07.10.2003 · Kurz vor der Wahl in Kalifornien sind die Umfragewerte von Arnold Schwarzenegger gesunken. Der Schauspieler spricht von einer „Schmutzkampagne“ und will den amtierenden Gouverneur Gray Davis „aus Sacramento jagen“.
Bei seinem letzten Auftritt vor der mit Spannung erwarteten Neuwahl in Kalifornien hat der republikanische Kandidat Arnold Schwarzenegger vor allem den Frauen unter seinen Anhängern gedankt. Vor dem Hintergrund von massiven Vorwürfen sexueller Belästigung sagte der Schauspieler am Vorabend der Wahl: „Allen unglaublichen Frauen: Danke!“
Es sei höchste Zeit, den amtierenden Gouverneur Gray Davis „aus Sacramento zu jagen“. Bei der ersten vorzeitige Neuwahl eines Gouverneurs in den Vereinigten Staaten seit 82 Jahren werden die 15,4 Millionen registrierten Wähler an diesem Dienstag zunächst über die Abwahl des demokratischen Amtsinhabers Davis zu entscheiden, dem eine miserable Amtsführung vorgeworfen wird. Direkt im Anschluß wird der Nachfolger gewählt. Insgesamt bewerben sich über 130 Kandidaten um das Gouverneursamt in der Hauptstadt Sacramento.
Das Verfahren zur Abberufung des Gouverneurs (“Recall“) wurde von Republikanern in Gang gesetzt, die in Kalifornien in der Opposition sind. Davis verbrachte seinen letzten Wahlkampfauftritt bei 2.500 Feuerwehrleuten, die meisten von ihnen in T-Shirts mit der Aufschrift „No Recall“. „Wenn Sie mir die Chance geben, meine Amtszeit abzuschließen, werde ich dies mit all der Leidenschaft und Menschlichkeit tun, die ich aufbringen kann“, sagte der Gouverneur. Kalifornien ist politisch von großer Bedeutung in den Vereinigten Staaten. Der Staat stellt 55 Wahlmänner. Dies sind fast ein Fünftel der notwendigen Stimmen, um die nächste Präsidentenwahl im kommenden Jahr zu gewinnen.
Schlechtere Umfragewerte für Schwarzenegger
Nach neuesten Umfragen nahm die Zahl der Wähler die „ganz bestimmt“ gegen Davis stimmen wollten von 52 auf 44 Prozent ab. Bei seinem Wahlkampf-Endspurt in Begleitung seiner Frau, Maria Shriver, wies Schwarzenegger die Anschuldigungen als Schmutzkampagne seiner Gegner zurück. Erst nach den Wahlen wolle er sich genauer zu den Vorwürfen äußern, sagte der Schauspieler.
Rund zwei Millionen Bürger haben ihre Stimme bis zum Dienstag bereits per Briefwahl abgegeben. Bei einem Kopf-an-Kopf-Rennen könnte es Tage dauern, bis ein zuverlässiges Wahlergebnis feststeht, sagen Wahlbeobachter. Die Bezirke haben 28 Tage, um ihre Stimmenauszählung einzureichen. Danach stellt die Regierung in Sacramento das amtliche Endergebnis fest. Sollte Davis des Amtes enthoben werden, könnte der neue Gouverneur dann frühestens Mitte November die Nachfolge antreten.
Erst im vergangenen Herbst war der Demokrat Davis mit knapper Mehrheit als Gouverneur wiedergewählt worden. Republikanische Widersacher, die dem spröden Politiker die Schuld für ein Milliarden-Defizit und die Wirtschaftsflaute an der Westküste geben, riefen im Frühjahr eine Abberufungsinitiative ins Leben. Über eine Million Wähler sprachen sich für den „Recall“ aus. Die letzte Abberufung eines amerikanischen Gouverneurs fand 1921 statt, als der Amtsinhaber von North Dakota, Lynn Frazier, abgewählt wurde.