20.01.2007 · Er steht kurz vor seinem Ziel: Günther Beckstein kann nun endlich Ministerpräsident von Bayern werden. Schon zweimal hatte sich der ausgewiesene Sicherheitspolitiker darauf vorbereitet, Stoibers Nachfolge anzutreten. Ein Porträt von Georg Paul Hefty.
Von Georg Paul HeftyDen Juristen Günther Beckstein müsste es eigentlich stören, dass ein Gerücht als Tatsache angesehen wird. Da aber dieses Gerücht zu seinen Gunsten ausschlägt, wird er in diesem Fall doch lieber Fünfe gerade sein lassen. Sonst könnte noch jemand auf die Idee kommen, das Gerücht, der bayerische Innenminister Beckstein werde bald Ministerpräsident des Freistaates sein, sei ohne Bindungswirkung.
Der 63 Jahre alte Nürnberger brennt aber darauf, Regierungschef zu werden. Schon zweimal hat ihm nach seiner Rechnung das Politikerschicksal böse mitgespielt; erst 2002, als der CSU-Kanzlerkandidat Stoiber nicht Kanzler, und drei Jahre später, als Stoiber nicht Bundeswirtschaftsminister wurde. Das zweite Mal war es für ihn besonders schmerzlich, denn Stoiber setzte ihn weder als Bundesinnenminister durch, obwohl Beckstein im Wahlkampf als Anwärter auf dieses Ressort in der Bundesregierung gesetzt worden war, noch entschädigte Stoiber ihn dafür, indem er den Stuhl des Ministerpräsidenten freigegeben hätte.
Der Nürnberger Königsmacher
Becksteins stets glimmender und bisweilen brennender Anspruch auf das Königsamt in Bayern rührt nicht aus einer etwaigen Unzufriedenheit mit einem einfachen Ministeramt, sondern wohl aus der Tatsache, dass der Nürnberger CSU-Bezirkschef der eigentliche Königsmacher im Falle Stoiber war. Ohne Becksteins Vorgriff auf eine Vorstands- und Fraktionsentscheidung wäre 1993 wahrscheinlich nicht Stoiber, sondern der CSU-Vorsitzende und Bundesfinanzminister Waigel Ministerpräsident in Bayern geworden.
Beckstein aber schlug sich auf die Seite seines Dienstvorgesetzten und damaligen Innenministers Stoiber nicht nur aus Freundschaft, sondern auch aus selbstsüchtigen Gründen: Er stand vor seiner ersten Wiederwahl als Bezirksvorsitzender, und die Delegierten hätten ihm keine Unentschiedenheit durchgehen lassen.
Kein Generalist
Nun endlich scheint er kurz vor dem Ziel zu stehen. Das Amt des Ministerpräsidenten ist aber nicht mehr so lastenfrei wie noch 2005: Nun stehen ihm nicht mehr zwei unbeschwerte Regierungsjahre bevor, sondern ein Jahr des Dauerwahlkampfes und dann das Gemessenwerden am letzten Wahlerfolg Stoibers: 60,7 Prozent sind eine verflixt hohe Marke.
Beckstein fällt in der Politik nicht in die Kategorie Generalist. Er ist ein hochspezialisierter Sicherheitspolitiker, wahrscheinlich der fachkundigste in der ganzen Bundesrepublik. Seine Wertschätzung unter Ordnungsbewussten ist groß. Doch ob alle Leute, die die CSU auch um ihrer Spitzenkandidaten wegen wählen, für Beckstein stimmen, ist eine große Frage. Er müsste die kurze Amtszeit bis zur Landtagswahl nutzen, um seine Vorstellungen zur Bildungs- und Kultur-, zur Wirtschafts- und Verbraucherpolitik darzulegen.
Die großen Erfolge Stoibers, der ja auch vor dem Chefposten Innenminister gewesen war, mögen Beckstein Zuversicht geben. Aber der amtierende Ministerpräsident hat sich dann von vielen Nichtpolitikern beraten lassen, nicht immer zum Vorteil der Kollegialität im Kabinett, aber doch um der Sache willen. Falls Beckstein von der Partei offiziell nominiert und von der Fraktion gewählt wird, wird sein Leben nicht leichter, sondern schwerer werden.
Georg Paul Hefty Jahrgang 1947, in der politischen Redaktion verantwortlich für „Zeitgeschehen“.
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