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Hamburg : Kurden und Salafisten liefern sich Straßenschlacht

Eine Polizistin stellt nach den Ausschreitungen in Hamburg Waffen sicher Bild: dpa

Hunderte Kurden sind in der Nacht in Hamburg mit radikalen Muslimen zusammengestoßen. Angreifer tragen Metallstangen und Macheten, die Polizei muss Wasserwerfer einsetzen. Auch im niedersächsischen Celle kommt es wieder zu Ausschreitungen.

          Die Auseinandersetzung zwischen Kurden und radikalen Muslimen wird nun auch auf deutschen Straßen ausgetragen. In der Nacht zu Mittwoch kam es im Hamburger Stadtteil St. Georg und Georg und im niedersächsischen Celle zu schweren gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen beiden Gruppen. Zudem berichteten türkischstämmige Bürger, dass sie angegriffen worden seien. Das Fenster eines Restaurants wurde eingeschlagen, mehrere Autos demoliert. Bei den radikalen Muslimen handelte es sich nach Erkenntnissen der Polizei vermutlich um Salafisten.

          Frank Pergande

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          In Hamburg wurden mindestens acht Menschen verletzt. Zwei Dutzend wurden zunächst festgenommen. Zunächst hatten etwa fünfhundert Kurden in der Hamburger Innenstadt demonstriert und Solidarität mit dem von der Terrormiliz „Islamischer Staat“ bedrängten syrisch-türkischen Grenzstadt Kobane gefordert. Etwa 80 Kurden blockierten für mehrere den Hauptbahnhof und besetzten für mehrere Stunden die Gleise, so dass es zu erheblichen Verspätungen kam. Augenzeugen berichteten, dass einige der Kurden Fahnen schwenkten, auf denen Abdullah Öcalan abgebildet war, der inhaftierte Führer der in der Türkei verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK.

          In St. Georg, dem Viertel hinter dem Hamburger Bahnhof, hatten die Auseinandersetzungen begonnen, als sich etwa 80 Kurden in der Nähe einer Moschee sammelten. Die Gruppe wuchs rasch auf vierhundert Leute an. Denen stellten sich etwa gleichviel „radikale Muslime“ entgegen. Beide Gruppen gingen ausgesprochen gewalttätig mit Metallstangen, Holzlatten, Messern und Macheten aufeinander los. Ein Mann erlitt Stichverletzungen.

          Die Polizei wurde mit Steine beworfen. Die Polizei setzte drei Wasserwerfern gegen die Demonstranten ein und versuchte so, die Gruppen zu trennen. Gegen Mitternacht räumte die Polizei endgültig den Steindamm, ein ohnehin sensibles Gebiet. Hier ist der deutsch-kurdische Kulturverein ansässig, der als Tarnorganisation der PKK gilt. Hier gibt es verschiedene Moscheen.

          Polizisten gehen gegen demonstrierende Kurden vor, die in eine Straßenschlacht mit gewalttätigen Salafisten verwickelt gewesen sein sollen. Bilderstrecke
          Polizisten gehen gegen demonstrierende Kurden vor, die in eine Straßenschlacht mit gewalttätigen Salafisten verwickelt gewesen sein sollen. :

          Die „Moschee am Steindamm“ war von den Behörden schon vor Jahren geschlossen worden, weil sie als Anlaufpunkt für islamistische Terroristen galt. So hatten einige der späteren Attentäter 11. September 2001 hier verkehrt. Erst weit nach Mitternacht beruhigte sich die Lage. Die Polizei teilte mit, ihr Einsatz habe bis 5 Uhr gedauert. Schon am Montag hatten Kurden bei einer nicht genehmigten Demonstration sich vor dem Hamburger Rathaus versammelt.

          Polizei mit Dachlatten angegriffen

          In der Kleinstadt Celle gingen aus bisher nicht geklärter Ursache Muslime und Yeziden, deren Familien aus dem Nordirak geflohen sind, plötzlich aufeinander los und griffen sich mit Faustschlägen und Fußtritten an. An diesen Auseinandersetzungen sollen hunderte Personen beteiligt gewesen sein. Die Polizei wurde von Anwohnern alarmiert und rückte mit etwa 70 Mann an. In Celle war die Situation schnell wieder beruhigt. Die Polizei habe aber Sperren errichten müssen und sei zunächst mit Dachlatten, Flaschen und Steinen angegriffen worden. Die Beamte hätten Pfefferspray und Schlagstöcke eingesetzt, um die Gruppen auseinanderzubringen.

          Aufrufe radikaler Islamisten haben den Konflikt zwischen Yeziden und muslimischen Tschetschenen in Celle nach Angaben der Stadt befeuert. Über soziale Medien habe unter anderem der Prediger Pierre Vogel dazu aufgerufen, den Muslimen zur Hilfe zu eilen, teilte eine Sprecherin der Stadt Celle am Mittwoch mit.

          Auslöser der Auseinandersetzungen am Montag- und Dienstagabend
          zwischen Hunderten Anhängern beider Lager sei zunächst ein banaler
          Streit zwischen jungen Leuten gewesen. Dies sagte auch der Vertreter
          des yezidischen Zentrums in Celle, Pashin Ipek, der dpa. Die aufgeheizte Lage wegen des Vorrückens der Terrorgruppe „Islamischer Staat“ in Syrien habe den Konflikt dann weiter verschärft.


          Bereits am Vortag war es im Celler Ortsteil Neuenhäusen zu einer Massenschlägerei zwischen Yeziden und offensichlich aus Tschetschenien stammenden Muslimen gekommen. Daran waren etwa 100 Menschen beteiligt.

          Quelle: FAZ.NET/dpa

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