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Greenpeace und Gorleben Ignorante Aufklärer

21.04.2010 ·  Aus einem eindrucksvollen Beleg für die Undurchlässigkeit des Salzgesteins hat Greenpeace ein k.o.-Argument für Gorleben gemacht. Die Manipulation mit Akten hat sich für die Atomkraftgegner gelohnt: Wie immer, haben ihnen fast alle Medien ihre Schauergeschichte abgekauft.

Von Stefan Dietrich
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Aus ungefähr fünfzigtausend Seiten Gorleben-Akten verschiedener Behörden haben Greenpeace-Experten 27 Schriftstücke herausgefischt. Eine Woche vor der Konstituierung des Gorleben-Untersuchungsausschusses im Bundestag wurden sie auszugsweise auf der Internetseite von Greenpeace zur Schau gestellt. Präsentiert wird dort unter anderem ein „bis zu eine Million Kubikmeter großes Wasserreservoir“ im Salzstock Gorleben, das angeblich seit 1996 vom Bundesamt für Strahlenschutz vertuscht wird. Der von Greenpeace engagierte Geologe Ulrich Schneider warnte: „Wenn dieses Reservoir sich auf einen Schlag öffnet, säuft der Erkundungsbereich 1 fünfmal ab.“ In der Tat müsste man das Bergwerk sofort zuschütten, wenn das zuträfe.

Längst aber hat sich herausgestellt, dass der 1996 entdeckte Laugeneinschluss nicht hunderttausende sondern nur einige hundert Kubikmeter groß ist. Und dass er, wie alle anderen bisher entdeckten Wasserlinsen, 250 Millionen Jahre alte Urlauge aus der Entstehungszeit des Salzstocks enthält. Aus einem eindrucksvollen Beleg für die Undurchlässigkeit des Salzgesteins macht Greenpeace also ein k.o.-Argument für Gorleben. Die plumpe Manipulation mit Akten hat sich für die Atomkraftgegner wieder einmal gelohnt: Wie immer, haben ihnen fast alle Medien ihre Schauergeschichte abgekauft.

Politische Motive

Dabei hätte es nicht einmal der Recherche bedurft, um sie als Schwindel zu entlarven, sondern einfacher Überlegung: Für die rot-grüne Bundesregierung, die 1998 auch im Bundesamt für Strahlenschutz die Macht übernahm, wäre das angebliche Geheimwissen dieser Behörde eine höchst willkommene Handhabe zur Einstellung des Endlagerprojekts gewesen. Tatsächlich aber musste sie eingestehen, dass Beweise für die Nichteignung des Salzstocks nicht vorlägen. Deshalb konnte die Regierung Schröder lediglich eine Unterbrechung, nicht aber die Beendigung der Erkundungen durchsetzen.

Um die ausgedehnten Salzvorkommen in der norddeutschen Tiefebene – Rückstände mehrfacher Meeresüberflutungen – wird Deutschland von etlichen Ländern beneidet, die ebenfalls auf der Suche nach sicheren Endlagerstätten für radioaktive Abfälle sind. Aufgrund seiner physikalischen Eigenschaften bietet Salz besonders für wärmeentwickelnde Abfälle Vorteile gegenüber kristallinen Gesteinen, in denen Rissbildungen und Wegsamkeiten schwer auszuschließen sind. Skandinavier, Schweizer und Japaner, die dennoch darauf angewiesen sind, ihre Abfälle in tiefen Granitformationen unterzubringen, müssen diesen Nachteil mit aufwendigen technischen Barrieren ausgleichen.

Deutschland dagegen verfügt über große Salzstöcke, die ihre Form seit Millionen Jahren nicht verändert haben und – im Gegensatz zum Bergwerk Asse II – nie ausgebeutet wurden. Sie sind so zahlreich, dass die Vorauswahl für ein Endlager in den sechziger Jahren 140 Standorte einbezog. Das mehrstufige Auswahlverfahren, das die Bundesregierung damals initiierte, brachte drei Standorte in die engste Wahl, die jedoch nacheinander aufgegeben werden mussten, weil oberirdische Gründe dagegenstanden: die Nähe von Bundeswehrübungsplätzen, von Wasserschutzgebieten oder Widerstand in der Bevölkerung.

Ein niedersächsisches Auswahlverfahren brachte dann Gorleben ins Spiel. Erst im strukturschwachen Landkreis Lüchow-Dannenberg fanden sich Gemeindegremien, die der Errichtung eines nuklearen Entsorgungszentrum überwiegend positiv gegenüberstanden. Insoweit war dieser Vorschlag auch politisch begründet. Das gleiche gilt aber auch für die Ablehnung dieses Standorts durch Bundeskanzler Schmidt: Er wollte eine strategisch so wichtige Einrichtung nicht an der Nato-Grenze haben. Erst recht waren und sind alle rot-grünen Bemühungen, der Atomindustrie in Gorleben den Entsorgungsweg abzuschneiden, politisch motiviert.

Ein Fachmann, der seine Meinung geändert hat

Gerd Lüttig, der frühere Vizepräsident des Bundesamts für Bodenforschung, hielt Gorleben ursprünglich nur für „zweite Wahl“. Gorleben-Gegner zitieren ihn deshalb bis heute gern als ihren Kronzeugen. Den Geologen Lüttig aber haben die Ergebnisse der untertägigen Erkundung inzwischen davon überzeugt, dass seine erste Einschätzung zu pessimistisch war.

Das möchte aber nun niemand mehr von ihm hören – am wenigsten die Abgeordneten der drei Oppositionsfraktionen, die jetzt die parlamentarische Untersuchung der Standortauswahl durchgesetzt haben. Die 26 Fragen, die den Untersuchungsauftrag bilden, drehen sich ausschließlich um Vorgänge zwischen 1977, als die Regierung Albrecht die Vorentscheidung für Gorleben traf, und 1983, als die Bundesregierung unter Helmut Kohl entschied, nur diesen Standort untertägig zu erkunden. Gorleben ist inzwischen die am besten erforschte Salzlagerstätte der Welt. Doch alles, was in den 17 Jahren bis zur Verhängung des Forschungsverbots an Erkenntnissen gewonnen wurde, wollen die Abgeordneten von SPD, Grünen und Linkspartei nicht wissen.

Nichts spricht so sehr für die Aufhebung des Gorleben-Moratoriums wie die Angst der Opposition, durch Fakten widerlegt zu werden.

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