08.08.2004 · Der Gastgeber ist bei möglichen Terroranschlägen gerüstet. Sowohl gezielte Lehrgänge für Sicherheitseinheiten, als auch die Unterstützung von ausländischen Geheimdiensten und der Nato sorgen dafür.
Mehr als eine Milliarde Euro soll die Aufrüstung Griechenlands zur terrorresistenten Zone bisher gekostet haben - die genaue Rechnung wird erst nach Ende der Spiele vorliegen. Der Minister für öffentliche Ordnung, Giorgos Voulgarakis, hat versichert, die politische Verantwortung für die Unversehrtheit der Olympiateilnehmer liege bei den griechischen Behörden.
"Bewaffnete Bewacher" für einzelne Athleten werde es nicht geben. Das glaubt ihm allerdings kaum noch einer seiner Landsleute, seit die "New York Times" im Juli berichtete, Washington habe sich in Athen mit seiner Forderung nach eigenem bewaffnetem Sicherheitspersonal durchgesetzt. Besonders glaubhaft wurde dieser Bericht nie dementiert.
Lehrgänge für die Sicherheit
Die griechische Polizei verfügt über eine eigens für die Überwachung der Spiele geschaffene Sonderabteilung, die für die Planung und Umsetzung aller Sicherheitsmaßnahmen zuständig ist. Zu dieser Abteilung gehört auch Personal der Küstenwache, der Feuerwehr und der Armee. Eine enge Zusammenarbeit gibt es zudem mit Rettungsteams und der zivilen Flugüberwachung.
Die mit der Sicherheit befaßten Einheiten und Gruppen wurden in besonderen Lehrgängen auf ihre Aufgaben vorbereitet. Geübt wurde unter anderem das Vorgehen bei Geiselnahmen, der bestmögliche Schutz von prominenten und als besonders gefährdet geltenden Gästen sowie das Aufspüren von Sprengkörpern mit Suchhunden. Insgesamt standen nach offiziellen Angaben 124 solcher Übungen auf dem Programm.
Hohe militärische Präsenz
Um die Gefahrenabwehr unter möglichst realistischen Bedingungen zu testen, sind mehrere Großübungen unternommen worden. Das erste dieser Manöver ("Trojanisches Pferd") fand schon zwei Monate nach den Anschlägen vom 11. September 2001 statt. Geübt wurden später unter anderem die Reaktion auf Flugzeugentführungen oder "Vorfälle" im Hafen von Piräus (Übung "Regenbogen" im November 2002). Bei der Übung "Hydra 2003" im Mai vergangenen Jahres wurde das koordinierte Vorgehen in allen Städten getestet, in denen olympische Wettbewerbe ausgetragen werden sollen: Olympia, Patras, Volos, Thessaloniki, Iraklion.
In der vergangenen Woche teilte die Regierung mit, zur Abwehr möglicher Terrorangriffe habe man weitere 35 000 Soldaten abgestellt. In Athen selbst werden demnach etwa siebzigtausend Polizisten und Soldaten eingesetzt sein, die zusätzlichen Sicherheitskräfte sollen die Grenzen und Infrastrukturanlagen im Land überwachen. In Zusammenarbeit mit der Türkei, Mazedonien, Albanien und Bulgarien wurde die Grenzüberwachung schon in den vergangenen Monaten verstärkt. Die Armee werde zweihundert Flugzeuge und fünfzig Schiffe zur Überwachung der Spiele einsetzen, teilte die Regierung mit.
Geheimdienste und Luftüberwachung sorgen für Sicherheit
Auf griechischen Wunsch kommt es dabei zu einer Zusammenarbeit mit der Nato und ausländischen Geheimdiensten. Eine tschechische Nato-Einheit zur Bekämpfung von Angriffen mit ABC-Waffen ist nach griechischen Presseberichten bereits im Lande. Zum Schutz der deutschen Athleten und Funktionäre sind Mitarbeiter des Bundeskriminalamtes in Griechenland.
Die Nato hat unter anderem Awacs-Überwachungsflugzeuge zugesagt, die drei Tage vor der Eröffnung der Olympischen Spiele am 13. August mit ihren Einsätzen beginnen sollen. Über Athen wird dann, wenn der Wind nicht zu stark bläst, auch ein Zeppelin schweben, um Überwachungsbilder von Wettkampfstätten an das Sicherheitszentrum zu senden und Telefongespräche mitzuschneiden.