13.08.2010 · Bildungsgutscheine für Hartz-IV-Empfänger werden schwache Schüler aus anregungsarmen Familien nicht wirklich motivieren. Sie fördern das Missverständnis, dass Bildung sich gleichsam anstrengungslos per Chipkarte einlösen ließe.
Von Heike SchmollBildungsgutscheine für Hartz-IV-Empfänger werden schwache Schüler aus anregungsarmen Familien nicht wirklich motivieren. Sie fördern das Missverständnis, dass Bildung sich gleichsam anstrengungslos per Chipkarte einlösen ließe.
Interesse und Bildungsbereitschaft lassen sich auf diesem Wege gewiss nicht wecken, zumal die Gutscheine in der Modellstadt Stuttgart vor allem in Schwimmbädern und im Zoo eingelöst wurden. Versuche in den Vereinigten Staaten, einkommensschwachen Familien mit Bildungsgutscheinen Nachhilfe und den Besuch einer privaten Highschool zu ermöglichen, haben gezeigt, dass die geförderten Schüler weder ihre Mathematik- noch ihre sonstigen Schulleistungen verbessern konnten.
Abgesehen von allen Schwierigkeiten und Missbrauchsmöglichkeiten mit Lesegeräten, dürften Bildungsscheckkarten auch nur in größeren Städten mit einer guten Infrastruktur einsetzbar sein. Wirkliche Förderung für die Leistungsschwächsten wird es nur an den jeweiligen Schulorten in Zusammenarbeit mit Einrichtungen der Jugendhilfe geben. Dazu bedarf es aber keiner Gutscheine.
Heike Schmoll Jahrgang 1962, politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.
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