Home
http://www.faz.net/-gpf-75hik
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Hamas und Fatah Gemeinsam feiern, getrennt marschieren

Die Hamas gestattet der Fatah, die zentrale Feier zu ihrem 48. Gründungsjubiläum in Gaza abzuhalten. Aber die beiden palästinensischen Organisationen haben weiter unterschiedliche Strategien gegenüber Israel.

© Reuters Palästinensische Fatah-Anhänger feiern das 48. Gründungsjubiläum der Organisation

Erst wird gebetet, dann gefeiert. Nicht im Westjordanland, sondern mitten in Gaza-Stadt darf die Fatah-Organisation an diesem Freitag den 48. Jahrestag ihrer Gründung begehen. Zum ersten Mal seit fünf Jahren gestatteten die regierenden Islamisten von der Hamas ihren säkularen Rivalen, nach dem Freitagsgebet eine Großkundgebung auf dem zentralen Saraja-Platz abzuhalten. Im Jahr 2007 hatte die Hamas die Fatah gewaltsam aus dem Gazastreifen vertrieben: Jetzt wollen beide Organisationen gemeinsam feierlich der Fatah-Gründung gedenken; auch Hamas-Politiker wollen teilnehmen.

Hans-Christian Rößler Folgen:

Seit dem Ende der militärischen Konfrontation mit Israel im November gehen Hamas und Fatah wieder aufeinander zu. Ministerpräsident Ismail Hanija lud damals schon den Fatah-Führer Nabil Schaath ein, um mit der Hamas in Gaza-Stadt den „Sieg“ über Israel zu feiern. An diesem Freitag ist Schaath wieder der ranghöchste Fatah-Vertreter in Gaza. Nach Ansicht palästinensischer Beobachter revanchiert sich die Hamas damit bei der Fatah: Im Dezember erlaubte die von Abbas geführte Autonomiebehörde der Hamas im Westjordanland, in mehreren Städten der Gründung der islamistischen Organisation vor 25 Jahren zu gedenken - es waren die ersten öffentlichen Hamas-Veranstaltungen in Nablus, Hebron und Ramallah seit fünf Jahren.

„Moderne palästinensische Revolution“

„Die moderne palästinensische Revolution“ lautet das Motto der Feier in Gaza, auf das sich Fatah und Hamas geeinigt haben. Delegationen aus Ägypten und Algerien werden erwartet. Zudem sollen mehr als 30 Künstler auftreten. „Versöhnung muss mehr sein als Feierstunden und Verhandlungen“, sagte zuvor mahnend Fatah-Führer Schaath der palästinensischen Nachrichtenagentur Maan: Es sei höchste Zeit, die beiden 2011 und 2012 von beiden Palästinensergruppen unterzeichneten Versöhnungsabkommen endlich in die Tat umzusetzen. Sie sehen vor, eine gemeinsame Übergangsregierung zu bilden und bald Parlaments- und Präsidentenwahlen im Gazastreifen sowie im Westjordanland abzuhalten.

Obwohl sie ausgiebig miteinander feiern, finden die Palästinenser aber weiterhin nicht aus eigener Kraft zusammen. Für nächste Woche hat der ägyptische Präsident Muhammad Mursi nun den Fatah-Chef und palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas und die Hamas-Führung zu neuen Gesprächen nach Kairo eingeladen. Seit Jahren versucht Ägypten, zwischen den zerstrittenen Palästinensern zu vermitteln. Zuletzt spielte Mursi eine wichtige Rolle bei der Waffenruhe, die die jüngste Gewalt im Gazastreifen beendete. Die innenpolitischen Konflikte um die neue ägyptische Verfassung ließen dem ägyptischen Staatschef jedoch bisher keine Zeit mehr, um zu helfen, die Palästinenser auszusöhnen. Das ist nicht einfacher geworden, denn beide Gruppen treten selbstbewusster auf: Die Hamas sieht sich durch den militärischen Konflikt mit Israel gestärkt. Abbas, der nicht zur Feier in Gaza erwartet wurde, verweist hingegen darauf die Aufwertung Palästinas durch die UN-Vollversammlung zu einem Beobachterstaat erreicht zu haben.

Mideast Israel Palestinians © dapd Vergrößern Auch in Gaza: Feiern zum 48. Jubiläum der Fatah

Eine Ende Dezember veröffentlichte Umfrage erweckt jedoch den Eindruck, dass die Islamisten politisch am stärksten von den vergangenen Wochen profitieren konnten: 81 Prozent der vom Institut des Meinungsforschers Khalil Schikaki befragten Palästinenser sehen die Hamas als Sieger der bewaffneten Auseinandersetzung mit Israel. Diese gewaltsame Strategie der Islamisten halten mittlerweile sechzig Prozent für den besseren Weg, um die israelische Besatzung zu beenden und einen eigenen Staat zu gründen. Gleichzeitig nahm die Popularität der Hamas im Vergleich zur Fatah um sieben Prozent zu. In Präsidentenwahlen würde Hamas-Ministerpräsident Ismail Hanija Abbas mit 48 Prozent knapp schlagen, wie die von Schikaki gemeinsam mit der Hebräischen Universität in Jerusalem erstellte Befragung zeigte.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
IS auf dem Sinai Der Kampf kommt näher

Mit Drohnen beobachtet Israel die Kämpfe der Ägypter gegen den Islamischen Staat auf dem Sinai. Ministerpräsident Netanjahu warnt: Der IS steht an unseren Toren. Mehr Von Hans-Christian Rößler, Jerusalem

02.07.2015, 20:25 Uhr | Politik
Küste von Gaza Palästinenser bauen Boot aus hunderten Plastikflaschen

Auf der Suche nach einem Zeitvertreib haben sich fünf junge Palästinenser im von Israel abgeriegelten Gazastreifen mit gebrauchten Plastikflaschen etwas mehr Freiheit verschafft: Aus fast tausend grünen Flaschen haben sich die Männer ein vier Meter langes Boot gebaut, das vor der Küste von Gaza nun DIE Attraktion ist. Mehr

22.06.2015, 15:59 Uhr | Gesellschaft
Gaza-Konflikt UN-Bericht wirft beiden Seiten Rechtsbruch vor

Die Vereinten Nationen haben ihren Bericht über den Gaza-Krieg vorgestellt. Sowohl Israel als auch die Palästinenser haben demnach gegen das humanitäre Völkerrecht verstoßen. Mehr

22.06.2015, 15:15 Uhr | Politik
Islamischer Staat Palästinenser auf der Flucht vor Islamisten in Syrien

Hunderte palästinensische Flüchtlinge sind aus dem weitgehend von der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) kontrollierten Flüchtlingslager Jarmuk in Syrien geflohen. Der UN-Sicherheitsrat zeigte sich besorgt über die Lage der 18.000 Menschen im Süden der Hauptstadt Damaskus. Mehr

07.04.2015, 15:29 Uhr | Gesellschaft
Nahost-Konflikt Israels Armee fängt Schiff mit Aktivisten ab

Soldaten haben ein Schiff der Gaza-Flotte geentert und in einen Hafen eskortiert. Das Schiff ist Teil einer Aktion, an der sich auch ein deutscher Journalist sowie ein europäischer Abgeordneter beteiligen. Mehr

29.06.2015, 07:11 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 03.01.2013, 22:04 Uhr

Schicksalstag

Von Klaus-Dieter Frankenberger

Griechenland braucht eine Regierung, die den Ernst der Lage erkennt; die einsieht, wie dringend der Staat modernisiert werden muss. Ob das in der Eurozone oder außerhalb der Fall sein wird, das wird sich zeigen. Mehr 7