Home
http://www.faz.net/-gpf-75iqo
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Gruppenvergewaltigung in Indien „Ich zittere vor Qualen“

Drei Wochen nach der Tat äußert sich der Freund der 23 Jahre alten Inderin, die in Neu Delhi nach einer Gruppenvergewaltigung starb, über die Tat. Nach seinen Aussagen kam niemand zu Hilfe. Auch der Polizei wirft der Mann Versäumnisse vor.

© AFP Vergrößern Die Tat löste in Indien Empörung und Entsetzen aus und führte zu einer heftigen Debatte über sexuelle Gewalt

Der Freund der nach einer Gruppenvergewaltigung gestorbenen 23-jährigen Inderin hat sich knapp drei Wochen nach der Tat erstmals öffentlich geäußert. „Ich habe zuerst gegen die Männer zu kämpfen versucht und sie später immer wieder angefleht, sie in Ruhe zu lassen“, sagte der junge Mann am Freitag telefonisch der Nachrichtenagentur AFP.

„Die Grausamkeit, die ich gesehen habe, hätte niemand jemals sehen dürfen“, ergänzte der 28-Jährige, der sich in der Stadt Gorakhpur im nördlichen Bundesstaat Uttar Pradesh befand.

Mehr zum Thema

Die Medizinstudentin war am 16. Dezember in Neu Delhi bei der Rückkehr von einem Kinobesuch mit ihrem Freund in einem Bus von sechs Männern vergewaltigt, mit einer Eisenstange traktiert und schließlich aus dem fahrenden Bus geworfen worden. Sie wurde so schwer verletzt, dass sie vor einer Woche starb.

Ihr Freund, der verprügelt und ebenfalls aus dem Fahrzeug geworfen wurde, erlitt einen Beinbruch und weitere Verletzungen. Die Tat löste in Indien Empörung und Entsetzen aus und führte zu einer heftigen Debatte über sexuelle Gewalt.

„Mich haben sie wie eine Sache behandelt“

Dem Freund zufolge kam niemand zu Hilfe, als beide nach ihrer einstündigen Tortur verletzt auf der Straße lagen. „Ein Passant hat uns gefunden, aber meiner Freundin nicht einmal seine Jacke gegeben, wir haben auf Rettung durch die Polizei gewartet“, sagte er AFP.

Auch dieser warf der Mann Versäumnisse vor. Seine Freundin sei in eine Klinik gebracht worden, wo auf ihren mentalen Zustand keine Rücksicht genommen worden sei. „Mich haben sie wie eine Sache behandelt, sie wollten den Fall lösen, noch bevor ich behandelt wurde“, sagte der Mann.

Am Sonntag wurde die Leiche der von mehreren Männern vergewaltigten Inderin in Neu Delhi eingeäschert. In der indischen Hauptstadt gedachten zahlreiche Menschen der jungen Frau. Artikel.Text Video starten $fazgets_pct
© reuters, Reuters Vergrößern Indien trauert um Vergewaltigungsopfer

Zum Hergang des brutalen Zwischenfalls sagte der 28-Jährige, er habe den Bus zunächst gar nicht besteigen wollen. „Aber meine Freundin war spät dran, und so sind wir eingestiegen, was der schwerste Fehler war - danach lief alles außer Kontrolle“, führte er aus.

Der Fahrer des Busses habe als erster lüsterne Bemerkungen von sich gegeben, später hätten die anderen fünf Vergewaltiger eingestimmt. Er habe dann verlangt, den Bus anzuhalten, doch die Männer hätten daraufhin die beiden Türen verriegelt, sagte der Freund.

„Ich kann gar nicht sagen, was ich fühle“

„Sie haben mich mit einem Knüppel geschlagen und meine Freundin zu einem Sitz nahe der Fahrerkabine gezerrt“, sagte der junge Mann. Dort hätten die sechs Männer die Freundin „vergewaltigt und auf die schlimmstmöglichen Arten an den intimsten Stellen des Körpers geschlagen“.

„Ich kann gar nicht sagen, was ich fühle, wenn ich daran denke“, sagte der Freund. „Ich zittere vor Qualen“, fügte er hinzu. Gegen fünf Täter war am Donnerstag Mordanklage erhoben worden. Der sechste soll noch minderjährig sein und könnte vor ein Jugendgericht kommen.

Quelle: FAZ.NET/AFP

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Indische Marsmission Ein Land auf der richtigen Umlaufbahn

Indien hat es preiswert zum Mars geschafft. Und fast alle Inder sind mächtig stolz auf die Wissenschaftler ihres Landes. Alle Systeme der Raumsonde funktionieren. Mangalyaan hat nun auch das erste Bild von der Marsoberfläche zur Erde geschickt. Mehr Von Michael Radunski, Delhi

25.09.2014, 15:17 Uhr | Wissen
Hoeneß ist erpresst worden

Ein 50-jähriger Mann soll Hoeneß für seine bevorstehende Haft erhebliche Schwierigkeiten angedroht haben. Der Erpresser, der bereits mehrere Haftstrafen abgesessen hat, wurde von der Polizei gefasst. Mehr

13.05.2014, 16:33 Uhr | Gesellschaft
Nach Festnahmen in Australien IS-Terror macht den Asiaten Angst

Gerade in muslimischen Ländern der Region, aber auch in Australien und Indien rekrutieren radikale Islamisten Anhänger. Einige wollen ein Kalifat von Indien bis Burma schaffen, andere eines von Südthailand über Singapur bis zu den Philippinen. Mehr Von Christoph Hein, Singapur

18.09.2014, 07:01 Uhr | Politik
Amtseinführung von Narendra Modi

Sein Name riss auch am Montag viele Inder zu Begeisterungsstürmen hin: Narendra Modi, neuer Regierungschef in einem der wichtigsten Schwellenländer der Welt, legte in einer öffentlichen Zeremonie in Neu-Delhi seinen Amtseid ab. Mehr

27.05.2014, 12:13 Uhr | Politik
Offenbach Disco-Überfall mit fünf Verletzten gibt Rätsel auf

Hat eine Bande mit Schlagringen eine Offenbacher Disco gestürmt und fünf Männer verletzt? Weil die Beteiligten schweigen, erweisen sich die Ermittlungen als kompliziert. Mehr

29.09.2014, 14:31 Uhr | Rhein-Main
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 04.01.2013, 18:54 Uhr

Unrechtsstaat

Von Reinhard Müller

Im Zuge der Regierungsbildung in Thüringen wird 25 Jahre nach dem Fall der Mauer wieder eine Frage debattiert, die eigentlich eine rhetorische ist: War die DDR ein Unrechtsstaat? Mehr 18 33

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden