02.05.2005 · Trotz des abermaligen Vorwurfs, das Parlament und die Öffentlichkeit getäuscht zu haben, bescheinigte eine Erhebung drei Tage vor der Unterhauswahl dem britischen Premier Blair und seiner Labour-Partei einen klaren Vorsprung.
Drei Tage vor der Unterhauswahl in Großbritannien hat Premierminister Tony Blair seine Anhänger noch einmal eindringlich um ihre Stimme gebeten.
Apathie sowie Proteststimmen für andere Parteien könnten der Labour Party die erhoffte dritte Amtszeit kosten, warnte Blair am Montag zu Beginn einer Wahlkampftour durch mehrere Stimmbezirke, deren Ergebnisse wichtig für den Wahlausgang sein könnten. Umfragen bescheinigten der Regierungspartei derweil weiterhin einen klaren Vorsprung.
Parlament und Öffentlichkeit getäuscht?
Laut einer Erhebung des Instituts Populus für die „Times“ kommt Labour auf 42 Prozent. Für die Konservativen sprachen sich nur 29 Prozent der 1427 Befragten aus, für die Liberaldemokraten 21 Prozent.
Die Umfrage erfolgte zurzeit der jüngsten Kontroverse über den Irak-Krieg, in der Blair abermals vorgeworfen wurde, das Parlament und die Öffentlichkeit getäuscht zu haben. Die „Sunday Times“ hatte eine Kabinettsnotiz veröffentlicht, die darauf schließen ließ, daß Blair bereits im Juli 2002 über einen Sturz des Präsidenten Saddam Hussein nachgedacht hatte.
Blair wies jedoch umgehend Schlußfolgerungen zurück, wonach er acht Monate vor dem Irak-Krieg mit den Vereinigten Staaten einen Pakt zum Sturz des irakischen Machthabers geplant habe.
Blair: Erfolgreiche Wirtschaftspolitik fortsetzen
Eine Erhebung des Instituts MORI ergab allerdings ein etwas anderes Bild, wenn nur die Angaben von Wahlberechtigten berücksichtig wurden, die definitiv zur Wahl gehen wollen. Dann kommt Labour nur noch auf 36 Prozent. Die Konservativen erreichen 33, die Liberaldemokraten 22 Prozent.
Blair ermahnte seine Anhänger, der Abstimmung auf keinen Fall fern zu bleiben. Es gehe darum, die erfolgreiche Wirtschaftspolitik seiner Regierung fortzusetzen. Die beiden Oppositionsparteien bedrohten die wirtschaftliche Stabilität, warnte der Premierminister.
Neues britisches Opfer im Irak
Unterdessen ist am Montag ein britischer Soldat im Irak getötet worden. Das Verteidigungsministeriums in London bestätigte den Tod des Soldaten bei einem Angriff, nannte aber keine Einzelheiten. Blair sprach der Familie des Soldaten sein Beileid aus.
Nach Angaben des Rundfunksenders BBC wurden seit Beginn des Krieges bislang insgesamt 87 britische Soldaten im Irak getötet. Großbritannien hat etwa 8700 Soldaten im Irak stationiert, die den Süden des Landes kontrollieren.