von den Schweden in Redewendungen überliefert war, seit sie im Dreißigjährigen Krieg folternd, mordend und plündernd durch deutsche Lande zogen („Schwedenpunsch“).

Die Schweden hatten lange an diesem Erbe Gustav Adolfs zu tragen, bis sie aus der Not heraus auf den Gedanken kamen, das ganze Gegenteil zu kultivieren. Aus einer gescheiterten protestantischen Militärmacht wurde eine erfolgreiche sozialistische Friedensmacht, das soziale Volksheim, das fürsorgliche Preußen des Nordens, in dem der in alle Weltgegenden ausgreifende Ehrgeiz allenfalls im Sport überleben durfte - oder in der Entwicklungshilfe oder in der Pop-Musik.

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Auch deshalb hat sich der „alte Schwede“ - die Schweden selbst kennen ihn gar nicht - längst zu einem entmilitarisierten Zeitgenossen verwandelt, der es faustdick hinter den Ohren hat. Selbst ein traditionsreiches Auto (Volvo) kann heutzutage nach ihm benannt werden. Dagegen verblassen Redensarten, die den „alten Schweden“ für Überbleibsel aus der Eiszeit Europas halten und Findlinge (wie in Hamburg) nach ihm taufen, die früher einmal alles waren, was die Schweden auf dem Kontinent heil gelassen hatten („Das hat der Schwede liegen gelassen“).

Ibrahimovic wusste also, wie er seine Schweden drillen musste. Wer heute „alter Schwede“ sagt, meint im guten Sinne einen Schlawiner, einen Lausbub, einen Kumpel, kombiniert vielleicht mit einer Portion Anerkennung im Sinne von: potztausend! Oder mit anderen Worten: den Spieler, der aus der Tiefe des Raumes kommt und das Unmögliche doch noch möglich macht. Dafür braucht er dann nicht viel mehr als dreißig Minuten.

Quelle: F.A.Z.

 

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