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Googles Datenpanne Schlamperei oder Vorsatz?

16.05.2010 ·  Google hat mit seinen Street-View-Fahrzeugen nicht nur Häuser fotografiert, sondern im Vorbeifahren auch Fragmente von E-Mails und Websites aus offenen Netzwerken gefischt. Die „versehentliche“ Verletzung des Datenschutzes muss hellhörig machen.

Von Stefan Tomik
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Wohlmeinende konnten bislang immer darauf verweisen, Google sammele in seinen Street-View-Fahrzeugen lediglich solche Daten über private Funknetzwerke, die andere Firmen auch schon speicherten, und das sogar schon viel länger. Und Google bewegte sich dabei wieder einmal in einer juristischen Grauzone, in der höchstrichterliche Entscheidungen über den Schutz bestimmter Daten noch ausstehen. Das ist nun vorbei.

Am Freitagabend hat Google eingestanden, auch Nutzdaten aus ungesicherten Netzen erfasst und gespeichert zu haben, und das schon seit Jahren. Dabei soll es sich auch um Fragmente von E-Mails und Websites gehandelt haben. Das ist eine eklatante Verletzung des Datenschutzes, die um so schwerer wiegt, als Google noch vor gerade einmal zwei Wochen wiederholt beteuerte, solche Daten gerade nicht zu erheben. Da war die Debatte über die Sammelwut des Konzerns längst entbrannt.

Jahrelang nichts gemerkt?

Google hat sie immer wieder durch seine Geheimniskrämerei befeuert. Dass die Autos, die für das Projekt Street View in ganz Deutschland und 29 anderen Staaten unterwegs sind, auch Daten aus Funknetzen erfassen, gab man erst auf misstrauische Nachfragen hin zu. Angeblich hielt man es nicht für nötig, das von vornherein offen zu sagen. Dann wurde eine deutsche Website online gestellt, die einen Blick „hinter die Kulissen“ versprach. Ein lustiges Animationsfilmchen sollte den Nutzer über den Datenschutz bei Street View „informieren“. Doch die Information, dass bei dieser Gelegenheit gleich auch WLANs erfasst werden, fehlt auch hier. (Siehe: Wie Google sein Projekt Street View erklärt)

Dass Google anführte, das eine habe mit dem anderen nichts zu tun und die Funknetzdaten seien nicht Teil des Projektes Street View, zeigte nur einmal mehr, dass man die Aufregung und die Ängste einfach nicht verstanden hat. Auch dieses Mal bedurfte es wieder besonders hartnäckiger Nachfragen des Hamburger Datenschutzbeauftragten Johannes Caspar, um Google auf die Sprünge zu helfen. Daraufhin wurde der Fehler im Firmenblog publik gemacht - unter dem unverfänglichen Titel „Wifi-Datensammlung - eine Aktualisierung“.

Allgemein anerkannt ist, dass Google über viele der besten Programmierer der Welt verfügt. Die Software der Street-View-Fahrzeuge wurde angeblich vor dem Einsatz getestet, auch hinsichtlich des Datenschutzes. Und doch soll jahrelang niemandem aufgefallen sein, dass aus Versehen hunderte Gigabyte an Nutzdaten erhoben wurden?

Wenn man hier schon keinen Vorsatz entdecken möchte, so war zumindest ein gehöriges Maß Schlamperei im Spiel. Das ist nicht weniger bedenklich bei einem Unternehmen, das danach strebt, alle Informationen der Welt zu organisieren, und zu diesem Ziel sammelt, was es nur kriegen kann.

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Jahrgang 1974, Redakteur in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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