Home
http://www.faz.net/-gpf-752bz
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Gorch Fock Der Seelsorger segelt mit

Nach dem unglücklichen Tod einer Kadettin und zwei schwierigen Jahren des Umdenkens und Umstrukturierens ist die Gorch Fock erstmals wieder zu einem Ausbildungstörn in See gestochen. Künftig sollen Militärgeistliche für die Kadetten da sein.

© dapd Vergrößern Vor der Fahrt mit neuem Konzept: Hauptgefreiter im November in Kiel an Bord der Gorch Fock

Die Gorch Fock ist für die deutsche Marine nicht irgendein Schiff. An Bord des 90 Meter langen Großseglers werden Offiziers- und Unteroffiziersanwärter für die künftigen Aufgaben als militärische Führer ausgebildet. Zugleich soll die schwimmende Ausbildungsstätte ein „Botschafter in Blau“ sein, sich also - wie ein Bundespräsident - aus dem operativen Geschäft heraushalten und mit den besten Grüßen der Bundesrepublik im Gepäck nach Übersee segeln. Der Ruf dieser Elitewerkstatt unter Segeln hat in den vergangenen zwei Jahren indes Schaden genommen. Den traurigen Höhepunkt bildete der unglückliche Tod einer Kadettin. Die Marine überprüfte darauf die Ausbildung und legte ein neues Konzept vor, zu dem auch die ausgebaute Präsenz eines Militärgeistlichen auf der Gorch Fock gehört.

Anders als verschiedene Nachrichtenagenturen berichtet haben, werden in Zukunft ein katholischer und ein evangelischer Pfarrer aber nicht „ständig“ an Bord sein, sondern lediglich „häufiger“, so der Militärdekan im Marinekommando, Rainer Schadt. Außerdem sollen sich die zwei Geistlichen abwechseln. „Jedes Mal, wenn sie anlegt, sind wir da“, sagt Monsignore Schadt. So sehe das Idealbild aus.

"Gorch Fock" zu erstem Ausbildungstoern mit neuem Konzept gestartet © dapd Vergrößern Erster Ausbildungstörn seit zwei Jahren - dennoch fällt der Abschied schwer.

Die seelsorgerische Betreuung beginnt, bevor das Schiff in See sticht, an der Marineschule in Flensburg-Mürwick. Neben Nautik werden dort die angehenden Offiziere auch in Ethik unterrichtet. Allein der Eid, den sie schwören, markiere einen erklärungsbedürftigen „hohen ethischen Anspruch“, erläutert Schadt. Hinzu kommt die Beschäftigung mit den natürlichen Gefahren des Soldatenberufs, die auf hoher See nicht in der Fülle lauern wie auf dem Land. Der Tod ist dennoch auch dort ein denkbares Ende eines soldatischen Arbeitstags. Dazu muss kein Schuss abgegeben worden sein. Denn Soldaten bewegen sich in gefährlichen Lagen und gehen mit sensiblen Materialien um. Da passieren Unfälle. „Wir stehen sofort zur Verfügung, wenn ein Unglücksfall passiert“, versichert Schadt.

Seit mehr als 55 Jahren gibt es die katholische und evangelische Militärseelsorge in der Bundeswehr. Die Kirche begleitet die Schiffe der Marine seit 1961. Im Soldatengesetz heißt es: „Der Soldat hat einen Anspruch auf Seelsorge und ungestörte Religionsausübung. Die Teilnahme am Gottesdienst ist freiwillig.“ Seither haben sich die gesellschaftlichen Verhältnisse verändert. Die Säkularisierung und Individualisierung treffen die Bundeswehr genauso wie die zivile Gesellschaft.

"Gorch Fock" zu erstem Ausbildungstoern mit neuem Konzept gestartet © dapd Vergrößern Matrose in den Wanten des Dreimasters

Auf der Jubiläumsfeier „50 Jahre Militärseelsorge im Norden“, die im April 2006 in Hamburg stattfand, hatte der damalige Militärgeneralvikar Walter Wankenhut festgestellt: „Unsere Armee ist keine Armee von Christen, die sie 1956 einmal war.“ Seit der politischen Wende in Europa und der deutschen Einheit bildeten Nichtchristen oder Nicht-mehr-Christen zusammen die stärkste Gruppe in der Bundeswehr. Das mache sich bemerkbar, wenn es um das Verständnis von Kirche und kirchlichem Auftrag gehe. Viele verstünden die Sprache der Kirche nicht mehr. Sie sei ihnen fremd, unbekannt. Trotzdem, berichtet Schadt, nutzten die Soldaten weiter die Gottesdienste und die Spendung der Sakramente.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Bundeswehr Jeder zweite Marine-Hubschrauber defekt 

Die Hälfte der Hubschrauberflotte der Marine ist zurzeit nicht einsatzbereit. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums bestätigt einen Bericht, wonach alle 22 Bordhubschrauber des Typs Sea Lynx aus Sicherheitsgründen nicht abheben dürfen. Mehr

22.09.2014, 08:12 Uhr | Politik
Bundeswehr behandelt ukrainische Soldaten

20 verletzte Soldaten sind von der Bundeswehr aus Kiew ausgeflogen worden und sollen nun in Deutschland behandelt werden. Sie wurden bei Kämpfen gegen die prorussischen Separatisten im Osten der Ukraine verletzt. Mehr

02.09.2014, 23:37 Uhr | Politik
Flüchtlingsschiffe untergegangen Hunderte Tote bei zwei Schiffsunglücken befürchtet

Vor Malta und der libyschen Küste sollen zwei Schiffe mit Migranten untergegangen sein. Es werden hunderte Tote befürchtet. Eines der Boote ist nach Berichten von Augenzeugen womöglich absichtlich zum Kentern gebracht worden. Mehr

15.09.2014, 12:50 Uhr | Politik
Ukrainische Soldaten auf der Krim freigelassen

Russland lässt mehrere ukrainische Offiziere frei, die bei der Einnahme ihrer Stützpunkte auf der Krim festgesetzt worden waren. Mehr

27.03.2014, 15:47 Uhr | Politik
Soldaten verabschiedet Bundeswehr schließt Alheimer-Kaserne

Die Strukturreform der Bundeswehr erreicht auch die Kaserne Alheim bei Rotenburg. Die dortige Garnison ist am Mittwoch aufgelöst worden. Mehr

17.09.2014, 19:50 Uhr | Rhein-Main
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 18.12.2012, 13:36 Uhr

Ursula needs you!

Von Reinhard Müller

Ursula von der Leyen sucht Freiwillige für den Kampf gegen Ebola. Hoffentlich ist die Fürsorgepflicht des Dienstherrn nicht auch nur freiwillig. Mehr 1 11