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Google in China Wider die Zensur

 ·  Google, das lange Zeit bereit war, sich von den chinesischen Behörden vieles bieten zu lassen, hat jetzt offenbar die Nase voll. Aber widersteht das Unternehmen tatsächlich? Oder hat es die Hacker-Angriffe nur genutzt, um seinen angekratzten Ruf öffentlichkeitswirksam aufzubessern?

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Die chinesische Regierung macht eine schwere Zeit durch. Bedauern sollte man sie deswegen nicht, hat sie sich ihre Schwierigkeiten doch selbst zuzuschreiben. Am Mittwoch hat der Ruf der Volksrepublik im Ausland einen weiteren Schlag erhalten. Sogar ein Wirtschaftsunternehmen wie Google, das lange Zeit bereit war, sich von den chinesischen Behörden vieles bieten zu lassen, hat jetzt offenbar die Nase voll. Die Drohung Googles, sich vollständig aus China zurückzuziehen, wirft – endlich – ein Schlaglicht auf die Praktiken von Behörden, die ihre Bürger nicht nur vor angeblich „ungesunden“ Ansichten bewahren wollen, sondern Kritiker gleich für viele Jahre einsperren.

Die massenhaften elektronischen Angriffe auf Google und andere Unternehmen, die ihren Ursprung nach Angaben der Amerikaner in China hatten, haben das Fass zum Überlaufen gebracht. Manchen Funktionär in der Volksrepublik wird die Ankündigung Googles überraschen, hatten Chinas Regierende doch bisher immer den Eindruck gewinnen müssen, Kritik aus dem Ausland souverän ignorieren zu können. Aber die chinesische Führung macht womöglich den Fehler, den vor ihr schon viele Diktaturen gemacht haben. Demokratien sind für einige Zeit bequeme Partner, neigen sie doch nicht zu heftigen Reaktionen. Aber zu sehr reizen oder demütigen sollte man sie auch nicht. Wenn es an die Substanz geht, können auch „Softies“ – als solche muss China die westlichen Staaten betrachtet haben – sich zur Wehr setzen.

Jetzt gilt es freilich, konsequent zu bleiben. Die amerikanische Regierung hat in deutlichen Worten eine Erklärung Pekings für die Angriffe gefordert. Diese wird, wenn sie kommt, in die Kategorie „beleidigte Unschuld“ einzuordnen sein. Wirklich spannend wird allerdings die Antwort auf die Frage, wie konsequent Google seine Ankündigungen in die Tat umsetzen wird. Widersteht das Unternehmen von nun an tatsächlich den Zensuransinnen der chinesischen Behörden? Oder hat es die Angriffe nur genutzt, um seinen angekratzten Ruf vor aller Welt öffentlichkeitswirksam aufzubessern? Selbst wenn Google wirklich alles wahrmacht, was es jetzt sagt, könnte ein für das Unternehmen negatives Ergebnis die Folge sein. Die Internetgemeinde könnte nämlich von China lernen, wie ein Leben ohne Google funktioniert.

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Jahrgang 1958, Redakteur in der Politik.

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