Solange es ein Bürgertum gab, das wusste, warum das Bürgerliche der Maßstab aller Dinge ist, wollten die Grünen nichts mit ihm zu tun haben. Ganz im Gegenteil: Ohne den mitunter militanten Widerstand gegen alles Bürgerliche ist ihr Aufstieg nicht zu erklären.
Just aber in dem Augenblick, in dem das Bürgertum eine aussterbende Art ist, wollen die Grünen nun aber auch bürgerlich sein. Sie verbrämen das gerne damit, dass doch bürgerlich sein müsse, wer Bürger dieser Gesellschaft ist. Oder in den Worten Winfried Kretschmanns: Sind wir nicht alle irgendwie bürgerlich? („Bürger sind wir alle hoffentlich. Das bürgerliche Lager besteht aus der ganzen Bürgerschaft.“)
Ein gewisses Misstrauen gegenüber dieser Gesellschaft scheint aber immer noch durch, wenn die Grünen von der „Zivilgesellschaft“ träumen, die früher einfach „bürgerliche Gesellschaft“ genannt wurde. Deren Vision war einmal die Verbürgerlichung einer ständisch organisierten Klassengesellschaft. Ist es schon so weit? Sind wir nicht alle irgendwie grün?
Es wäre den Altbürgern allerdings nie eingefallen, von Maßstäben wie einer leistungsorientierten Bildung abzulassen. Das Verbot der „Abschulung“ zum Beispiel, wie sie jetzt in Baden-Württemberg im Gespräch ist, also das Verbot, Schüler vom Gymnasium weg zu versetzen, wäre ihnen ein Greuel gewesen. Doch so sind die Grünen: bürgerlich, aber nur in einer abgebürgerten Gesellschaft.
Nein, sind wir nicht!
Dr. Christian Jäger (Jaeger500)
- 24.10.2012, 16:38 Uhr
Na, na, na...
Leonhard Schmidt (LEONSCHMIDT)
- 24.10.2012, 16:04 Uhr
Joschka Fischer brachte es auf den Punkt
alois schneider (formal)
- 24.10.2012, 00:15 Uhr