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Hamas und Al Qaida Keine Partner für die islamische Weltrevolution

21.12.2006 ·  Viel haben die islamistische Hamas und das Terrornetz Al Qaida nicht miteinander gemein. Es trennt sie eine unterschiedliche Ideologie. Nur eines teilen sie: Gegenseitig schätzen sie sich nicht.

Von Jörg Bremer, Jerusalem
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Viel haben die islamistische Hamas und das Terrornetz Al Qaida nicht miteinander gemeinsam. So werden Ministerpräsident Hanija und seine Gefolgsleute gewiß auch den jüngsten Aufrufen und Ratschlägen des zweiten Mannes in der Terrororganisation, Ayman al Zawahiri, nicht folgen. In einer Videobotschaft hatte Zawahiri gesagt, nur der Dschihad und nicht etwa Wahlen könnten „Palästina befreien“. Weiter kritisierte Zawahiri in der am Mittwoch vom arabischen Fernsehsender Al Dschazira ausgestrahlten Videobotschaft: „Jeder andere Weg wird uns nur zu Verlust und Niederlage führen. Jene, die das Land des Islams durch Wahlen verteidigen wollen, die sich auf laizistischen Verfassungen gründen, werden kein einziges Sandkorn Palästinas befreien.“

Die Hamas sah sich zwar immerhin genötigt, die Kritik öffentlich zurückzuweisen: Mit der Teilnahme an den Wahlen verteidige die Hamas den Widerstand gegen die Besatzung, wurde ein Hamas-Politiker zitiert. „Wir respektieren die Ideologie von Al Qaida, aber der Islam ist eine pluralistische Religion“, sagte ein anderer anonym im israelischen Rundfunk. Schließlich habe die Hamas auch nicht den „Heiligen Krieg“ aufgegeben, sondern zum Beispiel den israelischen Soldaten Schalit entführt. Vereinnahmen lassen will sich die Organisation von den Dschihadisten jedoch nicht. „Wir haben nichts mit den Terroristen von Al Qaida zu tun“, sagte unlängst der jetzige palästinensische Außenminister, Zachar, der F.A.Z..

Dschihad boykottiert weiter die Wahlen

Der Hamas-Politiker hatte früher schon die „wahllosen“ Terroranschläge Al Qaidas in der jordanischen Hauptstadt Amman oder auf dem Sinai verurteilt. Nach den Worten Zachars ist die Hamas eine nationale sunnitische Bewegung, die vor allem das besetzte Land befreien will; wobei im Gegensatz zur Hamas-Charta von 1988 heute offenbar eine Grenze entlang der Waffenstillstandslinie von 1967 mit Israel (Grüne Linie) denkbar ist. Zawahiri ließ indes keinen Zweifel daran, daß eine solche Lösung für Al Qaida nicht in Frage käme. Das ganze Land gehöre den Muslimen, sagte er in seiner Botschaft.

Zawahiri warf der Hamas außerdem vor, durch ihre Teilnahme an der Parlamentswahl vom Januar und die Anerkennung des palästinensischen Präsidenten Abbas den „Heiligen Krieg“ gegen Israel verraten zu haben. „Die Legitimität von Mahmud Abbas zu akzeptieren . . . ist ein Abgrund, der letztlich zum Ende des Dschihads und zur Anerkennung Israels führen wird“, sagt Zawahiri. Abbas sei der „Vertreter der Vereinigten Staaten in Palästina und Beauftragter der PLO, die Israel anerkennt, um mit Israel zu verhandeln“. Die Hamas, ein Kind der fundamentalistischen Muslimbruderschaft, hatte sich mit dieser Entscheidung schwergetan, nachdem sie die ersten palästinensischen Wahlen noch boykottiert hatte. Der Islamische Dschihad dagegen boykottiert weiter die Wahlen und steht - gemessen an unversöhnlicher Haltung und Gewaltbereitschaft - Al Qaida näher.

„Es trennt sie eine unterschiedliche Ideologie“

Die Hamas erscheint auch als eine frommere Bewegung, die die Koranlektüre ernster nimmt - und auch alle „fünf Säulen“ des Islams (Glaubensbekenntnis, Gebet, Almosensteuer, Fasten, Pilgerfahrt nach Mekka). Während Al Qaida nicht viel mehr als Gewalt gegen alles Westliche predigt, engagiert sich etwa die Hamas im Namen Gottes für die sozial Schwachen in den palästinensischen Gebieten. Al Qaida ist auch nicht in der palästinensischen Bevölkerung verwurzelt. Es sei doch „kein Wunder, daß es Al Qaida nicht in den palästinensischen Gebieten gibt; und wenn nur als Versuch des israelischen Sicherheitsdienstes, unsere Reihen zu brechen“, sagt Zahar.

Der frühere Mossad-Chef Halevy glaubt mithin nicht daran, daß sich die Hamas-Politik wegen der Al-Qaida-Kritik ändern werde. Die jüngste Äußerung Zawahiris „zeigt nur, was wir immer schon wußten und woran wir uns erinnern sollten: Hamas und Al Qaida haben nicht dieselben Interessen. Es trennt sie vielmehr eine unterschiedliche Ideologie.“ Ab und an gebe es eine taktische Zusammenarbeit, „aber im Grundsatz ist es die Hamas in den Augen Al Qaidas nicht wert, als Partei im Kampf für die islamische Weltrevolution genannt zu werden“, sagte Halevy im Israelischen Rundfunk.

Quelle: F.A.Z., 21.12.2006, Nr. 297 / Seite 2
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