http://www.faz.net/-gpf-74bmb
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 13.11.2012, 08:00 Uhr

Grenzkonflikt Israel schießt wieder auf Ziele in Syrien

Die israelische Armee nimmt am zweiten Tag in Folge Ziele in Syrien unter Beschuss. Israels Präsident Benjamin Netanjahu kündigt harte Reaktionen bei weiteren Grenzverletzungen an.

© AFP Blick von den israelisch besetzten Golanhöhen auf die syrische Staat Quneitra.

Im Nahen Osten wächst die Angst, dass Nachbarländer Syriens in den Bürgerkrieg hineingezogen werden könnten: Israel nahm den zweiten Tag in Folge Ziele in Syrien unter
Beschuss und hat dabei nach Angaben der Militärführung „direkte Treffer“ auf ein syrisches Militärfahrzeug gelandet. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kündigte in einer Rede vor
Botschaftern in Jerusalem wenig später am Montag an, bisher als Querschläger hingenommene Granateneinschläge auf israelischem Boden nicht länger mehr zu dulden.

„Wir beobachten genau, was passiert und werden entsprechend antworten. Wir werden keine Grenzverletzungen dulden und nicht zulassen, dass auf unsere Bürger geschossen wird“, sagte er. Ebenfalls am Montag wurden direkt an der Grenze zur Türkei bei einem syrischen Luftangriff auf Rebellen nach türkischen Angaben bis zu zwanzig Menschen getötet.

Wachsende Befürchtungen

Mit dem jüngsten Zwischenfall nahmen die Befürchtungen erheblich zu, die Nachbarländer Syriens könnten in den syrischen Bürgerkrieg hineingezogen werden. Israel hat bislang versucht, das zu vermeiden. Eine direkte israelische Beteiligung an dem Konflikt könnte Auswirkungen auf die gesamte Region haben: Die Hisbollah im Südlibanon und militante Hamas-Gruppen im Gazastreifen könnten wieder auf Konfrontationskurs gehen. Im Gazastreifen haben in den letzten Tagen bereits die Kampfhandlungen wieder zugenommen.

Israel hatte am Sonntag erstmals auf den Einschlag von Mörsergranaten auf den nach dem Sechstagekrieg 1967 annektierten Golanhöhen reagiert und einen Warnschuss in Richtung Syrien abgegeben. Vertreter der Streitkräfte gingen bislang stets davon aus, dass es sich um verirrte Geschosse aus Kämpfen zwischen syrischen Regierungstruppen und Aufständischen in Grenznähe handelte. Am Montag erklärte ein hoher Regierungsbeamter jedoch, Israel zweifle allmählich an dieser Einschätzung: „Wir dachten, das sind Irrläufer, aber heute sind wir uns nicht sicher.“

Chinesischer Appell

Als erste internationale Organisation erkannte der Golfkooperationsrat (GCC) den neuen Dachverband der Oppositionsgruppen als legitime Vertretung des syrischen Volkes an. Nach tagelangen Verhandlungen hatten sich verschiedene Gruppen von Regimegegnern am Sonntag zur Syrischen Nationalkoalition für Opposition und Revolutionäre Kräfte zusammengeschlossen. Die Golfstaaten hofften, die Opposition habe damit „einen Schritt in Richtung eines schnellen politischen Machttransfers“ unternommen, sagte GCC-Generalsekretär Abdullatif al Sajani am Montag.

China rief unterdessen erneut alle Parteien in Syrien zu Verhandlungen auf. Außenministeriumssprecher Hong Lei wich jedoch Fragen danach aus, ob Peking die neue Führung der syrischen Regimegegner anerkenne. Am Wochenende hatte sich die Opposition nach mehrtägigen Verhandlungen in Katar neu aufgestellt und den Geistlichen Maath al Chatib aus Damaskus zum Präsidenten ihrer Organisation bestimmt, die sich Syrische Nationalkoalition für Opposition und Revolutionäre Kräfte nennt.

Eine Festnahme in London

Auf dem Londoner Flughafen Heathrow wurde unterdessen am Montag ein Mann wegen Terrorverdachts festgenommen. Der Vierundzwanzigährige sei möglicherweise in die Planung von Terrorakten in Syrien verwickelt, teilte die britische Polizei mit. Er sei in Gewahrsam genommen und verhört worden, nachdem er am Montagmorgen mit einer Maschine aus Bahrain in Heathrow gelandet war. Im Rahmen der gleichen Ermittlung war im Oktober ein Mann festgenommen worden, der die Entführung von zwei ausländischen Journalisten in Syrien geplant haben soll.

Mehr zum Thema

Quelle: dapd

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Belagerung in Syrien Eingang zur Hölle

Russland und das Assad-Regime hungern Aleppo aus. Gleichzeitig machen sie den Einwohnern der geschundenen Stadt ein vergiftetes Angebot. Mehr Von Christoph Ehrhardt und Friedrich Schmidt, Moskau

30.07.2016, 12:20 Uhr | Politik
Nach Anschlagswelle Seehofer geht auf Distanz zu Merkel

CSU-Chef Horst Seehofer beteuerte, er wolle keinen Streit. Aber den Satz von Bundeskanzlerin Merkel Wir schaffen das, könne er sich beim besten Willen nicht zu eigen machen. Mehr

30.07.2016, 17:53 Uhr | Politik
Gewalt und Islam Muslimischer Theologe sieht Religion als Schutz vor Terrorismus

Nach den jüngsten Anschlägen von Anhängern der Terrormiliz IS melden sich Vertreter von Islam und Christentum zu Wort. Die Einschätzung der Gefahren und Ursachen unterscheiden sich dabei deutlich. Mehr

29.07.2016, 13:50 Uhr | Politik
Nach Putschversuch Kölner besorgt über Erdogan-Demo

Auf der Deutzer Werft wollen sich am Sonntag Tausende Erdogan-Anhänger versammeln. Es werden bis zu 30.000 Menschen erwartet. Mehr

30.07.2016, 17:44 Uhr | Politik
Terroranschläge Französische Regierung gegen Internierungslager für Islamisten

Der französische Premierminister Manuel Valls hat Forderungen nach einem Internierungslager für Islamisten wie in Guantanamo zurückgewiesen. Im Fall des Terrorangriffs auf eine Kirche räumt er ein Scheitern der Justiz ein. Mehr Von Michaela Wiegel, Paris

29.07.2016, 12:35 Uhr | Politik

Söder persönlich

Von Klaus-Dieter Frankenberger

Die Kanzlerin bekräftigt „Wir schaffen das“ und die CSU bleibt leise? Nein, denn jetzt hat sich Markus Söder zu Wort gemeldet. Fragt sich nur, was er denn von der Kanzlerin erwartet hatte. Mehr 62 47

Abonnieren Sie den Newsletter „Politik-Analysen“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden