Home
http://www.faz.net/-gpf-oj0o
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Hamburger Terroralarm „Deutschland ist kein Ruheraum mehr“

Nach dem Terroralarm von Hamburg haben mehrere Bundesländer ihre Sicherheitsvorkehrungen erhöht. Während das Bundeswehr-Krankenhaus abgeriegelt bleibt, verteidigt Hamburgs Innensenator Nockemann seine Strategie.

© dpa/dpaweb Vergrößern Das Hamburger Krankenhaus bleibt streng bewacht

Nach den angeblichen Anschlagsdrohungen gegen das Bundeswehrkrankenhaus in Hamburg bleibt das Gelände um das Hospital vorerst abgesperrt. Wie ein Polizeisprecher am Mittwoch in Hamburg mitteilte, ist die Lage unverändert. Im Umfeld des Krankenhauses im Stadtteil Wandsbek sei bisher nichts Verdächtiges und auch kein Sprengstoff gefunden worden. Auch Festnahmen habe es nicht gegeben. Weiterhin würden Fahrzeuge und Menschen in der Umgebung des Hospitals kontrolliert. Islamistische Terroristen sollen einen Anschlag auf das Krankenhaus geplant haben.

Nockemann in der Defensive

Der Hamburger Innensenator Dirk Nockemann (Partei Rechtsstaatliche Offensive) sagte, das Krankenhaus bleibe noch zwei bis drei Tage abgeriegelt. Er verteidigte sich gegen die Kritik von Bundesinnenminister Otto Schily (SPD). Er habe die Entscheidung zur Veröffentlichung der Bedrohung „nicht am grünen Tisch“ getroffen, sagte Nockemann. Vielmehr habe er sich von Mitarbeitern des Verfassungsschutzes und von Terrorismus-Experten beraten lassen. Es gebe nach wie vor eine „außergewöhnliche Lage“, betonte Nockemann. Schily hatte die Bekanntgabe von ungesicherten Terror-Hinweisen am Dienstag abend scharf kritisiert.

Hamburger Krankenhaus, Kontrolle © dpa/dpaweb Vergrößern Wer rein will, muß sich kontrollieren lassen

Zuvor war bekannt geworden, daß islamistische Terroristen nach Behördenangaben für Anfang 2004 Selbstmordanschläge mit Autobomben in Hamburg und im Großraum Frankfurt/Main geplant haben sollen. Ziele der Gruppe Ansar al Islam waren nach Darstellung von Nockemann das Bundeswehrkrankenhaus in Hamburg und der amerikanische Militärflughafen Rhein-Main. Den Tip habe ein amerikanischer Geheimdienst gegeben.

Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) sagte am Dienstag abend, es lägen „ungesicherte“ Hinweise vor, deren abschließende Bewertung noch nicht möglich sei. In Hamburg wurde zunächst kein Sprengstoff gefunden. Das amerikanische Militär teilte mit, gegen den militärischen Teil des Frankfurter Flughafens gebe es keine aktuelle Terrordrohung.

In eigener Verantwortung Sicherheit verstärkt

Der Hamburger Verfassungsschutz erklärte, für einen Anschlag in der Hansestadt sollten bereits mehrere Islamisten eingereist sein. Im Warnhinweis der amerikanischen Behörden seien die Namen von zwei mutmaßlichen Selbstmordattentätern genannt, sagte der Hamburger Verfassungsschutzchef Heino Vahldiek. Es werde jetzt versucht, sie zu identifizieren. Bei dem amerikanischen Nachrichtendienst soll es sich um die CIA handeln.

Schily teilte in Berlin mit, es lägen Hinweise auf geplante Anschläge auf amerikanische Militäreinrichtungen in Deutschland und das Hamburger Bundeswehrkrankenhaus vor. „Zu bedauern ist, daß die Hinweise vorzeitig in die Öffentlichkeit gelangt sind, weil dadurch deren erfolgreiche Abklärung erschwert wird.“ Die Hamburger Innenbehörde habe in eigener Verantwortung die Sicherheitsmaßnahmen im Bereich des Krankenhauses verstärkt. Die Sicherheitsbehörden gingen den Hinweisen wie stets mit aller gebotenen Intensität nach.

Großeinsatz der Polizei

Nach dem Hinweis hatte die Hamburger Polizei am Nachmittag einen Großeinsatz ausgelöst, das Krankenhaus mit gepanzerten Fahrzeugen gesichert und mehrere Straßen abgesperrt. Das Gebäude sollte bis auf weiteres mit rund 100 Beamten gesichert werden. Der Krankenhausbetrieb ging während der Aktion weiter.

Im Hamburger Bundeswehrkrankenhaus werden gegenwärtig keine amerikanischen Soldaten behandelt, sagte eine Polizeisprecherin. Es sei aber möglich, daß dort amerikanische Soldaten behandelt worden seien, die im Irak im Einsatz waren. Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe gab keine Stellungnahme ab, eben so wenig das Verteidigungsministerium.

Ansar al Islam unter Verdacht

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Hinweise auf Anschlagspläne Bahnhöfe und Pegida im Visier der Terroristen

Den Sicherheitsbehörden sollen Hinweise auf islamistische Anschläge in Deutschland vorliegen. Mögliche Ziele: Die Bahnhöfe Berlin und Dresden sowie die Pegida-Demonstrationen. Das Innenministerium warnt vor Panik. Mehr

16.01.2015, 20:00 Uhr | Politik
Sharia4Belgium Prozess gegen islamistische Terroristen

Unter strikten Sicherheitsvorkehrungen wird der mutmaßlichen Terrorvereinigung Sharia4Belgium in Antwerpen der Prozess gemacht. Die Gruppe soll Jugendliche nach Syrien geschickt haben. 45 Mitglieder sind angeklagt. Mehr

30.10.2014, 15:53 Uhr | Politik
Belgien Dschihadisten mit Kriegsgerät

Die belgische Polizei will mit ihrem Anti-Terror-Einsatz unmittelbar bevorstehende Anschläge verhindert haben. Doch die Gefahr ist nicht gebannt: Im Vergleich zu anderen EU-Ländern ist die Islamisten-Szene in Belgien besonders stark. Mehr Von Michael Stabenow, Brüssel

16.01.2015, 16:08 Uhr | Politik
Nach Anschlägen Merkel: Islam gehört zu Deutschland

Nach den Debatten um die Hintergründe der Anschläge von Paris hat Bundeskanzlerin Angela Merkel Stellung bezogen: Der Islam gehört zu Deutschland. Mehr

12.01.2015, 17:13 Uhr | Politik
Frankreich Geiselnehmer in Postamt bei Paris ergibt sich

Die Geiselnahme in einem Postamt in Colombes ist Medienberichten zufolge beendet. Der Mann soll sich ergeben haben. Hinweise auf einen Zusammenhang zu den islamistischen Anschlägen der vergangenen Woche gibt es nicht. Mehr

16.01.2015, 13:31 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 01.01.2004, 12:08 Uhr

Woher kommen wir?

Von Reinhard Müller

Der Bundesgerichtshof hat das Recht der Kinder, zu wissen, wer ihre leiblichen Eltern sind, gestärkt. Eine wichtige Entscheidung. Denn auf dem Spiel steht noch viel mehr: Familie und Kultur. Mehr 14 23

Parlamentswahl in Griechenland

Stimmenanteile in %

Syriza
ND
Potami
XA
Pasok
KKE
Anel
Kinima
i
Quelle: Griechisches Innenministerium
Syriza
ND
Potami
XA
Pasok
KKE
Anel
Kinima
Bündnis der radikalen Linken
Nea Dimokratia (Konservative)
Der Fluss (pro-europäische Partei)
Goldenen Morgenröte (ultrarechts)
Panhellenische Sozialistische Bewegung
Kommunistische Partei Griechenlands
Anel (rechtspopulistisch)
Kinima (mitte-links)
Sperrklausel für den Einzug ins Parlament: 3%