05.03.2007 · Die krisengeschüttelte Hamburger SPD hatte alle Hoffnungen in Henning Voscherau als Spitzenkandidaten für die Bürgerschaftswahl im Jahr 2008 gesetzt. Doch nun hat der ehemalige Bürgermeister seinen Verzicht verkündet.
Der ehemalige Hamburger Bürgermeister Henning Voscherau wird nicht als Spitzenkandidat für die Hamburger SPD in den Bürgerschaftswahlkampf 2008 ziehen. „Es fehlten die politischen und familiären Voraussetzungen“, ließ Voscherau über den amtierenden SPD-Landesvorsitzenden Mathias Petersen mitteilen.
Zuvor hieß es noch, Voscherau solle möglicherweise Spitzenkandidat für die Bürgerschaftswahl im nächsten Jahr werden. Nachdem sich am Wochenende alle sieben Kreisvorsitzenden für ihn ausgesprochen hatten, hatte es weitere Gespräche mit ihm gegeben und die Aufforderung der Parteispitze, sich noch am Montag endgültig zu erklären.
Voscherau hatte am Wochenende prinzipiell sein Interesse bekundet, wollte aber noch seine Familie fragen, wie sie zu seiner Rückkehr in die Politik stünde. Voscherau hatte eigentlich schon im vergangenen Jahr seinen Verzicht auf eine solche Kandidatur und seinen endgültigen Abschied aus der Politik erklärt.
„Karren steckt tief im Dreck“
Nachdem es im Kampf um die Spitzenkandidatur zu einer Spaltung der Partei in Anhänger des Landesvorsitzenden Mathias Petersen und dessen Gegenspielerin Dorothee Stapelfeldt gekommen war und zudem bei einer Mitgliederbefragung über die Spitzenkandidatur vor einer Woche tausend Wahlstimmen aus der Urne heraus gestohlen worden waren, geriet die Partei in die tiefste Krise ihrer Geschichte.
Anscheinend sind alle Versuche gescheitert, einen jüngeren Kandidaten in Hamburg selbst oder außerhalb zu finden, der den CDU-Bürgermeister Ole von Beust herausfordern könnte. Deshalb hingen spätestens seit dem Wochenende alle Hoffnungen an Voscherau, zumal sich dieser auch in einer Erklärung an die Öffentlichkeit gewandt hatte, in der es unter anderem über die Partei hieß, der Karren stecke tief im Dreck.
„Ohne Voscherau geht es nicht“
Nachdem sich die Parteiführung geschlossen für Voscherau ausgesprochen hatte, hatte auch der Landesvorsitzende Mathias Petersen angekündigt, nicht mehr kandidieren zu wollen. Frau Stapelfeldt hatte eine solche Erklärung bereits in der vergangenen Woche abgegeben. Dass die Kandidaten so handeln sollten, war Teil eines Kompromisses auf einer Landesvorstandssitzung gewesen, die mit dem Rücktritt der gesamten Parteiführung geendet hatte.
Voscherau war von 1988 bis 1997 als Nachfolger von Klaus von Dohnanyi Bürgermeister der Hansestadt und zuvor SPD-Fraktionsvorsitzender in der Bürgerschaft. Der noch amtierende Landesvorsitzende Petersen hatte noch vor Voscheraus Verzicht auf die Kandidatur gesagt: „Sollte Henning Voscherau nein sagen, weiß ich auch nicht mehr weiter.“ Der Bürgerschaftsabgeordnete Ingo Egloff gilt derzeit als Favorit für den Posten des Landesvorsitzenden. Spitzenkandidat und neuer Landesvorstand sollen am 24. März gewählt werden.
Henning Voscherau
Karl-Heinz Andresen (khaproperty)
- 05.03.2007, 19:21 Uhr
Henning Voscherau
Jan Ribbeck (janribbeck)
- 06.03.2007, 12:29 Uhr